Archive for the ‘Deutschland’ Category

Der Kampf gegen Mein Kampf

Mai 26, 2015

Erstausgabe von “Mein Kampf”

Das Jahr 2015 ist das Jahr 70 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Neben all den Gedenkfeiern und Fernsehdokumentationen bedeutet dies auch: In Deutschland läuft das Urheberrecht für ein ganz besonders Buch aus. In Deutschland bleiben die Urheberrechte eines Autors 70 Jahre nach seinem Tod geschützt. Im Fall von Hitlers “Mein Kampf” gingen diese nach seinem Tod auf den Freistaat Bayern über, auf dieser Grundlage konnte die Verbreitung des Buches bis jetzt verhindert werden. Der Besitz des Buches ist nicht strafbar, aber als z.B. das Buch im Jahr 2005 in der Türkei herausgebracht wurde und zum Bestseller avancierte, klagte der Freistaat Bayern als Hitlers Rechtsnachfolger gegen die Verletzung der Urheberrechte – und der Verkauf wurde eingestellt.

Das wird ab dem 1. Januar 2016 nicht mehr möglich sein. Nun kann jeder Verlag wieder mit Hitler Geld machen. Doch das wollen einige Politiker verhindern. Das Buch soll verboten werden, weil es – natürlich – Volksverhetzung darstellt. Andere Politiker wollen das Buch zwar nicht verbieten, aber es soll lediglich eine “kommentierte” Fassung erlaubt werden. Diese Pläne haben sich durchgesetzt. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) plant für das kommende Jahr, Mein Kampf neu herauszubringen. Die neue Ausgabe soll 2000 Seiten haben, von denen nur 780 der eigentliche Text mit seinen 27 Kapiteln sind, der Rest besteht aus 5000 Kommentaren. Der IfZ-Chef Andreas Wirsching meint: “Wir wollen Hitler umzingeln. Was wir herausbringen, ist eine Anti-Hitler-Schrift”.

Lassen wir mal außer Acht, dass die Politiker offensichtlich glauben, die Bürger seien so dumm, dass sie von der Lektüre eines Buches gefährdet werden könnten, oder dass sich schon jetzt jeder das Buch nach ein paar Sekunden Recherche im Internet besorgen kann. Was an dem Versuch, das Buch mit einer kommentierten Fassung zu “entschärfen”, besonders absurd ist, dass es das Gegenteil bewirkt. Von verschiedenen Leuten, die das Buch im Internet gelesen haben, wurde mir versichert, die rund 800 Seiten Lektüre seien unglaublich langweilig. Ganze 13 Seiten drehen sich nur darum, wie eklig Syphilis ist. Ein Quasi-Verbot führt dazu, dass das Buch mystifiziert wird, während die nackte Lektüre nur Hitlers mangelndes Schreibtalent offenbart. (more…)

Studenten gegen Meinungsvielfalt

Mai 16, 2015
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Ein linker Held (Quelle: http://fumaga.com/12577)

Am 12. Mai wollte die Hochschulgruppe Freimut in der Friedrich-Schiller-Universität in Jena eine Diskussionsrunde zum Thema Asylpolitik veranstalten. Das Motto lautete: “Offene Grenzen – Chance! Herausforderung. Gefahr?”. Eingeladen waren der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Möller und Clemens Schneider, einer der Initiatoren der Internetseite “offene-grenzen.net“. Obwohl weder Möller und schon gar nicht Schneider pauschal gegen Asylanten sind, riefen verschiedene Studentengruppen, darunter Jusos, Grüne, Gewerkschaftsgruppen und Antifas, zum Protest auf, da es sich bei den Gästen um Personen handele, die “Rassismus, Elitarismus und Sozialdarwinismus” predigen würden.

Die Folge: Die Diskussion konnte nicht auf dem Unigelände stattfinden. Studenten blockierten die Eingänge zum Hörsaal, hangen Transparente auf, bis die Veranstalter die Diskussionsrunde verlegen mussten. Sie fand schließlich unter Polizeischutz in der Grünen Tanne, einem Haus der Burschenschaft Arminia, statt. Auf dem Blog “indymedia” wurde die Aktion als erfolgreich bewertet. Den Demonstranten sei es gelungen, die “Hetze” der “neoliberalen RassistInnen” zumindest auf dem Unigelände zu verhindern. Bedauert wurde nur, dass die AntirassistInnen und KapitalismuskritikerInnen nicht schnell genug auf den Umzug in die Grüne Tanne reagieren konnten.

