Eugenik bleibt legal

Das Logo des zweiten internationalen Eugenik-Kongress, 1921

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das deutsche Inzestverbot für rechtens erklärt. Die Beziehungen zwischen Geschwistern bleiben damit strafbar. Ein deutsches Paar hatte geklagt. Das Verbot hat eigentlich nur ein Ziel: Das Verhindern der Zeugung von unwertem Leben. Nur ist es inkonsequent: Wenn man Familienangehörigen den Beischlaf miteinander verbieten will, weil der Nachwuchs ein stark erhöhtes Risiko hat, mit Erbschäden geboren werden kann, müsste man auch Behinderten, Alten, Aidskranken und anderen Risikogruppen den Beischlaf verbieten.

Macht das Verbot wirklich Sinn? Die Mehrheit der Menschen entscheidet sich bei freiwilliger Auswahl für einen Partner außerhalb der Familie, eine massive Zunahme von Inzestfällen ist nicht zu befürchten. Inzest ist auch nicht mit Kindesmissbrauch oder Zwangsheirat gleichzusetzen, das natürlich selbst bei Aufhebung bei Inzestverbot weiterhin strafbar bleiben würde. Außerdem ist es die freie Entscheidung eines Menschen, welchen Partner er hat.

In der taz verteidigt Deniz Yücel das Inzestverbot. Das hört sich dann so an:

Wer einen Partner oder eine Partnerin sucht, muss in die Welt hinaus, und sei es nur bis ins nächste Dorf. Das aber bedeutet: Kommunikation, Mobilität, Fortschritt. Das Gegenteil ist das sprichwörtliche Kaff in den Alpen, das seit Jahr und Tag im eigenen Saft brütet. Darum geht es… Es geht auch nicht um den Gleichheitsgrundsatz – selbstverständlich können Allergiker oder Diabetiker miteinander Kinder bekommen, auch wenn dies das Risiko von Erbkrankheiten erhöht. Es geht um eine zivilisatorische Norm. Weniger prätentiös formuliert: Milliarden Menschen bieten eine wunderbare Auswahl, warum sollte man mit seinen Geschwistern ins Bett?

Das Inzestverbot als Wegbereiter für Multikulti und Toleranz?

12 Antworten to “Eugenik bleibt legal”

  1. American Viewer Says:

    Eugenik sehe ich darin nicht. Und wenn schon.

    Aber es spricht schon Bände, dass sich ein Mann wie Yücel für ein Verbot ausspricht. Irgendwie typisch. Yücel ist immer wieder ein perfekter Kontraindikator. Genauso wie der EGMR. Jeden Unsinn lassen sie zu, aber bei Inzest hört der Spaß auf. Die Richter dort ticken schon lange nicht mehr ganz richtig.

    SpOn oder taz zogen kürzlich auch einen „Wissenschaftler“ an Land, der behauptet hat in ca. 40-50% der Fälle wären bei den Kindern von Geschwistern schwere genetisch bedingte Krankheiten zu erwarten. Meine Zahlen sind da ganz anders. Aber da sieht man mal wie extrem weit die Meinungen auseinandergehen. Selbst unter Fachleuten.

  2. American Viewer Says:

    Wahrscheinlich ging es um den Fall aus Sachsen, tippe ich mal. Die beiden wussten noch nicht einmal gleich das sie Geschwister sind, da getrennt aufgewachsen und so weiter. Den Vater steckte man mehrmals in den Knast deswegen. Aber jeden Sexualstraftäter lassen sie wieder springen. Wer ist hier eigentlich wirklich pervers? Die Richter oder das Inzest-Paar? So viel Inzest können die beiden gar nicht machen, dass sie den IQ und das Weltbild diverser andere Leute erreichen. Die Juristen ziehen die beiden runter auf ihre Niveau und dann schlagen sie sie mit Erfahrung.

  3. American Viewer Says:

    Ich mag das Eugenik-Argument nicht, ich halte es nicht für logisch. Ich argumentiere anders. Mit Freiheit zum Beispiel. Ich halte Geschwister-Inzest nicht für wünschenswert, aber ich finde es erst Recht falsch, wenn man die Eltern deswegen bestraft. Wem ist damit geholfen, wenn der Vater der Kinder wegen so etwas ins Gefängnis muss? Niemandem.

    Dieses Verbot ist ein typisches Beispiel für ein total überflüssiges Gesetz. Wir haben viel zu viele überflüssige Gesetze. Geschwister-Inzest ist so extrem selten, dass es einfach keinen Sinn macht, dafür ein Gesetz zu erlassen.

