Was ist die Natur?

Juli 27, 2015
Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Gehört der Mensch zur Natur? Und spielt es eine Rolle?

An Begründungen für staatliche Verbote herrscht kein Mangel. Der Gesellschaftsvertrag, religiöse Sitten oder die Angst vor totalem Chaos müssen immer wieder herhalten, um den Raub an Freiheit zu legitimieren. Ein Argument, dass immer wieder hervorgekramt wird, ist das Argument der “Natürlichkeit”. Besonders beliebt ist es bei zwei politischen Gruppierungen, den Grünen und den Konservativen. Die Grünen meinen, man müsse “unnatürliche” Methoden wie Gentechnik komplett verbieten. Die Konservativen sind der Meinung, man müsse “unnatürliche” Familien wie z.B. gleichgeschlechtliche Paare mit einem Kind verbieten. Obwohl beide Gruppierungen keine Freunde sind, sind sich beide darüber einig: Die Natur muss, notfalls mit Freiheitseinschränkungen, geschützt werden.

Da stellen sich für mich zwei Fragen:
1.) Wann ist eine Sache “natürlich” und wann “unnatürlich”?
2.) Warum soll etwas verboten werden, nur weil es “unnatürlich” ist?

Auf diese Fragen habe ich von grüner und konservativer Seite nie eine vernünftige Antwort gehört. Wie man im Buch des Wissens erfährt, gab es in der Menschheitsgeschichte auch nie eine klare Definition von Natur. Meine persönliche, subjektive Definition von Natur lautet: Die Natur ist alles, was nicht vom Menschen gemacht oder verändert wurde. Wälder, Berge, Seen und Tiere sind natürlich, Städte und Straßen nicht. Die angeborene Haarfarbe ist natürlich, die veränderte Haarfarbe nicht. So gesehen ist die gesamte moderne Zivilisation unnatürlich. Diese Definition ist zumindest in sich logisch. Die Grünen und die Konservativen haben jedoch andere Definitionen, von der man nicht dasselbe behaupten kann.

Weder die Grünen noch die Konservativen können eine logische Definition von “Natur” formulieren, und, was wirklich wichtig ist, sie können nicht erklären, warum die Unnatürlichkeit einer Sache ein Grund ist, um sie zu verbieten. Bis jetzt habe ich von beiden Seiten nur völlig unlogische Definitionen von Natur gehört, die dann als Selbstzweck für ein Verbot angewendet wurden, also “Es ist unnatürlich, also muss es verboten werden” – was an der Unnatürlichkeit jedoch grundsätzlich (also in jedem denkbaren Fall) schlecht sein soll, konnte nicht erklärt werden. Um diese Widersprüchlichkeit aufzuzeigen, werde ich die oben genannten Beispiele für “Unnatürlichkeit” bei den Grünen (Gentechnik) und Konservativen (Regenbogenfamilien) mit meinen zwei Fragen testen. Den Rest des Beitrags lesen »

Warum Trolle immer gewinnen

Juli 22, 2015

Am 5. Juli postete Dieter Nuhr bei Facebook einen kleinen Kommentar zur Griechenlandkrise, indem er das “Nein” der Griechen im Referendum satirisch kritisierte. Er verglich es mit einer Familie, die demokratisch darüber abstimmt, den Hauskredit nicht zurückzuzahlen. Es folgte ein Shitstorm. Mit dabei war u.a. Jan Böhmermann, der seine Meinung zum Thema in einem Video klar dargelegt hat: Jeder, der gegen die Griechenlandhilfen ist, ist für ihn ein Arschloch. In dem Video werden polemische deutsche Schlagzeilen von Böhmermann und seinem Partner Klaas wütend vorgelesen, diffus an “Europa” appelliert und behauptet, es gäbe “guten Grund, Griechenland zu helfen” – welcher guten Grund das ist, und für welche Form von “Hilfe”, bleibt jedoch unerwähnt.