Es ist nicht das erste Mal, dass so ein Vorfall geschieht. Man kann schon von einem Klischee sprechen: Eine Gruppe will sich in einer Universität über ein kontroverses Thema unterhalten, wird aber von gewalttätig auftretenden Studenten daran gehindert und muss die Diskussion absagen. Auch die Demonstranten entsprechen meistens einem Klischee. Sie sind feministisch, antikapitalistisch, antirassistisch und grün. Und: Sie sind absolut überzeugt davon, sie würden das Gute repräsentieren und ihre Opfer das Böse. In den USA ist dieses Phänomen älter als in Deutschland. Aber es droht einer der amerikanischen Importe in Deutschland zu werden, die man im Gegensatz zu Fast Food und Hollywood nicht gebraucht hätte. (more…)

Shop around the clock!

Mai 1, 2015
Die Junge Union wirbt 1995 für die Aufhebung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten (Bild: Archiv für Christlich-Demokratische Politik)

Die Junge Union wirbt 1995 für die Aufhebung des Ladenschlussgesetzes (Bild: Archiv für Christlich-Demokratische Politik)

Heute ist der 1. Mai. Wir wissen, was das bedeutet: Es ist Feiertag. Niemand darf einkaufen, arbeiten oder Handel treiben, der Tag steht still. Nur wenige Ausnahmen werden gemacht, weil sie dem “öffentlichen Interesse” dienen, da ja niemand selbst entscheidet, wann er einen Herzinfarkt bekommt, sein Haus brennt oder auf der Straße ausgeraubt wird. Neben allen Sonntagen und all den Feiertagen, die per Gesetz vorgeschrieben sind, gibt es auch an gewöhnlichen Werktagen Zeiten, in denen es aufgrund der im Ladenschlussgesetz vorgeschriebenen Ladenöffnungszeiten für Verkaufsstellen für viele verboten ist, zu arbeiten, auch wenn auch hier Ausnahmen gemacht werden.

Für die meisten Menschen sind gesetzliche Feiertage und Ladenöffnungszeiten selbstverständlich. Sie sehen in ihnen eine zivilisatorische Errungenschaft, die von den Arbeitern in der dunklen Zeit des Frühkapitalismus blutig erkämpft werden musste. Eine Umfrage vom Dezember 2014 zeigte, dass nur 27,7% der Deutschen einer kompletten Aufhebung der Verkaufsverbote an Sonntagen zustimmen würde. Was würde passieren, wenn es keine gesetzlichen Feiertage und Ladenöffnungszeiten gäbe? Dann würden wir in einer Konzern-Diktatur leben. Alle Unternehmen könnten ihre Arbeiter zwingen, an allen Tagen 20 Stunden zu arbeiten. Wir hätten keine Freizeit, keine Freiheit, wir wären alle Sklaven der Konzerne.

Oder auch nicht. Was haben Irland, Schweden, Tschechien und Serbien miteinander gemeinsam? In all diesen Ländern gibt es keine Ladenschlussgesetze. Jeder kann an allen Tagen zu allen Stunden arbeiten, auch an Sonn- und Feiertagen. Dennoch ist keine Konzern-Diktatur ausgebrochen. Wie ist das möglich? Wahrscheinlich sind die Ängste schlicht unbegründet. Unternehmen können sich eben nicht alles erlauben. Sie müssen sich um die Arbeiter bemühen: Wenn andere Unternehmen bessere Bedingungen anbieten, sei es bezüglich des Lohns, der Arbeitszeiten oder der Urlaubstage, sind sie für die Arbeiter attraktiver und sie wandern ab. Außerdem haben die Arbeiter ja auch selbst Druckmittel, um ihre Interessen durchzusetzen. (more…)

Netzneutralität – Für die Freiheit des Internets?

April 26, 2015
Google soll vergessen

Auch Google soll seine Dienste “neutralisieren”

Von Leuten, die im Internet geboren und aufgewachsen sind, hört man oft, ihnen würde die Freiheit besonders im Herzen liegen. Sie sind gegen Überwachung durch den Staat, gegen staatliche Zensurgesetze, selbst wenn diese mit “Kinderschutz” begründet werden, und lehnen sich gegen strikte Urheberrechtsgesetze auf, mit denen die GEMA Youtube-Nutzer terrorisiert. Doch möglicherweise ist dieses Vorurteil falsch. Denn derzeit fordern viele Internet-Aktivisten staatliche Regulierungen, um die “Freiheit des Internets” zu retten. Es geht um das Thema “Netzneutralität”. Diese Debatte schlug in den USA bereits hohe Wellen und schwappt auch nach Europa rüber.