    Mit dem Eugenik-Argument wäre ich vorsichtig. Mit diesem Totschlagargument verbietet man ja in Deutschland alles: PID, Gentests und so weiter. Ja selbst Abtreibung ist in Deutschland nach dem Gesetzeslaut eigentlich nach der 12. Woche verboten.

    Aus meiner Sicht haben sich im Westen Behinderten-Lobbys und Industrien gebildet, die regelrecht erpicht darauf sind, die Anzahl der erkrankten Menschen möglichst hoch zu halten. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Der Kampf gegen die „Zucht“ ist in diesen Fällen immer auch der typisch linke Rousseau-Kampf „Künstlichkeit“ gegen „Natürlichkeit“. Auf der einen Seite die „böse Technik“ und auf der anderen Seite „die gute Natur“, die es „schon richten“ wird.

    Mit dem Totschlagargument „Eugenik“ müsste man konsequenterweise jeden Eingriff in die Natur ablehnen. Warum schicken wir unsere Kinder zur Schule? Warum behandeln wir Knochenbrüche? Warum machen wir künstliche Befruchtung? Warum treiben wir ab? Warum behandeln wir Krebs? Warum sollte man nicht die Augenfarbe seines Kindes heraussuchen dürfen? Warum sollte man nicht ein Kind zeugen dürfen, dessen Erbanlagen so ausgelegt sind, dass man auch gleich noch dem älteren Geschwister ein Leben in Gesundheit ermöglicht?

    Bei vielen dieser Fragen kommen einem die Deutschen immer gleich mit „Eugenik“ und „Hitler“. Es gibt ja diesen Spruch bibeltreuer Christen, die immer fragen „What would Jesus do?“ Die Deutschen fragen immer: „What would Hitler do?“ Dann erfinden sie irgendeine gefällige Antwort und machen das glatte Gegenteil. Hitler ist zwar seit 1945 tot, aber Deutschland wird heute noch von ihm regiert.

    • arprin Says:

      Man muss ja nicht gleich so übertreiben, nur weil man gegen Eugenik ist, ist man noch kein Rousseau-Fan und gegen Schule, Medizin und die ganzen anderen Errungenschaften der Zivilisation.

      • American Viewer Says:

        „Man“ vielleicht nicht, aber die deutschen Politiker schon. Ich sehe auch nicht, dass die Deutschen sich da groß sträuben würden. Im Gegenteil.

        Und außerdem: Sie brachten doch das Thema Eugenik ins Spiel. Nicht ich. Damit schossen Sie mit Kanonen auf Spatzen. Ich bin nur mal ein bisschen in die Breite gegangen. Man kann dieses Thema nicht im luftleeren Raum besprechen.

      • arprin Says:

        1. Ich halte dich für klug genug, zwischen mir und den deutschen Politikern zu unterscheiden.

        2. Versuche ruhig, den Namen eines namhaften deutschen Politikers zu nennen, der die Abschaffung der Schule und der Behandlung von Knochenbrüchen gefordert hat. Nur zu.

        3. „in die Breite gegangen“ trifft es nicht annähernd. Du brachtest einen völlig unnötigen Totschlagargument („Wer gegen Eugenik ist, ist auch gegen Schule und Medizin“), wie man es sonst nur mit der Nazikeule kennt.

  4. dieter Says:

    Wenn Sex zwischen Blutsverwandten in der Rechtssprechung wirklich gleich behandelt würde, dann könnten sich die Täter in Missbrauchsfällen auf Konsens ausreden und es Stünde Aussage gegen Aussage.

    ****

    Nicht Eugenik widerspricht den Menschenrechten, sondern das Vergasen von Behinderten. Die gigantische Auswahl möglicher Sex-Partner um eine Handvoll einzuschränken, kann man damit nicht ernsthaft gleichsetzen. Wenn das gegen die Menschenrechte widersprechen würde, dann sollten wir diese entsorgen.

    Der nachhaltigste politische Erfolg der Eugenik-Bewegung war sicher die Legalisierung der Abtreibung. Im Bestseller „Freakonomics“ wurde die These aufgestellt, dass der Rückgang der Gewaltkriminalität in den USA Abtreibungen zu verdanken wäre.

