Brexit, actually

Dezember 14, 2019

Freiheit für die Briten!

Es ist soweit. Im britischen Parlament gibt es eine Mehrheit für einen Premierminister, der den Brexit durchziehen will. Theresa Mays Parlament, der den Brexit zu einer Parodieveranstaltung machte, ist Geschichte. Der Brexit wird voraussichtlich zum 31. Januar 2020 durchgezogen werden. Die Tränen der EU-Nationalisten haben ein solches Volumen erreicht, dass man damit die Wasserknappheit in Chiles Atacama-Wüste beenden könnte. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es eine fünfte Verschiebung gibt. Die Deutlichkeit der Ergebnisse birgt einige wichtige Lektionen für Großbritannien und ganz Europa.

1. Die Mehrheit der Briten will den Brexit.

Es hieß immer, die Briten hätten keine Ahnung, wofür sie gestimmt hätten, sie wären auf Lügen reingefallen, ein neues Referendum würde ganz anders aussehen, und da viele ältere Wähler nach 2016 abgestorben sind, würde die Mehrheit heute schon aus diesen Gründen für Remain sein. Jetzt kann man sagen: Nö. Die Mehrheit hat ganz eindeutig Boris Johnson mit dem Auftrag ausgestattet, den Brexit endlich durchzuziehen. Wenn die Mehrheit wirklich unbedingt in der EU hätte bleiben wollen, hätten sie eine parlamentarische Mehrheit gebildet, die einen Deal (oder einen Austritt ohne Deal) unmöglich macht und damit ein zweites Referendum den Weg ebnet. Aber das komplette Gegenteil ist geschehen!

2. Jeremy Corbyns politische Karriere ist tot.

Es ist das schlechteste Ergebnis für Labour seit 1935. Nur damit ihr es wisst: Das war eine Zeit, in der in Deutschland Angela Merkel noch nicht an der Macht war. Verantwortlich dafür ist Jeremy Corbyn, ein alter, weißer Mann aus einem vergangenen Jahrhundert, der nicht nur von der Mehrheit der Briten, sondern selbst von der Mehrheit der Arbeiter, der traditionellen Labour-Wählerschicht, abgelehnt wird. Die Botschaft ist klar: Corbyns Zeit ist vorbei. Das heißt auch, dass Corbyns widerlicher Antisemitismus, der seine politische Karriere begleitete wie Alkoholismus die Karriere von Boris Jelzin, keinen Platz mehr finden wird. Hoffentlich kann sich Labour von diesem Gift lösen und ohne den Judenknacks einen Neustart wagen. Den Rest des Beitrags lesen »

Dreißig Jahre Jammern

November 11, 2019

Waren das bessere Zeiten?

Der Zustand der DDR 1989: Die Verschuldung des Landes ist höher als die gesamte eigene Wirtschaftsleistung. Der durchschnittliche Lohn ist niedriger als der Sozialhilfesatz in der BRD. Die Wohnungen verfallen, die Umweltverschmutzung erfordert viele gesundheitliche Opfer. Dann kommt der Mauerfall und 1990 die Auflösung der DDR und die Wiedervereinigung. Es folgt die Katastrophe: Die Treuhand kommt und zerstört die Wirtschaft Ostdeutschlands. So lautet jedenfalls die Version der DDR-Nostalgiker. Das Desaster Ostdeutschlands beginnt für sie erst 1990 mit der Treuhand. Ostdeutschland wurde nicht durch den Kommunismus in der DDR versenkt – sondern durch die Treuhand.

In regelmäßigen Umfragen wünscht sich ein Viertel der Ostdeutschen die DDR zurück. Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen meint, die DDR sei „kein Unrechtsstaat“ gewesen. Diesem Phänomen kann man nicht mit Hinweisen wie den fehlenden freien Wahlen, der fehlenden Reisefreiheit und der fehlenden Meinungsfreiheit entgegentreten, die von den DDR-Nostalgikern mit Leichtigkeit gekontert werden (Was nützen freie Wahlen, wenn die Parteien alle Scheiße sind? Was nützt Reisefreiheit, wenn man als Hartz IV-Empfänger kein Geld für Urlaub hat? Was nützt Meinungsfreiheit, wenn die Meinung nicht gehört wird?). Der Grund für die DDR-Nostalgie ist die Verbitterung darüber, dass es Ostdeutschland nach 1990 nicht sofort wirtschaftlich genauso gut ging wie Westdeutschland. Dem kann man nichts entgegentreten.

