Vorschläge für eine bessere Demokratie

Februar 14, 2018

Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Frankreich, 1848

Mal wieder sind alle verärgert. Das Volk hat gewählt, aber es wirkt nicht so, als würde das Volk sich von der kommenden Regierung vertreten fühlen, stattdessen erwartet jeder vier Jahre Stagnation. Die einzigen, die wirklich zufrieden sind mit der neuen Großen Koalition sind die, die meinen, dass das Land unbedingt wieder eine Regierung braucht, weil ein Land ohne Regierung notwendigerweise zusammenbricht. Weil die letzten Monate ohne Große Koalition bekanntlich zu einer schweren Wirtschaftskrise und massivem Anstieg der Kriminalität geführt haben. Aber egal, meine Meinung zur Bekämpfung der ständigen politischen Verärgerung: Anstatt zu jammern sollte man vernünftig darüber nachdenken, wie man das Problem der konstant schlechten Regierungen lösen kann.

Eins sollte dabei klar sein: „Mehr Demokratie“ ist eine leere Phrase, die keine Hilfe ist. Was wir derzeit haben, ist eine formal gut funktionierende repräsentative Demokratie. Deswegen fordere ich auch gar nicht „mehr Demokratie“, sondern Lösungen, die notfalls die Demokratie einschränken. Hier sind drei echte Besserungsvorschläge, die es meiner Meinung nach wert wären, ausprobiert zu werden.

Beschränkung von Amtszeiten

Wie oft kommen Politiker aus idealistischen Gründen in ihr Geschäft, um als karrieregeile Opportunisten zu enden. Man hat das Gefühl: Eigentlich immer. Dieser Anreiz wird aber von den politischen Regeln geschaffen, denn die Wiederwahl ist das Ziel eines jeden Politikers, und die Wähler fordern in der Regel Klientelpolitik für sich selbst. So kann es passieren, dass Politiker mit dem Ziel an die Macht kommen, die Welt zu verbessern, und als Politiker enden, die den Wählern vor der Wahl höhere Renten, höheres Kindergeld und höhere Löhne versprechen – ganz egal, wer wann dafür zahlen soll. Vieles würde sich ändern, wenn die Politiker sich nicht um ihre Wiederwahl sorgen müssten. In dem Fall könnten sie ohne den Druck ihrer Klientel versuchen, ihre Ideale politisch durchzusetzen.

Und wenn ich sage „Nicht um ihre Wiederwahl sorgen“, meine ich das ganz ernst: Die Amtszeiten der Politiker sollten auf genau eine Amtszeit beschränkt werden. Eine Beschränkung auf zwei Amtszeiten hat in den USA meiner Meinung nach nicht wirklich funktioniert, um die Politik besser zu machen. Die Idee der Beschränkung auf eine Amtszeit hat schon Milton Friedman ins Gespräch gebracht – er nannte es die wichtigste politische Reform. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob so eine Maßnahme die Politik besser machen würde, aber ein Versuch wäre es wert. Für Abgeordnete, die keine Minister sind, könnten Ausnahmen gemacht werden, denn es ist wohl was anderes, in der Opposition zu sitzen als in der Regierung. Doch für Minister sollte gelten: Ihr habt eine Chance – und dann könnt ihr euer altes Leben fortführen anstatt eure Klientel zu füttern. Den Rest des Beitrags lesen »

Kleines Lexikon der Fake News

Februar 7, 2018

Fake News sind mittlerweile ein feststehender Begriff. Egal ob es sich nachweislich um eine fabrizierte Geschichte handelt oder nur Vermutungen angestellt werden, sofort hört man „Fake News“. Mir hat der Begriff gefallen, allerdings fiel mir als Kenner der Geschichte auf, dass es sich bei den fabrizierten Geschichten keineswegs um ein neues Phänomen handelt. Im Grunde sind Fake News ein ständiger Begleiter der Menschheitsgeschichte, vom alten Ägypten bis zum modernen Amerika. Es erschien mir eine reizvolle Aufgabe, die größten Fake News der Geschichte zusammenzutragen, um eben diesen Sachverhalt darzulegen. Als Ergebnis ist dieses E-Book herausgekommen, das ihr jetzt ab sofort kaufen könnt:

(Link zur Bestellung)

Hier die Kurzbeschreibung:

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Der Begriff „Fake News“ hat seit dem Aufstieg Donald Trumps zum Präsidenten der USA Hochkonjunktur. Doch weder Trump noch seine Gegner haben das Lügen erfunden. In der Geschichte gehören das Erfinden und Dramatisieren von Geschichten sowie das Abstreiten von Wahrheiten eher zur Regel als zur Ausnahme. Dabei kamen schon viele reichhaltige Fake News zusammen und setzten sich in der Geschichtsschreibung als Wahrheit durch. Bestimmt sind auch sie auf eine große Lüge hereingefallen. Mit diesem kleinen Lexikon, das einige der größten Fake News von der Antike bis zu unserer Zeit gesammelt hat, können sie ihr Wissen testen und gegebenenfalls korrigieren. Denn keine Lüge ist es wert, an sie zu glauben!

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Drei Bedingungen habe ich zur Aufnahme ins Lexikon gestellt: Die Geschichte muss nachweislich falsch sein, es darf also keine historische Kontroverse geben (wie z.B. um den Reichstagsbrand), sie muss bewusst als Lüge verbreitet worden sein (also keine wissenschaftlichen Irrtümer oder Überlieferungs – und Übersetzungsfehler) und sie muss einen großen Einfluss gehabt haben. Wie in der Kurzbeschreibung erklärt, habe ich außerdem sowohl erfundene und dramatisierte Geschichten als auch das Abstreiten der Wahrheit als „Fake News“ kanonisiert. Somit haben es Lügen über den Kaiser Nero, über Marie-Antoinette oder aus der Zeit der Revolutionen in Osteuropa 1989 ins Lexikon geschafft.

Ich hoffe, ich habe euch ein bisschen Vorfreude gemacht. In nächster Zeit werde ich auch Auszüge aus dem Buch veröffentlichen, um euch Irrlehren aus der Geschichte auszutreiben. Bleibt gespannt!

No Billag, No GEZ

Januar 31, 2018

Am 4. März werden die Schweizer in einer Volksabstimmung, der „No-Billag-Initiative“ über die Zukunft der Rundfunkgebühren im Land entscheiden. Im Rahmen der Abstimmung machte das NDR Werbung für die Befürworter der Initiative:

Nein, das war natürlich nur Spaß. Tatsächlich meinte das NDR es ernst: Eine Welt ohne Tatort, Bergdoktor, Tagesschau und Panorama wird als Dystopie ausgegeben. Ich nehmen an, für den NDR würde besonders die Abwesenheit des Bergdoktors den Bestand unserer Demokratie gefährden.

Was ich davon halte, muss ich nicht mehr ausführen. Selbstverständlich gibt es kein Recht, Menschen zu zwingen, für Radio- und Fernsehprogramme zu zahlen. Weder für das Billag-Regime in der Schweiz, noch für das GEZ-Regime in Deutschland. Das GEZ-Regime hat aber zusätzlich aus einem anderen Grund weitere Antipathie-Punkte bei mir gesammelt: Ihre ideologische Ausrichtung. Es ist nicht möglich, die Programme der Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland zu beobachten, ohne die linksgrüne Färbung der meisten politischen Sendungen zu erkennen. Zwangsgebühren sind schlimm genug, aber Zwangsgebühren für Volkserziehungsfernseen sind ein noch größeres Ärgernis. Wer noch immer an die Neutralität der Öffentlich-Rechtlichen glaubt, dem seien drei Beispiele aus letzter Zeit vor Augen geführt.