    Eugenics in the United States

    After the eugenics movement was well established in the United States, it spread to Germany. California eugenicists began producing literature promoting eugenics and sterilization and sending it overseas to German scientists and medical professionals.[60] By 1933, California had subjected more people to forceful sterilization than all other U.S. states combined. The forced sterilization program engineered by the Nazis was partly inspired by California’s.[7]

    The Rockefeller Foundation helped develop and fund various German eugenics programs, including the one that Josef Mengele…

    Eugenics

    In Sweden, the Sterilization Act of 1934 provided for the voluntary sterilization of some mental patients.[citation needed] The law was passed while the Swedish Social Democratic Party was in power, though it was also supported by all other political parties in Parliament at the time, as well as the Lutheran Church and much of the medical profession.[157] From about 1934 to 1975, Sweden sterilized more than 62,000 people.[158]

    In absolute figures, Sweden sterilized more people than any other European state except for Nazi Germany. More people were sterilized in 1948 than any other year. However, Finland has sterilised the most per capita of the Nordic countries, and California sterilized approximately the same percentage.[159]

    Die fälschliche Identifizierung der Eugenik als Erfindung der Nazis führt zu kuriosen Debatten. Z.b. im Fall der Debatte über Präimplantationsdiagnostik bei der In-Vitro-Fertilisation. Man darf einen Fötus aus beliebigen Gründen abtreiben. Ungenutzte Embryonen darf man entsorgen. Aber die Embryonen bewusst zu selektieren, das war und ist in vielen Ländern verboten.

    ***

    Die Verurteilung vergangener Eugenik-Programme geschieht vom überheblichen Ross der Moderne. Bevor es Abtreibung gab, gab es Infantizid. Die Spartaner, sowie die Germanen suchten sich bewusst aus, welche Neugeborenen behalten und welche weggelegt wurden. Die Alternative ist die malthusische Falle.

    Heute gibt es Pille, Langzeitpille, Abtreibung, wodurch Sterilisation obsolet wurde. Fruchtwasseruntersuchung und DNA-Tests kamen jüngst dazu.

    ***

    Zitate wie das von Galton wirst du auch von den führenden Vordenkern der Sozialdemokratie finden. Alva und Gunnar Myrdal (schwedisches Modell). Keynes war Vorsitzender der British Eugenics Society.

    Sarrazin legte den Finger in die Wunde, in dem er aufzeigte, dass dieses Langfrist-Problem nur verschoben, aber nicht gelöst wurde.

    • American Viewer Says:

      Wenn Sex zwischen Blutsverwandten in der Rechtssprechung wirklich gleich behandelt würde, dann könnten sich die Täter in Missbrauchsfällen auf Konsens ausreden und es Stünde Aussage gegen Aussage.

      Was meinen Sie mit Missbrauch? Sex mit Minderjährigen? Das hat doch nichts mit nicht bestrafungswürdigem Inzest zu tun. Das sind zwei Paar Stiefel. Für Inzest gelten natürlich ähnliche Regeln wie für anderen Sex auch.

      Die fälschliche Identifizierung der Eugenik als Erfindung der Nazis führt zu kuriosen Debatten. Z.b. im Fall der Debatte über Präimplantationsdiagnostik bei der In-Vitro-Fertilisation. Man darf einen Fötus aus beliebigen Gründen abtreiben. Ungenutzte Embryonen darf man entsorgen. Aber die Embryonen bewusst zu selektieren, das war und ist in vielen Ländern verboten.

      Ein sehr gutes Beispiel. Da kennt sich jemand mit der Materie aus.

  5. dieter Says:

    Die Gegner der Eugenik kamen damals übrigens praktisch aus der religös-jenseitigen Ecke, die Leid und Hunger auf Erden als göttliche Erbschuld verteidigten und die soziale Frage hinreichlich durch die Verheißung himmlischer Freuden beantwortet sahen.

    • American Viewer Says:

      Genau das ist der Punkt auf den ich hinaus wollte. Diese Leute kommen alle aus der religiösen Ecke. Egal ob Sie nun SPD, Grüne oder CDU heißen. Sogar in der FDP und bei der SED trifft man diese Leute massenweise. Jedes Thema wird religiös betrachtet und in drei Tonnen Moralin getaucht. So wird jede rationale Lösung zerstört und am Ende ist alles schlimmer als vorher. Nicht umsonst heißt eine meiner Kategorien: „Wie Gutmenschen töten“

  6. Tobias Claren Says:

    Was hat das mit der Legalität von Eugenik zu tun?
    Auf welcher rechtlichen oder moralischen Basis sollte man auch Eugenik verbieten können?
    Eugenik gehört zu freien Recht der Partnerwahl, und ein Verbot wäre ein Eingriff.
    Auch darunter fällt das Recht seine eigenen Gene ganz bewusst nicht weiter zu geben, sondern sich für Eizelle und Spermium fremder Menschen zu entscheiden.
    Die Frau im Paar oder alleinstehend trägt das Kind aus. Ein Deutsches Eizellspendeverbot ändert nichts daran. Das ist eh im Begriff abgeschafft zu werden (die ersten Forderungen kamen in der Politik an), und man kann es ja im Ausland einsetzen lassen.
    Wenn man sich für Material von Höchstintelligenten Menschen entscheidet, wiurd das Kind hochintelligent.
    Vergesst die passiv vermittelte Behauptung in den Medien der IQ wäre Zufall.
    In der Zeit war eine Formel.
    IQ-Schnitt der Eltern plus 100 geteilt durch 2 = Scheitelpunkt der IQ-Verteilung.