Außer natürlich: Es ist völliger Wahnsinn, zu fordern, dass ein über 40 Jahre kommunistisch zerstörtes Land in Windeseile mit einer der stärksten Wirtschaftsnationen gleichzieht. Wenn man bedenkt, wo man angefangen hat, ist die Wiedervereinigung alles in allem eine Erfolgsgeschichte gewesen: Die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands lag 1990 bei nur 43% der Wirtschaftskraft Westdeutschlands – mittlerweile hat sie 75% erreicht. Die Arbeitslosenrate von 6,4% würden die meisten europäischen Länder gerne haben. Aber die Verbitterung hält das nicht auf: Denn der Westen liegt noch immer vor dem Osten! Und schuld daran ist … die Treuhand und alles, was danach passiert ist. So die DDR-Nostalgiker. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie man Talkshows retten kann

September 5, 2019
63 Jahre Ausbeutung: Die ARD

Die selbsternannten Hüter der Demokratie

Immer wieder werden Talkshows dafür kritisiert, dass sie kaum echte Diskussionen zulassen. In der Tat enden Talkshows oft in emotionalem Geschrei, und selbst wenn nicht geschrien wird, sind falsche Anschuldigungen, die oft nicht mal was mit dem diskutierten Thema zu tun haben, an der Tagesordnung. Auch wenn viele das bestreiten, leiden Talkshows vor allem an einer Sache: Einer heftigen linksgrünen Voreingenommenheit („bias“ würde man in den USA sagen). Es werden sicher auch linke Gäste gelegentlich unfair behandelt, aber wenn ein AfD-Mann eingeladen ist, kann man meistens sicher sein, dass es unfair wird.

Der Grund dafür ist für mich klar: In den Talkshows werden Gäste, die nicht dem linksgrünen Mainstream entsprechen, entweder nicht eingeladen, oder nur mit dem Ziel, sie bloßzustellen. Das führt dazu, dass man in den Talkshows eine wichtige Sache vermisst, die dort selbstverständlich sein sollte: Meinungsvielfalt. Talkshows dienen dazu, die eigenen Ansichten über politische Andersdenkende zu verfestigen und nicht, die Meinungen von politisch Andersdenkenden aus ihrer Sicht zu hören. Man könnte das mit zwei kleinen Regeln ändern und damit echte Meinungsvielfalt in den Talkshows retten.

1. Keine Suggestiv-Fragen

Wenn ein AfD-Kandidat eingeladen wird, stellt man ihm Fragen, die nicht bereits ein Urteil beinhalten. Ein Beispiel dafür wäre: Anstatt zu fragen „Warum grenzen sie sich nicht genug von Rechtsextremen ab?“ fragt man „Finden sie, dass sie sich genug von Rechtsextremen abgrenzen?“ Der Gast erhält damit die Chance, seine eigene Sicht der Dinge zu zeigen, was normalerweise der Sinn einer politischen Diskussion sein sollte. Leider findet das derzeit kaum statt. Momentan fragt man AfD-Leute überspitzt gesagt „Lieber AfD-ler, warum sind sie ein so schlechter Mensch?“ anstatt „Lieber AfD-ler, wie ist ihre Sicht auf diesen Sachverhalt?“

Hier Beispiele für Fragen, bei denen man von suggestiv auf normal wechseln kann:

suggestiv: „Wenn sie für Europa sind, warum lehnen sie dann jeden pro-europäischen Vorschlag ab?“
normal: „Warum lehnen sie eine engere politische Union der EU-Länder ab?“

suggestiv: „Wenn sie die Rettungsmissionen im Mittelmeer ablehnen, sollen die Flüchtlinge dann einfach alle ertrinken?“
normal: „Wenn sie die Rettungsmissionen im Mittelmeer ablehnen, wie wollen sie dann mit den Booten im Mittelmeer umgehen?“ Den Rest des Beitrags lesen »

Wag the Don

Juni 20, 2019

Was macht der Don?

Warum sollte der Iran einen Krieg mit den USA wollen? Das ergibt keinen Sinn, die amerikanische Militärmacht würde die Mullahs vernichten. So lautet der Gedankengang derer, die den Angriff auf die Öltanker im Persischen Golf entweder für ein (noch) ungeklärtes Mysterium oder eine Inszenierung der Amerikaner halten, um einen Krieg gegen den Iran zu provozieren. Der Krieg in Vietnam wurde schließlich ebenfalls mit einem inszenierten Angriff auf einen Tanker begründet (Tonkin-Zwischenfall) – warum sollte das nicht wieder passieren? Tatsächlich habe auch ich daran gezweifelt, ob der Iran hinter den Angriffen auf die Öltanker steckt. Aber die derzeit vorhandenen Indizien sprechen dafür. Falls sich nichts mehr daran ändern sollte, stellt sich die Frage: Wie wird Trump reagieren? Die Antwort auf diese Frage könnte auf ein mögliches Motiv der Täter hindeuten.