Im Oktober letzten Jahres strahlte das ZDF den Historienfilm „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ aus. Der Film wurde von einer privaten Filmproduktionsgesellschaft produziert, jedoch von österreichischen und deutschen Subventionsgeldern gefördert und im österreichischen Staatssender ORF zuerst ausgestrahlt. Es ging um den im 15. und frühen 16. Jahrhundert lebenden österreichischen Herzog und späteren Kaiser Maximilian. Wie könnte man ausgerechnet hier moderne politische Botschaften einfließen lassen? Na, hören sie selbst:

Verjagt vom französischen König, fliehen unzählige Bauern nach Gent, wo Maria von Burgund ihnen Zuflucht in der Kirche bietet. Als ein Berater an der Beherbergung der Flüchtlinge Zweifel äussert, sagt sie: «Wir schaffen das!» Deutlich sind Angela Merkels Worte aus dem Mund der burgundischen Thronfolgerin zu hören. … Maria-Merkel, die Verfechterin der europäischen Vereinigung. Die türkische Gefahr im Osten. Die bösen Ungarn – deren König Corvinus im Film übrigens der Einzige ist, der einen Akzent hat.

Das zweite Beispiel ist weniger subtil. Im Dezember strahlte das ARD den Tatort „Dunkle Zeit“ aus. Hier wurde der Aufstieg einer rechtspopulistischen Partei dargestellt, den „Neuen Patrioten“, die der AfD angelehnt ist. Die Parteivorsitzende der Neuen Patrioten, Nina Schramm, ist die Böse, der Polizist Thorsten Falke ist der Gute. Am Ende kommt es zu einem Showdown zwischen beiden. Nina Schramm stellt Falke zur Rede und beklagt, dass die Kriminalität von Migranten verschwiegen wird und Polizeistellen gestrichen werden. Der Polizist Falke holt zur Gegenrede aus, die im Spiegel aus pädagogischen Gründen in ihrer Gänze wiedergegeben wurde: Den Rest des Beitrags lesen »

Zwei Drecksäcke machen keinen Saubermann

Januar 26, 2018
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan

Ein Drecksack kommt selten allein

Als die Kurden in Syrien 2012 anfingen, sich vom Assad-Regime unabhängiger zu machen und daraus mit der Zeit ein fast komplett neuer Staat entstand, empfand ich das als gute Entwicklung. Die Kurden in Syrien waren wie im Irak, der Türkei und dem Iran von der Zentralregierung unterdrückt worden, sie durften ihre eigene Kultur nicht ausleben und erlebten bei Protesten gegen ihre Zwangsassimilation Gewalt, wie 2004 in Qamishli, als Dutzende Menschen zu Tode kamen. Mit der Zeit wurde aus dem kurdischen Autonomiegebiet in Syrien (auch „Rojava“ genannt) ein guter Verbündeter im Kampf gegen den IS, der zurecht von den USA militärisch unterstützt wurde. Es ist nicht Assad oder Putin zu verdanken, dass der IS in Syrien fast gänzlich besiegt wurde, sondern den syrischen Kurden, einigen sunnitischen Rebellengruppen und den westlichen Luftbombardments.

Nun hat sich die Lage geändert. Die kurdische Autonomie wird wieder bedroht, aber nicht von Assad oder dem IS. Erdogan hat, mithilfe von syrischen Söldnern einen Krieg gegen die kurdische Autonomie gestartet. Meiner Ansicht nach gehört die Türkei schon lange aus der NATO geworfen. Sie sind kein verlässlicher Verbündeter der NATO-Mitgliedsländer, und wenn die NATO nicht bloß eine Militärgemeinschaft sein soll, sondern eine Wertegemeinschaft, steht außer Frage, ob ein autoritärer Staat wie die Türkei dazugehört. Gleichzeitig bin ich gegen eine militärische Unterstützung der Kurden gegen Erdogan. Denn leider sind die Kurden in diesem Konflikt nicht als das klare kleinere Übel zu erkennen. Nur weil es richtig war, die Kurden gegen den IS zu unterstützen, heißt das nicht, dass dasselbe gegen Erdogan gilt.