Was bedeutet Netzneutralität überhaupt? Hier fängt das Problem schon an: Es gibt keine feste Definition, für was der Begriff “Netzneutralität” überhaupt steht, von verschiedenen Seiten wird darunter anderes verstanden. Bei allen unterschiedlichen Definitionen gibt es einen Punkt, der immer wieder genannt wird: Alle Internet-Nutzer sollen einen “diskriminierungsfreien Zugang” zu allen Internet-Inhalten, Diensten und Anwendungen haben. Diskriminierungsfrei bedeutet in dem Fall, dass jeder Datenverkehr bei der Übertragung gleich behandelt werden soll, egal ob es sich um WordPress-Blogs, den Online-Auftritt von Zeitungen, Youtube-Clips, Skype-Telefonaten, E-Mails oder Live-Streams handelt.

Würde es vollständige Netzneutralität geben, müssten tatsächlich alle Daten für alle Nutzer gleich behandelt werden. Doch auch die meisten Befürworter von Netzneutralität erkennen, dass dies zu schädlich für den Kunden wäre. Nicht, weil Innovationen abgebremst werden würden, wenn Anbieter jede Neuerung sofort für alle Kunden erschwinglich machen müssten, selbst wenn die Kunden sie sich in der Anfangszeit nicht leisten könnten (das fällt den Netzneutralität-Befürwortern nicht ein), sondern weil manche Datenpakete einfach anders behandelt werden müssen, um Datenstau zu verhindern. Deswegen gibt es weniger strikte Definitionen von Netzneutralität, die jedoch auch wenig Sinn ergeben. (more…)

Die Ängste der Bürger ernst nehmen?

April 21, 2015
Freihandel und Protektionismus

Freihandel und Protektionismus

Tausende Deutsche demonstrierten am Wochenende gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Sie hielten Parolen wie “Freie Bürger statt freier Handel”, “Menschenrechte statt Handelsrechte” und natürlich “Menschen vor Profite” hoch. Die Ängste, die die TTIP-Gegner haben, sind: Durch TTIP würden europäische Standards im Umwelt- und Verbraucherschutz (Stichwort Chlorhühnchen) untergraben, Unternehmen mit Schiedsgerichten die Möglichkeit bekommen, eine Paralleljustiz zu errichten und den Staat auf Gewinne zu verklagen, außerdem würden die Verhandlungsrunden zu intransparent ablaufen. Immerhin wird das Vertragswerk ja in “dunklen Hinterzimmern” ausgehandelt.

Nun ist es so, dass absolut jeder Vertrag zwischen Staaten, der je in der Geschichte vereinbart wurde, in dunklen Hinterzimmern ausgehandelt wurde, und auch Verhandlungen zwischen Parteien im Parlament oder zwischen Unternehmen und Gewerkschaften werden für gewöhnlich nicht live im Fernsehen übertragen. Außerdem werden alle Verhandlungsunterlagen von der EU im Internet veröffentlicht. Komischerweise klicken nur sehr wenige Menschen die Dokumente an. Mag sein, dass sie es gar nicht mitbekommen haben. Aber: Wenn man bedenkt, dass 1,5 Millionen Menschen eine Petition gegen TTIP unterschrieben haben, sollte man doch ein größeres Interesse erwarten als 2300 Klicks in mehr als vier Monaten.

Die Angst vor der “Paralleljustiz” ist ebenfalls unbegründet. Erstens gibt es schon heute mehr als 3000 Investitionsschutzabkommen zwischen Staaten, und zweitens wird durch TTIP die Möglichkeit von Unternehmen, Staaten auf Gewinne zu verklagen, eingeschränkt. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat Deutschland nach dem Atomausstieg auf zwei Gerichte auf vier Milliarden Euro verklagt, mit TTIP wäre das nicht möglich (die beste Lösung wäre übrigens, dass der Staat sich gar nicht in die Wirtschaft einmischt und somit auch nicht Unternehmen aus rein politischen Gründen enteignet, so dass kein Unternehmen auf staatliche Entschädigungszahlungen pochen kann). Wer also gegen Milliardenklagen von Unternehmen gegen Staaten ist, sollte Pro-TTIP sein. (more…)

Keine Gen-Bakterien für Deutschland

April 16, 2015

Das muss man auch erstmal schaffen: In der aktuellen Focus-Titelseite steht oben kleingedruckt:

“Neue Hoffnung bei Krebs: Mit Gen-Bakterien gegen Tumore”

Und als große Schlagzeile:

“Bio-Tech, Finanzen, Internet: Wie US-Konzerne unseren Wohlstand bedrohen”

Offenbar ist niemandem die Ironie aufgefallen.