Böhmermanns Kommentar in Dieter Nuhrs Facebookseite, indem er Nuhr in die Nähe von Til Schweiger, der AfD und den Reichsbürgern stellte, wurde von Nuhr gelöscht. Das half aber nur wenig. Nuhr wurde zum Opfer des höchsten Internet-Gerichts: Dem Shitstorm. Ein Shitstorm ist im Grunde die Mehrzahl eines Trolls. Ein Troll ist eine Person, die sich nicht nur kritisch äußert – Kritikfähigkeit ist die Basis für eine vernünftige Diskussion – sondern dabei extrem unhöflich und beleidigend wird. Das Ziel des Trolls ist es, schlechte Laune zu verbreiten, und zwar dauerhaft. Der Inhalt der Diskussion ist ihm meistens egal und für vernünftige Argumente ist er unempfänglich. Mittlerweile beschäftigen sogar Staaten wie Russland und Nordkorea professionelle Internet-Trolle.

Es gibt drei Wege, mit Trollen umzugehen. Alle drei sind zum Scheitern verurteilt.

1. Zensieren

Man sperrt den Troll. So hat man ihn zwar kurz aus den Augen, aber es ist nur ein kurzer Erfolg. Das Internet ist groß, und egal ob in Facebook oder in Blogs, der Troll kehrt immer wieder zurück. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, dass er sich unter neuem Account wieder anmeldet, er kann auch an anderen Orten, in denen man gerne rumhängt, auftauchen und seine Trollerei dort fortsetzen. Zusätzlich läuft man das Risiko, dass der Troll die Zensur als Anlass nimmt, um den Getrollten Intoleranz vorzuwerfen. Besonders, wenn er ein Screenshot seines Kommentars anfertigt und ihn dann ausstellt, gemäß dem Motto “Sieht her, er hat diesen Kommentar von mir gelöscht!”. Oder er erzählt überall herum, bei dem Getrollten könne man “keine andere Meinung äußern, ohne gelöscht zu werden”. Den Rest des Beitrags lesen »

Der Kulturkampf um die Ernährung

Juli 17, 2015
Kommt die Zukunft des Burgers aus dem Labor?

Was ist die richtige Ernährung?

Anfang dieses Jahres erschien das E-Book “Fettlogik überwinden“. Die Autorin Nadja Hermann betreibt seit 2012 den Blog “erzaehlmirnix“, bei dem in lustigen Comics alle möglichen aktuellen gesellschaftlichen Themen behandelt werden. In ihrem Buch geht es um das wichtige Thema Ernährung und Übergewicht. Sie selbst hat es letztes Jahr geschafft, von 150 auf 63 kg abzunehmen. Dabei veränderte sie nicht nur ihren BMI, sondern auch ihre Einstellung zu diesem Thema. Denn vor ihrer Gewichtsabnahme glaubte sie an viele der sogenannten “Fettlogiken”. So nennt sie die Liste an Mythen, mit denen Übergewicht erklärt und leider oft verharmlost wird, sowie die Reihe an falschen Ratschlägen, die man Menschen gibt, die mit einer Diät abnehmen wollen.

Was sie geschrieben hat, ist eigentlich nichts Neues. Doch die Art und Weise, wie sie all diese Wahrheiten gesammelt und dargestellt hat, macht das Buch zu etwas Besonderem. Kolumbus hat nicht als erster Europäer Amerika erreicht, und James Watt hat nicht die Dampfmaschine erfunden, aber sie haben diese Entdeckungen bekannt gemacht. Nadja Hermann gebührt das Verdienst, die Fettlogiken in einer Zeit, in der rund die Hälfte der Bevölkerung an Übergewicht und ein Fünftel an Adipositas leidet, einer großen Audienz bekannt gemacht zu haben. Die Reaktionen in den Foren waren meist positiv, für viele war die Lektüre aufgrund eigener Erfahrungen offenbar eine emotionale Angelegenheit. Bei Amazon war das Buch lange Zeit auf Platz 1 in seinem Genre.