Trump hat die Verständigung mit Nordkorea gesucht. Die Nordkoreaner haben im Gegenzug ihr Atomprogramm nicht zurückgefahren und planen es derzeit nicht. Der klare Sieger aus der Verständigungspolitik ist Nordkorea – sie mussten nichts tun und bekamen im Gegenzug die Möglichkeit, ihre internationale Isolation zu verringern. Bezüglich Assad hat Trump es geschafft, ihn zu bombardieren und gleichzeitig zu stärken – denn mehr als einen begrenzten Präzisionsschlag gab es nicht. Assad sitzt heute fester im Sattel des syrischen Präsidenten denn je zuvor. Auch gegenüber Venezuela schlug Trump einen harten Ton an und tat am Ende nichts, um aus seinen Drohungen wahre Worte zu machen. Das ist erstmal eine neutrale Feststellung. Trotz seiner oft knallharten Rhetorik ist Trump ein nicht-interventionistischer Präsident.

Es ist stark davon auszugehen, dass Trump nicht darauf aus ist, das Mullah-Regime komplett zu stürzen. Dafür bräuchte es Hunderttausende Soldaten, Tausende eigene Opfer, einen monatelangen Krieg mit der Gefahr, in einen jahrelangen Guerillakrieg zu münden, sowie potenziell enorme wirtschaftliche Schäden. Verständlicherweise hält man nicht mal in israelischen Sicherheitskreisen einen Angriff auf den Iran für eine gute Idee. Diese Punkte waren bereits vor dem Angriff auf die Öltanker bekannt. Auch den Iranern. Eben dieses Wissen könnte den Angriff erklären. Theoretisch wäre es möglich, dass die Iraner komplett verrückt geworden sind, aber noch wahrscheinlicher ist, dass sie kühl berechnend agieren und wissen: Der Angriff auf die Öltanker wird ihre Herrschaft nicht gefährden und gleichzeitig das Signal senden, dass die Iraner sich nicht einschüchtern lassen. Es ist nicht so, dass solche Taten für die Iraner neu sind. Den Rest des Beitrags lesen »

Gegen den modernen Ablasshandel

April 22, 2019
Die Zukunft der Dritten Welt? (Bild: Base64)

Müssen wir unseren Wohlstand aufgeben, um zu überleben? (Bild: Base64)

Tagein, tagaus wird uns eingetrichtert, dass wir unter allen Umständen verhindern müssen, auf die Tricks der Rechtspopulisten hereinzufallen: Sie schüren Ängste und spalten die Gesellschaft, in dem sie die Menschheit in ein „WIR“ und „DIE“ einteilen und den Letztgenannten die Schuld für alle Probleme geben. Nun betet die ganze Gesellschaft Greta Thunberg an, weil sie die simple Botschaft verbreitet: Die ganze Welt steht vor dem Untergang, alle müssen in Panik geraten, und es gibt nur eine Lösung: WIR müssen gegen DIE Konzerne vorgehen, die mit ihren Abgasen den Planeten zerstören und damit die alleinige Schuld für alle Probleme bezüglich der Globalen Erwärmung tragen. So weit, so abartig. Aber welche Lösung schwebt den freitäglichen Schulschwänzern tatsächlich vor?

Nach mehreren Wochen Schwänzen stellten Fridays for Future-Kids unlängst einen Forderungskatalog vor. Kohleausstieg bis 2030, 100% Erneuerbare Energien bis 2035, und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen. Die ersten beiden Forderungen sprechen für sich – wenn wir weiter Strom haben wollen, werden wir weiterhin Kohle brauchen – aber die dritte Forderung ist sehr realistisch. Eine CO2-Steuer wird seit Jahren von Politikern gefordert. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze befürwortet sie, positive Signale gab es auch parteiübergreifend von der CDU bis zur FDP. Das Traurige: Nicht nur die sozialdemokratisierte FDP, sondern auch viele echte Liberale haben sich ebenfalls für eine CO2-Steuer ausgesprochen.