Die Massaker des Irrationalismus

März 19, 2015
Das

Kontrollieren auch die Pharma-Industire: Die Illuminaten

Oft hört man Geschichten von Menschen in Afrika oder Asien, die aufgrund ihres Aberglaubens moderne Medizin ablehnen und lieber auf Elfenbeine, Tigerhoden oder Albinoknochen (nachdem sie vorher Albinos umgebracht haben) setzen, womit sie ihr Leben und das ihrer Mitmenschen gefährden. Wenn das passiert, schütteln wir den Kopf. Wie können Menschen im 21. Jahrhundert nur an so etwas glauben? Diese Frage können wir uns aber auch in unserer Nachbarschaft stellen. In Berlin kam es jüngst zu einem Masern-Ausbruch, weil Kinder ihre Eltern nicht impfen wollten. Auch im reichen Kalifornien meldete sich die längst besiegte Krankheit zurück, weil Eltern nichts für die moderne Medizin übrig haben.

Selbst in unseren Zeiten des Teilchenbeschleunigers am CERN, der Entsendung von Raumsondern in 500 Millionen Kilometern entfernte Kometen und der Transplantation von toten Herzen in lebendige Körper lebt der Glaube an allerlei mystischen, nicht naturwissenschaftlich belegbaren Phänomenen fort: Geisterjäger, Hellseher, Parapsychologen, Bigfoot, Ufologen, Prä-Astronautiker und natürlich die Mutter aller Irrationalismen, Religion. Die meisten dieser Phänomene sind heute zum Glück nur noch ärgerlich, wie z.B. die Behauptung, die Nazca-Linien seien Landebahnen für Außerirdische gewesen, Nostradamus hätte die Zukunft vorhergesehen oder Uri Geller könne Löffel biegen. Einige jedoch sind sehr gefährlich. Sie kosten jedes Jahr Millionen Menschen das Leben.

Die sogenannte “Alternativmedizin” hat nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch im Westen sehr viele Anhänger, wie die Masern-Ausbrüche in Kalifornien und Berlin zeigen. Es macht keinen Sinn, solche Menschen einfach als Spinner zu bezeichnen. Deswegen bin ich auch gegen eine allgemeine Impfpflicht. Auch Ärzte sind meist dagegen, da somit das Misstrauen der Eltern gestärkt wird (Schulen sollten jedoch entscheiden dürfen, ob sie ungeimpfte Kinder aufnehmen). Wichtig ist eine bessere Aufklärung, auch wenn bei manchen Menschen praktisch keine Hoffnung besteht, sie zu überzeugen. Obwohl man sich also im direkten Gespräch zurückhalten sollte, um die irrationalen Eltern nicht gänzlich zu verlieren, sollte man sich auch mal vergegenwärtigen, was ihre Ansichten anrichten. (more…)

Denkt denn niemand an die Kinder!?

März 4, 2015

Einer der Kultsprüche aus den Simpsons stammt von der Frau von Reverend (Pastor) Lovejoy. Immer, wenn eine Krise heraufzieht, sagt sie, wie im Chor, “Würde denn irgendeiner bitte mal an die Kinder denken?”

Besonders emotional wird es, wenn es um das Thema Kindesmissbrauch geht. Ich möchte gar nicht auf den aktuellen Fall mit Sebastian Edathy eingehen, dazu schweige ich mal. Aber es gibt einige Punkte zu dem Thema, die ich ansprechen will.

Es gibt kaum eine andere Sorte von Menschen, die ich weniger leiden kann als Menschen, die dazu aufrufen, Pädophilen “den Schwanz abzuschneiden”:
1. Sie kennen nicht mal den Unterschied zwischen Pädophilen und Kinderschändern. In den meisten Fällen werden Pädophile nicht zu Kinderschändern.
2. Sie haben nichts übrig für Dinge wie den Rechtsstaat oder dem Recht auf körperliche Unversehrtheit.
3. Sie tarnen ihre Folterphantasien als mitfühlenden Humanismus. “Wie kannst du nur so unmenschlich sein und Pädophilen nicht den Schwanz abschneiden wollen?”