    Das bedeutet, wenn man einen Mann mit IQ 170 und eine Frau mit IQ 180 (oder umgekehrt) findet, liegt der IQ des Kindes ziemlich sicher bei um 137,5.
    Ein IQ von hohen 120 wäre sehr unwahrscheinlich, und in Relation zum Normalwert schon eine Art von „Schwachsinn“…

    Man hat es also in der Hand, jeder kann sich dafür entscheiden, jeder kann seinem Kind (ob es genetisch das Eigene ist, ist ja irrelevant) diesen große unbezahlbahre (später) Geschenk hoher Intelligenz machen.
    Und damit auch statistisch höherem Lebensglück, eher links als rechts, eher Atheist als gläubig, und weil Atheisten sozialer als Gläubige sind, auch eher sozialer…

    @ arprin

    Wie sollte Eugenik ein Verstoß gegen Menschenrechte sein?
    Eugenik ist erst einmal neutral, und hat NICHTS mit Zwängen zu tun.
    Dass es Regime geben kann die es mit Zwang praktizieren (gibt es aber nicht), ändert nichts daran.
    Gab es das bei den Nazis? Lebensborn oder wie das hieß war harter Zwang?
    Oder fühlten sie die Frauen und Männer als ideologische Nazis nicht auch geehrt?
    Echter Zwang ist gar nicht nötig, auch heute nicht.
    Wenn der Staat jedem das Angebot machen würde kostenlos eine solche befruchtete Eizelle (IQ um 140) einzusetzen, es wohl viele interessierte Frauen und Paare.
    Es ist ja auch nicht nötig dass man Menschen verbietet sich fortzupflanzen, oder andere zwingt miteinander Kinder zu kriegen. Man gibt den normalen Menschen die Premiumkinder. Auch in einem bildungsfernen Hartz4-Generationen-Haushalt wird mit diesen Anlagen noch was aus dem Kind. Es hat die Möglichkeit auch ohne die Hilfe (zuhause, Nachhilfe…) die es in einer guten Familie bekäme, gute Noten und Abschlüsse zu erhalten und zu studieren.
    Und das freiwillig. Alle sind glücklich. Und wer nicht will, der muss nicht. Darf sich aber auch nicht beschweren wenn die eigenen Kinder eines Tages zu denen gehören die den eugenischen Kindern unterlegen sind. Geringere Chancen im Arbeitsmarkt und bei der Partnerwahl haben. Diese Art von passiver (!) Benachteiligung ist kein moralisch legitimer Grund für ein gesetzliches Verbot.
    Ansonsten müsste man es ehrgeizigen oder reichen ehrgeizigen Eltern auch verbieten ihre Kinder schulisch/intellektuell besser zu versorgen. Siehe „Amy Chua“.
    Es mag dann so sein dass normal gezeugte Kinder dann auch mal ihre Eltern hassen, aber auch das ist kein legitimer Grund für ein Verbot.

    Das eh keine Chance vor dem Dt. Verfassungsgericht der EGMR hätte…

    Übrigens, man kann heute schon eine Eizelle aus einer Hautzelle machen. Auch von einem Mann.
    Das ermöglicht es mit der evtl. in 10-20 Jahren perfektionierten Künstlichen Gebärmutter (Doku: „Maschine statt Mama“), die man dann nach Anleitung aus dem Internet nachbauen könnte, ganz ohne beteiligte Frau ein Kind zu machen.

    Theoretisch auch denkbar, ein Kind mit sich selbst zu haben.
    Das wäre genetisch wohl noch schlimmer als zwischen Geschwistern…
    Aber es ist legal…

    Außerdem ist ja rechtlich nicht mal die inVitro-Zeugung eines Kindes zwischen Geschwistern verboten, daher wirkt das Verbot bzw. die Begründung nachgeschoben auf ein altes Gesetz.
    Wenn man das erschaffen eines solchen Kindes verbieten würde, das wäre noch nachvollziehbar. Dann sollte man aber auch die Praxis verbieten sich bewusst einen Partner mit gleichem gendefekt zu suchen um ein Kind zu zeugen dass sicher auch den Gendefekt haben wird. Wer macht sowas? Taube, die auch ein taubes Kind wollen.
    Nicht alle, und in Russland soll ein Paar mit CrisprCAS nun ein gesundes Kind kriegen, aber mit Vorsatz ein Kind mit Gendefekt zeugen, das gibt es. Das ist nicht verboten…

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