Es gibt im Irak seit 2005 ein kurdisches Autonomiegebiet. Dieser Quasi-Staat war trotz der autoritären Führung immerhin ein guter Bündnispartner (der Versuch, die volle Unabhängigkeit vom Irak auszurufen, endete Oktober letzten Jahres unter erstaunlich wenig internationaler Aufmerksamkeit desaströs) und unterstütze nicht die PKK. Die PKK ist nach wie vor terroristisch tätig, sie scheut nicht davor zurück, unschuldige Zivilisten zu massakrieren, wenn es ihren politischen Zielen nützt, darunter auch Kurden, die die PKK ablehnen. Umso trauriger ist, dass das kurdische Autonomiegebiet in Syrien von der PYD, dem syrischen Arm der PKK, geführt wird, und sie nach allen Erkenntnissen eine (kommunistisch angehauchte) Diktatur aufgebaut hat. Die Sorge der Türkei, dass von dort aus eines Tages Terror gegen die Türkei ausgehen könnte, rechtfertigt nicht Erdogans Einmarsch – aber sie ist nicht falsch. Den Rest des Beitrags lesen »

Hoffen auf die Jusos

Januar 20, 2018
Der nächste gescheiterte Kanzlerkandidat (Bild: Mettmann)

Wird er Deutschland endgültig an Brüssel verkaufen?

Ja, ganz klar.

– Martin Schulz am 25. September 2017, auf die Frage, ob er eine Große Koalition ausschließt.

Weltweit ist die Hoffnung groß, dass die SPD dafür sorgt, dass Deutschland endlich Frankreich die Hand reicht zur Erneuerung und Stärkung Europas. Denn alle haben gesehen, dass CDU/CSU, Grüne und FDP dazu nicht bereit und in der Lage waren. Viele sehen jetzt die Chance, dass Europa in einer immer aggressiveren Welt ein Ort der Hoffnung und eine starke Stimme der Freiheit und der Demokratie ist. Und die SPD kann dafür der Garant werden.

– Sigmar Gabriel am 16. Januar 2018 über seinen Wunsch für eine neue Große Koalition.

Es dauerte in der oberen Basis der SPD weniger als vier Monate, um aus einem kategorischen „Nein“ zu einer Großen Koalition ein „Ja, denn der Weltfrieden hängt davon ab“ zu machen. Ich befürchte, unser Gabriel hat die Bedeutung dieses Themas dennoch dramatisch überschätzt. Es wird sich kaum jemand außerhalb Europas überhaupt im Klaren sein, dass in Deutschland gerade Koalitionsverhandlungen anstehen, und selbst in Europa dürfte es für die meisten keine überragende Bedeutung haben. Aber nun gut, für Deutschland wird es wohl eine Bedeutung haben, wer regiert, auch wenn der Unterschied zwischen den Koalitionen in den letzten Legislaturperioden nicht sonderlich hoch erschien. Bevor die SPD morgen darüber entscheidet, stellt sich die Frage: Was sollen wir von einer neuen Großen Koalition erwarten?