Wenn man Kinder vor Missbrauch schützen will, sollte man wissen, wovon man redet. Dazu gehört das Wissen, dass die große Mehrheit der Pädophilen sich nicht an Kindern vergreift. Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen eine pädophile Neigung haben. Einige gehen davon aus, dass 1% der erwachsenen Männer pädophil ist, andere Studien gehen von höheren Zahlen aus (zu Frauen gibt es kaum Daten). Wenn man sich die Zahlen über den vermuteten Anteil von Pädophilen in der Bevölkerung und den dokumentierten Missbrauchsfällen ansieht, dürfte der Anteil der Pädophilen, die zu Kinderschändern werden, im unteren einstelligen Prozent liegen (es sind auch nicht alle Kinderschänder pädophil veranlagt, viele Täter wollen einfach nur Gewalt ausüben).

Für Menschen, die mit einer pädophilen Neigung geboren werden, ist es unmöglich, sie auszuleben, ohne Kinder zu missbrauchen, also müssen sie lernen, sie in den Griff zu bekommen. Der beste Weg dazu ist, mit anderen Menschen darüber zu sprechen, Therapien und Präventivprogramme zu besuchen. Wenn sich jedoch durch die völlige Tabuisierung niemand traut, seine Neigung zuzugeben und Hilfe zu holen, weil er Angst hat, öffentlich verbrannt zu werden, ist niemandem geholfen, am wenigsten den Kindern. Mit Therapien kann man Pädophilen, die nicht zu Kinderschändern werden wollen, wirklich helfen, mit Kastrationsforderungen treibt man Pädophile in den Untergrund, wo sie eine viel größere Gefahr darstellen. (more…)

Entgeltgleichheit: Ein Kampf gegen Windmühlen

Februar 27, 2015
Ja, sie können es

Der Kampf für Emanzipation wird oft von den falschen Stellen geführt

Der Mindestlohn ist gerade erst beschlossen und von SPD-Politikern hämisch bejubelt worden (“wer den Mindestlohn für zu bürokratisch hält, ist ein Gauner oder zu doof” – Yasmin Fahimi), da braut sich schon ein neues Bürokratiemonster zusammen. Offenbar von der Oscar-Rede von Patricia Arquette beeindruckt, die sich für gleiche Löhne für Frauen aussprach, will die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig nun ein “Entgeltgleichheitsgesetz” beschließen, um die Lohnlücke von 22% zwischen Männern und Frauen zu schließen. Sie verspricht jedoch, es werde nicht zu bürokratisch: Immerhin werde man ja nur im einzelnen Betrieb gesetzliche Regelungen zu Transparenz- und Auskunftspflichten einführen. Ist ja alles keine überflüssige Bürokratie.

Das Thema habe ich schon vor zwei Jahren angesprochen: Frauen verdienen tatsächlich 22% weniger als Männer. Aber nur, wenn man ihre Löhne einfach pauschal vergleicht. So könnte man auch sagen: Jugendliche verdienen weniger als 50-jährige. Oder: Ausländer verdienen weniger als Deutsche. Tatsächlich spielen auch andere Faktoren bei der Lohnhöhe eine Rolle, z.B. der Stundenumfang (Frauen arbeiten weniger Stunden), die Branche (frauendominierte Berufe werden geringer bezahlt), die Position (Frauen sind seltener in Führungspositionen), sowie die Qualifikation, das Alter und die Wohnregion. Auch die Babypause spielt eine wichtige Rolle. Berechnet man all diese Faktoren mit, schmilzt die Lohnlücke auf etwa 2%. Dasselbe gilt auch für die USA, Miss Arquette.

Die meisten Probleme, die Politiker lösen wollen, sind zumindest reale Probleme, auch wenn ihre Lösungen falsch sind. In diesem Fall will die Regierung nun aber Probleme lösen, die gar nicht da sind. Der Wunsch “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” ist schon erfüllt. Möglicherweise wird jedoch das Entgeltgleichheitsgesetz, falls es wirklich beschlossen werden sollte, für reale Probleme sorgen. Immerhin wird man Betriebe mit neuen Vorschriften schikanieren und in die Lohnfindung eingreifen, das wird nicht schmerzfrei vonstattengehen. Diese Probleme werden dann auch der Politik auffallen. Und was wird die Lösung für diese Probleme sein? You already know. (more…)

Ayn Rand, Altruismus und Egoismus: Ein Missverständnis?