Nun zum Inhalt des Buches. Es geht um nichts weniger als alle Mythen, die um das Thema Ernährung, Übergewicht und Diäten kursieren: Nicht das Essverhalten, sondern die Gene, die Schilddrüse oder der Stoffwechsel seien verantwortlich für Übergewicht, manche Menschen könnten “essen, was sie wollen”, ohne zuzunehmen, für eine erfolgreiche Diät muss man wenig Kohlehydrate zu sich nehmen, abends nicht essen und viel Sport machen, außerdem müsste man auf den sogenannten “Jojo-Effekt” aufpassen, da der Stoffwechsel sich während einer Diät auf die verringerte Nahrungsaufnahme gewöhnt und anfängt, Fett zu speichern, so dass man bei normaler Nahrungsaufnahme wieder zunimmt. Mit all diesen Mythen setzt sich die Autorin auseinander. Den Rest des Beitrags lesen »

Von Konformisten und Rebellen

Juli 12, 2015
Warum "normal" sein? Gustav Wegert lässt den Arm unten

Warum “normal” sein? Gustav Wegert lässt den Arm unten

Einer der bekanntesten Sätze von Ludwig von Mises ist folgender:

“Aller Fortschritt der Menschheit vollzog sich stets in der Weise, dass eine kleine Minderheit von den Ideen und Gebräuchen der Mehrheit abzuweichen begann, bis schließlich ihr Beispiel die anderen zur Überzeugung der Neuerung bewog. Wenn man der Mehrheit das Recht gibt, der Minderheit vorzuschreiben, was sie denken, lesen und tun soll, dann unterbindet man ein für alle Male allen Fortschritt.”

Dieses Zitat richtet sich eindeutig gegen Konformität und ist ein Loblied auf die Rebellen. Leute, die sich einfach weigerten, “normal” zu sein und damit zum Fortschritt der Menschheit beitragen. Leider sind die meisten Menschen jedoch nicht nur Konformisten – d.h., sie orientieren sich an dem, was die Mehrheit tut – sondern haben auch negative Einstellungen gegenüber Rebellen. Ein Rebell gilt meistens einfach nur als “verrückt”, “schräg” oder gar als dumm und asozial. Auf jeden Fall gelten sie als nicht normal. Wenn dann ein Rebell eine Idee hat, die ungewöhnlich ist, wird diese oft einfach damit abgetan, dass sie verrückt sei, man solle sich stattdessen auf das “Normale” besinnen.

In einem Punkt haben die Konformisten Recht. Ein Rebell ist nicht “normal”. Der Begriff “Normalität” sagt aber lediglich etwas über die statistische Häufigkeit einer Sache aus. Es sagt nichts über Wertigkeit aus. Warum soll etwas, dass statistisch häufig vorkommt, deswegen auch gut oder hilfreich sein? Man könnte nun meinen, wenn etwas wirklich hilfreich wäre, hätte es sich bereits bei der Mehrheit durchgesetzt. Die Geschichte zeigt uns aber, dass dies keinesfalls der Fall ist und es kaum eine Idee gibt, die, egal wie dumm und schädlich sie ist, trotzdem von einer Mehrheit übernommen werden kann. Dennoch wird so getan, als sei das Normale automatisch das Gute. Karl August Bettermann formulierte den sogenannten “Beamten-Dreisatz“:

  1. Das haben wir immer so gemacht!
  2. Das haben wir noch nie gemacht!
  3. Da könnte ja jeder kommen!

Den Rest des Beitrags lesen »

Am rechten Weg angekommen

Juli 8, 2015
Das Logo der Alternative für Deutschland

Die AfD ist tot, es lebe die AfD

Als die AfD gegründet wurde, hatte dies vor allem einen Anlass: Die Eurorettungspolitik. Es gab im Bundestag kaum Opposition gegen die Griechenlandhilfen, obwohl sie in der Bevölkerung unbeliebt waren. Auch wenn sie es nicht über die 5% schafften, blieb die AFD als eurokritische Alternative im Gedächtnis. Nun ist das Thema Griechenland wieder ganz aktuell. Alle Zeitungen, alle Nachrichtensendungen, Talkshows, alle Diskussionen über Politik drehen sich darum, ob und zu welchen Bedingungen Griechenland ein neues Rettungspaket bekommen oder ob es die Eurozone verlassen soll. Davon müsste eigentlich die AfD profitieren. Die Umfragewerte sollten explodieren. Aber die AfD macht derzeit durch andere Schlagzeilen auf sich aufmerksam.