Wie ich hier offenbarte, wünsche ich mir eine lange Regierungskrise. Doch das, worauf sich die CDU/CSU und SPD geeinigt hatten, erschien mir nicht so fürchterlich wie es hätte sein können: Keine Bürgerversicherung, keine Steuererhöhungen, ein schrittweiser Abbau des Solis, eine Quasi-Obergrenze, keine Schuldenunion. Zwar wollte ich deshalb keine Große Koalition, aber das Grauen war ein bisschen Weg. Ich dachte mir: Vielleicht ist das alles, was wir realistisch gesehen bekommen können. Nun hat sich die Lage aber geändert: Eine Reihe von frustrierten, ökonomisch ungebildeten und machthungrigen SPD-Mitgliedern wünscht sich mehr „Zugeständnisse“ für eine erneute Regierungsbeteiligung. Wie man Merkel kennt, könnte sie darauf eingehen und diese Zugeständnisse (wahrscheinlich Bürgerversicherung und Schuldenunion) als ihre schon immer geltende Überzeugung verkaufen. Damit stehen wir von einer neuen, unerwarteten Situation: Vom „Nein“ der SPD-Mitglieder, die Merkel absurderweise kein Prinzipienverrat zutrauen, hängt die wirtschaftliche Zukunft des Landes ab. Den Rest des Beitrags lesen »

Kriminellen-Auszug statt Familiennachzug

Januar 11, 2018

Wie viele Araber kommen bald nach Deutschland?

Das Thema Flüchtlingskriminalität hat es nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel ganz nach oben in die Medien geschafft (sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn auch widerwillig). Der Reflex, wonach man nie von einem Fall auf die Gesamtsituation schließen sollte, verfing sich schnell, denn die Gesamtsituation wird durch den Fall Kandel gut repräsentiert. Nach einem stetigen Fallen der Gewaltkriminalität ab den 2000ern hat diese ab 2016 wieder zugenommen, und der Hauptgrund dafür ist offensichtlich der Zustrom an Flüchtlingen (oder Asylbewerbern, wie es dann heißt). Allein in Niedersachen stieg die Gewaltkriminalität zwischen 2014 und 2016 um 10,4%, und 92,1% des Anstiegs geht auf die Flüchtlinge zurück. Außerdem dürfte jedem Menschen bei Verstand klar sein, dass wir einen massiven Anteil an Fake-Minderjährigen haben.

Was ist die Lösung für das Problem? Eine Reihe von Soziologen und Kriminologen hat darüber nachgedacht und eine Studie verfasst. Das Ergebnis ist: Mehr Kurse, mehr Betreuungskonzepte, mehr Praktika für Flüchtlinge. Und noch eine Sache:

Ein wichtiger Aspekt des Problems sei, dass Migranten in Deutschland häufig in Männergruppen lebten – ohne Partnerin, Mutter, Schwester oder andere weibliche Bezugsperson, wie es in der Studie heißt. „Überall wirkt sich negativ aus: der Mangel an Frauen“, sagt Kriminologe Pfeiffer dazu. Dieser Mangel erhöhe die Gefahr, dass junge Männer sich „an gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen orientieren“, heißt es in der Studie. Pfeiffer hält die Idee des Familiennachzugs deshalb für „nicht dumm“.

Der Familiennachzug wird gerade jetzt scharf diskutiert. Im März soll darüber entschieden werden, ob der Familiennachzug wie bis jetzt weiter ausgesetzt bleiben soll oder ob er freigegeben wird. Die meisten Argumente, die für den Familiennachzug genannt wurden, waren bis jetzt humanitärer Natur. Familien sollten geeint werden, eine christliche Partei sollte für christliche Werte stehen (in Richtung CDU), und das psychische Wohlergehen durch die Anwesenheit der Familie wird bei der Integration helfen, wie die gelungene Integration der arabischen Familienclans in Berlin zeigt. Nun kommt ein weiteres Argument: Der Familiennachzug soll gegen die Kriminalität von Flüchtlingen helfen. Wenn man die derzeitige Situation betrachtet, wird schnell klar: An diesem Argument ist nicht wenig richtig. Sondern gar nichts. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein iranischer Frühling?

Januar 1, 2018

Die Flagge des Iran 2018?