Februar 22, 2015
Der Grabstein von Ayn Rand

Ayn Rand ist tot, aber ihre Ideen werden auf ewig weiterleben

Ayn Rand ist eine der immer noch einflussreichsten Autorinnen in den USA. Sie vertrat politisch einen klassischen Liberalismus, basierend auf Individualrechten und der freien Marktwirtschaft. Dies begründete sie mit ihrer Philosophie, dem Objektivismus. Die Ethik des Objektivismus besagt, dass jeder Mensch sein Leben für sich selbst leben muss. Niemand sollte sich für andere aufopfern oder andere zwingen, sich für einen aufzuopfern. In ihren Schriften lobt sie den Egoismus und verdammt den Altruismus. Es gibt wohl nichts, was für Ayn Rand schlimmer ist als Altruismus. In ihrem Buch “Atlas Shrugged” (deutsch: “Der Streik”) sind die Helden Personen, die nur im Eigeninteresse handeln und dies auch gar nicht verschweigen, während die Bösewichte, die die Welt zerstören, alle vorgeben, völlig selbstlos im Namen der Allgemeinheit zu handeln.

Obwohl ich Ayn Rand meist zustimme und ich den Objektivismus zusammen mit dem Stoizismus für die faszinierendste Philosophie halte, denke ich, dass es bei der Betrachtung von Egoismus und Altruismus einige Missverständnisse gibt. Der Erste ist, dass die Gegner von Ayn Rand missverstehen, was sie mit Egoismus meinte. Heute steht Egoismus weitgehend für Rücksichtlosigkeit und Selbstsucht, für Ayn Rand bedeutete es dagegen einfach, die eigenen Interessen zu verfolgen. Gerade zu Ayn Rands Zeiten – Sowjetunion, Nazi-Deutschland, Zweiter Weltkrieg – war die Botschaft “Du gehörst dir selbst, niemand darf dich zum Sklaven machen” nicht selbstverständlich. Der Zweite ist Ayn Rands Verständnis von Altruismus. Für ihre Gegner bedeutet Altruismus, anderen Menschen zu helfen, sie verstand darunter, sich für niemanden aufzuopfern oder andere für sich zu opfern. Meiner Meinung nach liegen hier beide falsch.

Gibt es Altruismus?

Die Vorstellung, man könnte etwas tun, was völlig selbstlos ist, würden die wenigsten abstreiten. Menschen spenden für die Armen, sie helfen ihren Freunden und Familien beim Umzug, sie verzichten auf Reichtum, sie setzen als Feuerwehrmänner ihr Leben aufs Spiel, um völlig Fremden zu helfen. Selbstloses Verhalten schient umgibt uns überall. Wie kann man da abstreiten, dass es Altruismus gibt? Ganz einfach: Weil es absurd ist, zu glauben, man würde etwas tun, was nicht auch im eigenen Interesse ist. Wenn jemand Menschen hilft, die er mag, tut er das, weil er die Freundschaft erhalten will. Freundschaft ist meistens ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Würde man nur nehmen, ginge die Freundschaft wahrscheinlich kaputt, und man wäre traurig und hätte selbst niemanden, der einem später beim Umzug hilft.

Wer für Arme spendet oder Fremden das Leben rettet, macht das, weil ihn sein Gewissen dazu treibt. Daran ist nichts Schlechtes. Würden Menschen kein Mitleid empfinden, wenn sie Arme sehen oder keinen Wunsch, Fremden in Not zu helfen, wäre das katastrophal. Es ist also unser eigenes Interesse, unser Wunsch nach innerem Wohlbefinden, der uns dazu treibt, anderen zu helfen. Aber was ist mit Mönchen, die allem Besitz entsagen und nur für andere Menschen leben? Sind diese nicht zutiefst altruistisch? Im Gegenteil. Ein Mönch, der jede einzelne Handlung seines Lebens darauf prüft, ob sie mit Gottes Vorgaben zu vereinbaren sind, handelt zutiefst im eigenen Interesse. Er will in den Himmel kommen. Es gibt wohl kaum etwas Egoistischeres, als sein ganzes Leben ausschließlich dem Ziel zu dienen, sich für ein späteres Leben im ewigen Himmelsreich zu qualifizieren. (more…)


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