Nicht über Griechenland wird debattiert, sondern über Gender Mainstreaming, Pegida und die deutsche Geburtenrate. Schon seit längerem tobt ein Richtungsstreit in der Partei. Lucke war der wichtigste Anker gegen den Rechtsruck in der AfD. Er vertrat einige Positionen, die in der rechten Fraktion unbeliebt waren: Er war für das Freihandelsabkommen TTIP, er ist gegen Putin, und obwohl er Verständnis für Pegida zeigte, wollte er keine Kooperation mit der Bewegung. Er wollte die AfD nicht zur “Pegida-Partei” werden lassen. Neben Lucke stand auch Konrad Adam für einen Flügel, der ehemalige FDP-Wähler anzog, während Alexander Gauland und Frauke Petry für den rechts-konservativen Flügel standen.

Nun hat die nationalkonservative Fraktion den Sieg davongetragen. Petry wurde beim Parteitag in Essen zur neuen Vorsitzenden gewählt, Lucke ist Geschichte und ist aus der Partei ausgetreten. Auch Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty haben die Partei aufgrund des Rechtsrucks bereits verlassen, weitere 500 taten es ihnen gleich. Damit ist der Weg frei für die Konservativen, die rechte Lücke zu schließen, die aufgrund der “Sozialdemokratisierung” der CDU entstanden ist. Möglicherweise wird der von Lucke gegründete Verein “Weckruf 2015″ eine neue Partei gründen. Fragt sich nur, unter welchem Namen man dieses Projekt angeht. “Alternative zur AfD”? “Zweite Alternative”? Den Rest des Beitrags lesen »

Ausbeutung für den Antikapitalismus

Juli 3, 2015

Gegen den Kapitalismus kämpfen! Für eine bessere Welt und 2 Euro die Stunde!

Es ist nichts außergewöhnliches, dass kapitalismuskritische Organisationen ihren Mitarbeitern oft Löhne anbieten, die sie bei den Unternehmen, die sie pausenlos kritisieren, als Ausbeutung oder Sklaverei bezeichnen würden. Die Liste an Beispielen ist lang: Die SPD beschäftigte in Rostock Putzkräfte für 7,56 Euro die Stunde, als sie einen bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro forderten. Die taz, die sich konsequent für Mindestlöhne einsetzt, beschäftigte Volontäre für 5,39 Euro. Nicht nur Löhne, auch die Arbeitsbedingungen bei antikapitalistischen Organisationen sind oft hart. So entließ die kommunistische Zeitung junge Welt einen Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen, als der um eine Festanstellung bat, da sein Gehalt mehr als verdoppelt hätte werden müssen.

Viele weitere Beispiele für diese Doppelmoral der Antikapitalisten ließen sich finden. Dieselbe Ausbeutung, die sie bei anderen so anprangern, wird von ihnen praktiziert. Nun sind mir zwei Beispiele aufgefallen, die besonders erwähnenswert sind. Das erste stammt von der globalisierungskritischen Organisation Attac. Sie sind erbitterte Gegner des Freihandelsabkommens TTIP und bieten ein Praktikum an, mit dem Titel “TTIP stoppen”. Die Entlohnung für die Arbeit liegt bei 200-250 Euro pro Monat zu je 25-30 Stunden in der Woche. Umgerechnet ist das ein Lohn von 1,67 bis 2,50 Euro die Stunde. Also ein Praktikum mit dem Angebot: Gegen den Kapitalismus kämpfen! Für eine bessere Welt und 2 Euro die Stunde!

Man kann sich ausmalen, was Attac von Unternehmen halten würde, die solche Löhne zahlen (das Lustigste an der Stellenausschreibung ist jedoch ohne Frage die Anforderung “grundlegendes Verständnis von wirtschaftspolitischen Zusammenhängen insbesondere zu Handelspolitik und Freihandel” – jeder, der so ein grundlegendes Verständnis hat, wüsste nämlich, dass Freihandel positiv ist, und würde sich deshalb gar nicht bei Attac bewerben). Der zweite Fall hat es ebenfalls in sich. Wie die taz (ja, die Volontären 5,39 Euro zahlende taz) gestern berichtete, hat die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York im März 2015 eine Mitarbeiterin ohne Angabe von Gründen fristlos gekündigt. Der mutmaßliche Grund würde Luxemburg im Grabe umdrehen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »

Gleiches Recht für alle

Juni 28, 2015
Das Symbol der gleichgeschlechtlichen Ehe

Das Symbol der gleichgeschlechtlichen Ehe

Es ist vollbracht. Der Oberste Gerichtshof der USA hat den Kulturkampf um die Homo-Ehe beendet. Kein Bundesstaat darf es gleichgeschlechtlichen Paaren verbieten, eine Ehe einzugehen. Die Begründung ist mehr Poesie als Recht, aber die Entscheidung ist richtig. Die USA sind damit das 22. Land der Welt, indem die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird. Während die meisten Prominente und auch Präsident Obama das Urteil bejubeln, bricht für viele konservative Amerikaner die Welt zusammen. Von Auswanderung bis zur Selbstverbrennung, wie ein Pastor in Texas im Vorfeld der Entscheidung ankündigte, gab es alle möglichen Reaktionen.

Die Homo-Ehe ist ein Erfolg für liberale Politik. In den USA forderte die “Libertarian Party” in ihrem Programm bereits 1972 gleiche Rechte für Homosexuelle und 1976 die Öffnung der Ehe. Damals war diese Forderung in der amerikanischen Durchschnittsbevölkerung etwa so populär wie Sonnenlicht bei Vampiren. Die amerikanische Linke dagegen brauchte länger, um ihr Herz für die Homo-Ehe zu entdecken. Noch im Jahr 1996 unterzeichnete der demokratische Präsident Bill Clinton mit Zustimmung der Republikaner den “Defense of Marriage Act“, der ausdrücklich die Ehe für Homosexuelle verbot, und Hillary Clinton bekräftige im Jahr 2000 ihre Ansicht, die Ehe sei eine Sache zwischen Mann und Frau.

Es gibt aber tatsächlich auch Liberale, die das Urteil kritisch aufgenommen haben. Meistens sind es Personen, die sich politisch als liberal bezeichnen, aber privat konservative Ansichten hegen. Ihre Argumentation lautet: Der Staat sollte sich komplett aus der Ehe heraushalten und es sei kein Fortschritt, wenn jetzt auch homosexuelle Paare nach den Regeln des Staates heiraten und auf Kosten von unverheirateten Personen staatliche Privilegien erhalten. Theoretisch ist diese Argumentation richtig. In einer idealen Welt sollte der Staat sich komplett aus der Ehe heraushalten. Aber die Realität sieht anders aus: Der Staat mischt sich in die Ehe ein, und es wird sich in nächster Zeit voraussichtlich nichts daran ändern. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie Naturvölker die Moderne meistern können

Juni 23, 2015

Können Naturvölker mit der Moderne in Einklang leben?

Die französische Politikerin Ségolène Royal sorgte kürzlich für Aufsehen, als sie im Fernsehen meinte, Nutella müsse boykottiert werden, da bei der Produktion von Nutella Palmöl verwendet wird, wofür wiederum Regenwälder in Südostasien gerodet und die dort lebenden Ureinwohner vertrieben werden. Doch der Geschmack von Nutella ist den Franzosen offenbar stark ans Herz gewachsen, Royal erntete nur Unverständnis und nahm ihre Aussage zurück. Es steht jedoch außer Frage, dass die Naturvölker in Südostasien, Zentralafrika und Südamerika durch die Abholzung des Regenwalds in ihrer Existenz bedroht werden, seitdem Konzerne angefangen haben, im Regenwald nach Rohstoffen zu suchen. Die Schuld für dieses Problem geben linke Aktivisten dem Kapitalismus.

Profitgierige Konzerne nehmen keine Rücksicht auf Menschen, auf die Natur und auf die zukünftigen Generationen, sie denken nur an ihre Gewinnmaximierung, und der einzige Weg, um die Zerstörung des Regenwalds zu verhindern, ist ein komplettes Verbot, im Regenwald Rohstoffe abzubauen. Warum das Problem der Zerstörung der Regenwälder aber nichts mit “zuviel freier Marktwirtschaft” zu tun hat, sollte klar sein: Freie Marktwirtschaft bedeutet nicht “Konzerne dürfen machen, was sie wollen” oder “Profit über alles”, sondern eine Rechtsordnung, indem das Eigentum geschützt ist und Vertragsfreiheit und Haftung gelten. Die Abholzung des Regenwaldes ohne die Zustimmung der dortigen Einwohner stellt ganz eindeutig eine Verletzung der Eigentumsrechte der Naturvölker dar.