Das neue Jahr beginnt gleich mit einem Knall. Das Mullah-Regime im Iran wackelt gewaltig. In mehr als 70 Städten in allen Provinzen des Landes kommt es zu Demonstrationen gegen das Regime, es werden Parolen gegen Ayatollah Khamenei gerufen, einige Berichte sprechen von scharfer Munition gegen Demonstranten und Angriffe auf öffentliche Gebäude. Das iranische Staatsfernsehen spricht schon von 12 Toten. Erleben wir den Beginn eines neuen Frühlings im Iran? Noch ist es an der Zeit, abzuwarten, das Regime könnte mit massiver Gewalt die Demonstrationen schnell beenden. Wenn das nicht eintrifft, stellt sich die Frage nach den Alternativen: Bürgerkrieg? Putsch aus dem Inneren? Oder eine gelungene Revolution, die das Mullah-Regime für alle Zeiten beendet?

Für das iranische Volk wäre letztere Option sicher die beste. Die brutale Unterdrückung der Frauen, das Fehlen jeglicher Meinungsfreiheit, die Todesstrafe für Homosexuelle, Blasphemisten und Apostaten würde unter einer neuen Regierung mit großer Wahrscheinlichkeit zurückgeschraubt werden. Ich meine damit nicht die immer wiederkehrenden Berichte über die „wilde“ und weltoffene iranische Jugend. Denn es ist schwer zu prüfen, wie repräsentativ solche Berichte sind, und es gibt sicher auch viele anders denkende Bevölkerungsteile. Es dürfte jedoch klar sein, dass, selbst wenn nicht sofort die westliche Moderne im Iran einzieht, die Bevölkerung weniger fundamentalistisch eingestellt ist als das Regime. So scheint z.B., wie das sehr locker getragene Kopftuch und zahlreiche „Ablege“-Kampagnen zeigen, der Kopftuchzwang unter Millionen Frauen verhasst zu sein.

Dazu muss man wissen, dass sich die Lage der Frauen in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert hat. Der Zugang zu Geburtenkontrolle wurde vereinfacht, die Geburtenrate sank von 6,1 im Jahr 1979 auf 1,7 im Jahr 2015, und mehr als die Hälfte der Universitätsabsolventen sind Frauen (wie besonders Apologeten des Mullah-Regimes immer wieder gerne betonen). Aber gerade deshalb muss es den Frauen ein Dorn im Auge sein, dass sie in Kopftücher gezwungen werden, ohne männlichen Vormund nicht arbeiten oder reisen dürfen, im Familienrecht massiv diskriminiert werden, keine Stadien betreten, kein Sport machen, ja nicht mal singen dürfen. Ein Sturz des Mullah-Regimes würde der Hälfte der Bevölkerung mehr Rechte geben. Aber es gibt auch einige erhebliche Probleme, die eine Revolution mit sich bringen würde. Den Rest des Beitrags lesen »

Zitate des Jahres

Dezember 31, 2017

Das Jahr ist mal wieder vorbei. Während viele das Jahr 2016 als Katastrophenjahr empfanden, hat 2017 keinen so negativen Endeindruck hinterlassen. Für mich ist dieses Jahr aber nicht viel besser gewesen als letztes Jahr. Bezüglich der politischen Entwicklung sehe ich keine großen Besserungen, außer dass in Frankreich Le Pen verhindert wurde und Macron die dringend notwendigen marktwirtschaftlichen Reformen anzugehen scheint. Ansonsten blieben die ewigen Gewaltspiralen in Nahost, der Terror in Europa, die Tragikomödie in Venezuela und Kim in Nordkorea. Trump stellte sich darüberhinaus als gewöhnlich heraus und dürfte jetzt fester Bestandteil des Establishments sein. Immerhin hat die Menschheit erneut Fortschritte im Kampf gegen Krankheiten, Hunger und Armut gemacht, wie die Optimisten dieser Welt zurecht betonen.

Zum Ende hier noch ein paar lustige Zitate, die das Jahr hervorgebracht hat und mit dem ich es verabschiede.

„Ein Flughafen ist nie fertig.“ (BER-Chef Lütke Daldrup prophetisch)

„Despite the constant negative press covfefe.“ (Donald Trump kryptisch auf Twitter)

„Ich war nie von Geld motiviert.“ (Neymar nach seinem Wechsel zu Paris Saint-Germain, wo er 30 Millionen netto verdient)

„Hätte ich doch nur in Bitcoin investiert.“ (anonymer Kommentar)

„Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen.“ (Kim Jong-Un zu Donald Trump)

„Mit dem heutigen Abend endet unsere Zusammenarbeit mit der CDU und CSU.“ (Martin Schulz, bevor seine Partei Verhandlungen über eine Zusammenarbeit mit der CDU und CSU aufnahm)

„Heute hat es kein Referendum für eine Selbstbestimmung in Katalonien gegeben.“ (Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy nach dem Referendum für eine Selbstbestimmung in Katalonien)

„Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ (Christian Lindner, schon jetzt Kult)

„Jungs tragen keine Prinzessinnenkleider“ (Lewis Hamilton zu einem Weihnachtsgeschenk seines Neffen. Später entschuldigte er sich öffentlich für diesen diskriminierenden Kommentar)

„Warum waren wir so zögerlich? Das hat einen guten Grund. Nach allem, was wir bisher wissen, handelt es sich um eine Beziehungstat.“ (Die Tagesschau erklärt, warum sie nicht über den Mord in Kandel berichtet hat)

Ach ja: Frohes Neues Jahr!

Die beste Zeit des Jahres

Dezember 25, 2017

Frohe Weihnachten!

Wie ihr sicher schon herausgefunden habt, bin ich Atheist. Trotzdem empfand ich Weihnachten immer als die beste Zeit des Jahres. Die Geschenke, das gute Essen, die tollen Filme und immer schulfrei zu haben war seit jeher eine schöne Erfahrung zum Ende des Jahres. Da spielte es keine Rolle, dass der Anlass so lächerlich war. Dieses Jahr habe ich einen Kommentar von Ayn Rand gefunden, der meine Einstellung zu Weihnachten gut wiedergibt. Rand antwortet hierbei auf die Frage, ob es für einen Atheisten angemessen ist, Weihnachten zu feiern.

Hier die deutsche Übersetzung von Philipp Damme:

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Ja, natürlich. Ein nationaler Feiertag kann in unserem Land keine ausschließlich religiöse Bedeutung haben. Die säkulare Bedeutung von Weihnachten ist umfassender als die Lehrsätze einer bestimmten Religion: Es ist guter Wille – eine Geisteshaltung, die nicht der ausschließliche Besitz der christlichen Religion ist (obwohl er Teil davon sein soll, wenn auch ein meistens unbeachteter Teil).

Der charmante Aspekt an Weihnachten ist die Tatsache, dass es guten Willen in einer fröhlichen, glücklichen, wohlmeinenden, nichtopfernden Weise ausdrückt. Man sagt: „Fröhliche Weihnachten“ – nicht „Weine und Bereue“. Und der gute Wille wird in einer materiellen, irdischen Form ausgedrückt – indem man seinen Freunden Geschenke macht oder indem man ihnen Karten als Zeichen der Verbundenheit schickt. (Das Schenken ist nur so lange charmant, wie es nichtopfernd ist. O. Henrys berühmtes „Das Geschenk des Magi“ ist eine sadistische Horrorstory, wenn er sie auch nicht so gemeint hat; diese Geschichte ist ein gutes Beispiel für die Nutzlosigkeit des Altruismus.)