Der peruanische Ökonom Hernando de Soto, der vielfach zu den Gründen für die Armut in der Dritten Welt geforscht hat, reiste im Jahr 2009 in den Amazonas, nachdem es kurz zuvor in Bagua ein Massaker mit mehr als 30 Toten gegeben hatte, bei dem es um Landnutzungsrechte ging. Er besuchte die Gemeinden der Indios und forschte nach ihren Problemen, dabei bestätigte er, dass fehlende Eigentumsrechte und nicht zuviel freie Marktwirtschaft das Hauptproblem der Naturvölker sind. Eine andere wichtige Feststellung seiner Reise dürfte gerade die linken Aktivisten im Westen überraschen, und zwar: Die Naturvölker lehnen die Moderne nicht grundsätzlich ab, sie begrüßen sie sogar. Er drückte es wie folgt aus: Der Amazonas ist nicht Avatar. Den Rest des Beitrags lesen »

Zitat des Tages

Juni 18, 2015

Steve Horwitz kommentiert die Reaktion einiger Linken auf die neue päpstliche Enzyklika:

“Nun sehe ich wie all meine linken Pro-Abtreibung-Freunde mir erzählen wie toll der Papst ist, nach Jahrzehnten in denen ich gehört habe wie mittelalterlich und frauenfeindlich die Kirche ist.

Natürlich ist die neue Enzyklika lediglich genauso mittelalterlich wie es die Kirche immer war, nur dieses Mal genauso mittelalterlich wie viele implizite oder explizite Ansichten der Linken über die Moderne und den Markt.”

Politikverdrossenheit – Ein Problem?

Juni 15, 2015

Der Bürger entscheidet!

Es ist ein Evergreen: Die Bürger wenden sich von der Politik ab. Eine Umfrage vom April zeigte, dass 80% der Bürger der Ansicht sind, ihre gewählten Politiker würden nicht genug tun, um sich über ihre Sorgen und Interessen zu informieren. Die Wahlbeteiligung sank seit 1982 stetig und erreichte 2009 ein Rekordtief, bevor es 2013 wieder ein bisschen bergauf ging. Natürlich wollen die Politiker etwas gegen die Politikverdrossenheit tun. Und wie! Politik soll für die Bürger wieder interessant werden, heißt es, man will “die Bürger abholen”. Von totalitären Maßnahmen wie einer Wahlpflicht wird zwar (noch) abgesehen, doch irgendeine Kampagne wird sicher gestartet werden.

Sind niedrige Wahlbeteiligungen wirklich so schlimm wie die Politiker behaupten? Einige meinen, es sei gar nicht so schlimm, wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist, immerhin würde das bedeuten, die Bürger hätten genug Vertrauen in die Stabilität der Demokratie, keine Angst vor einer Diktatur und würden es deshalb nicht so extrem wichtig finden, sich für Politik zu interessieren. In der Schweiz oder den USA ist die Wahlbeteiligung traditionell niedrig (50-60%), während hochpolitisierte Länder oft große Krisen durchmachen. Das Problem an dieser Betrachtung ist: Sie ist nicht wahr. Tatsächlich interessieren sich Nichtwähler zumindest in Deutschland sehr wohl für Politik und gehen aus Unzufriedenheit nicht zur Wahl, nicht aus Gleichgültigkeit.

Ob ein Wahlboykott sinnvoll ist, darüber gibt es polarisierende Positionen. Die einen sagen: Wählen ist eine staatsbürgerliche Pflicht, Nicht-Wähler stärken radikale Parteien und wer nicht wählt, soll sich später nicht beschweren. Die anderen sind sich sicher: Wahlen ändern nichts, Wähler sind dumm, Wählen ist Zeitverschwendung. Beide Positionen stellen den Sachverhalt zu verkürzt dar, und das Einschimpfen auf den Anderen ist völlig unnötig. Es kann für beide Entscheidungen – Wählen und Nicht-Wählen – gute Gründe geben, die nichts mit Ignoranz zu tun haben. Außerdem ist die Wahlbeteiligung am Ende gar nicht so wichtig wie viele annehmen. Den Rest des Beitrags lesen »


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 68 Followern an