Der beste Aspekt an Weihnachten ist der Aspekt, der für gewöhnlich von den Mystikern verschrien wird: Die Tatsache, dass Weihnachten kommerzialisiert worden ist. Das Kaufen von Geschenken ist gut für die Wirtschaft des Landes; aber wichtiger ist in diesem Kontext, dass es einen enormen Einfallsreichtum für die Schaffung von Produkten stimuliert, die einem einzigen Zweck dienen: Menschen Freude zu machen. Und die Straßendekorationen in Läden und anderswo – die Weihnachtsbäume, die blinkenden Lichter, die glitzernden Farben – geben der Stadt ein spektakuläres Aussehen, das nur die „kommerzielle Gier“ uns geben kann. Man müsste schon furchtbar depressiv sein, um der wunderbaren Ausgelassenheit dieses Spektakels zu widerstehen.

Fröhliche Weihnachten und Frohes Neues Jahr Ihnen allen.

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Der Horror der Inklusion

Dezember 16, 2017

Kann es noch schlimmer werden an den Schulen?

Drei Dinge sind immer gut, wenn es darum geht, Staatsausgaben zu rechtfertigen: Bildung, Forschung und Infrastruktur. Wer kann etwas gegen diese Dinge haben? Bildung ist die Zukunft, Forschung ist auch die Zukunft, und Infrastruktur ist noch mehr die Zukunft als die beiden vorangegangenen Dinge. Da wird mal schnell vergessen, dass weniger als 20% der Staatsausgaben in diese Bereiche fließen (vielmehr wird für den immer größer werdenden Sozialstaat ausgegeben) und der Staat diese Dinge nicht besser macht als Unternehmen im freien Wettbewerb, wie zahlreiche Beispiele aus dem Ausland zeigen. Doch die drei heiligen Kühe Bildung, Forschung und Infrastruktur sind in Deutschland nicht zu schlachten. Besonders schädlich ist hierbei das staatliche Bildungsmonopol. Das zeigt sich an einem jüngsten Kapitel: Der Inklusion.

Inklusion bedeutet, dass alle Kinder, ganz egal welche Fähigkeiten sie besitzen, gemeinsam unterrichtet werden. Auch behinderte Kinder oder Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen oder „auffälligem Sozialverhalten“ werden in normale Klassen gesteckt. Sie alle sollen die gleichen Chancen haben. Ein typisch Konzept von linken, sozialdemokratischen Weltverbesserern (von denen sich viele auch verpflichtende Kitas, Ganztagsschulen und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems wünschen, einige ganz radikale auch ein Verbot von Privatschulen). Die Folgen dieser Politik sind nur wenige Jahre nach dem Beginn ihrer Umsetzung zu sehen – und sie sind katastrophal. In den Medien haben Lehrer mittlerweile verschiedene „Hilferufe“ veröffentlicht, die vom Alltag unter dem Regime der Inklusion berichten.

Eine Hamburger Lehrerin verfasste letzte Woche in der Hamburger Morgenpost einen Hilferuf, in der sie erklärte, dass sie ihren Job-Alltag nur noch mit Rotwein ertrage:

Die Kinder sollten sich zwischen verschiedenen Arbeitsblättern entscheiden. Das überforderte sie so sehr, dass sie sich die Blätter und Puzzleteile aus den Händen rissen. Sie schlugen sich, stritten, schrien wild herum. … Ich habe in meiner vierten Klasse 17 Kinder. Von denen sind zehn verhaltensauffällig. … Ein ADHS-Junge hält dank seiner Medikamente bis 13 Uhr durch, danach hängt er nur noch unterm Tisch und macht Baller-Geräusche. … Ein afghanischer Flüchtlingsjunge ist im Verhalten schon sehr pubertär, er provoziert die anderen Kinder, stachelt sie an. Es endet im Streit. Ein kleiner russischer Junge ist immer schlecht drauf, lässt sich für keine Aufgabe begeistern. … Ein anderer kippelt ständig und rennt während der Stunde durch die Klasse. Er fliegt früher oder später aus jedem Kurs raus und sitzt dann den Rest der Zeit im Schulbüro.

Kurz darauf legte eine Schule in Saarbrücken nach. Den Rest des Beitrags lesen »