Es klingt logisch: Eine CO2-Steuer als ein marktwirtschaftlicher Weg, um mit der Umweltverschmutzung fertig zu werden. Man bezahlt einfach einen Preis dafür. Doch das ist ein Irrtum. Eine CO2-Steuer hat nichts mit Markwirtschaft zu tun und würde der Umwelt nicht helfen. Hier sind die Gründe, warum ich diesen modernen Ablasshandel ablehne:

1. Es gibt schon genug Steuern auf CO2.

Mag sein, dass eine CO2-Steuer einen Preis für Umweltverschmutzung festsetzt. Aber wir zahlen schon heute viele Steuern für Aktivitäten mit CO2-Ausstoß. Flugreisen werden besteuert, Autofahren wird besteuert, Strom wird massiv besteuert – im Gegenzug werden Erneuerbare Energien nicht besteuert, sondern mit Steuermitteln subventioniert. Ist das nicht schon genug? Jetzt kommen bestimmt Menschen und sagen, dass die Steuern auf CO2-Aktivitäten zu niedrig für ihren mathematisch berechneten Schaden für den Rest der Menschheit sind. Das bringt uns direkt zu Punkt 2. Den Rest des Beitrags lesen »

Shakespeare im House of Commons

März 1, 2019

Treten sie aus oder nicht?

Wer hätte gedacht, dass ein bürokratischer Akt wie der Austritt aus einer politischen Union so unterhaltsam werden würde wie der Brexit? Nicht nur die EU trägt ihren Anteil dazu bei, da sie versuchen, im Namen des Friedens und Wohlstands die Briten nach dem Brexit so schlecht wie möglich dastehen zu lassen, sondern auch die Regierung von Theresa May, die nicht wirklich davon überzeugt zu sein scheint, dass der Brexit zustandekommt. Gestern kam der Höhepunkt dieser Entwicklung: Im House of Commons wird Mitte März über eine Verlängerung der EU-Mitgliedschaft abgestimmt. Das ist der erste Schritt für eine komplette Absage des Brexits. Auf eine Verschiebung folgt der Vorschlag eines zweiten Referendums, der dank der Untergangsszenarien der EU-Befürworter abgesegnet wird, und schließlich folgt die „Korrektur“ an der Urne. Zur Freude aller fanatischen EU-Nationalisten, die die Briten noch vor kurzem für rassistische Ignoranten hielten.

Aber warum ist ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien so schwer? Ein Punkt spielt die Hauptrolle: Die Frage, ob es nach dem Brexit eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben muss. Erstaunlicherweise sagen sowohl die britische als auch die irische Regierung, dass sie keine harte Grenze einführen werden, während die EU die Briten dafür verdammt, eine harte Grenze einführen zu wollen! Da fängt der Wahnsinn schon an. Die EU wirft den Briten etwas vor, was diese gar nicht wollen. In Wirklichkeit will die EU eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland. Warum? Das von den EU-Bürokraten genannte Argument ist, dass eine Zollunion immer von einer harten Grenze begleitet werden muss und die Briten bekanntlich nicht Nordirland an die EU abtreten wollen. Deshalb würden die Briten der EU quasi eine harte Grenze „aufzwingen.“ Eine Behauptung, die eine solch dreiste Lüge ist, wie für die EU üblich.

Es muss keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben

Bevor ich auf die Frage bezüglich der harten Grenze eingehe, möchte ich einen anderen Punkt ansprechen, der eine noch viel dreistere Lüge darstellt: Die Behauptung, wonach die EU den Frieden in Nordirland möglich gemacht hätte. Diese Geschichte geht so: Der Frieden in Nordirland kam durch die offene Grenze zwischen Irland und Nordirland, und die offene Grenze kam dank der EU, also verdanken die Iren (und Briten) den Frieden in Nordirland der EU. Alles daran ist falsch. Das Karfreitagsabkommen von 1998 kam durch Verhandlungen zwischen der britischen und der irischen Regierung zustande, die EU spielte dabei keinerlei Rolle. Und die offene Grenze hatte nichts mit der EU-Mitgliedschaft beider Länder zu tun, denn weder waren Großbritannien noch Irland je Mitglied des Schengener Abkommens (und waren somit nie juristisch gezwungen, ihre Grenzen offen zu halten), noch ist das Schengener Abkommen ein EU-Vertrag. Den Rest des Beitrags lesen »

Toxische Weiblichkeit

Januar 21, 2019

Nach einer Woche steht der neue Gillette-Werbespot bei 1,1 Millionen Dislikes gegenüber 660.000 Likes:

Die Kritik an toxischer Männlichkeit teile ich. Gewalt, Mobbing, Belästigung sind zu verurteilen. Die Personen, die den Werbespot kritisieren, wollen ganz eindeutig all diese furchtbaren Dinge nicht verteidigen, sondern lehnen die allzu pauschale Darstellung von Männern als Schläger und Mobber ab. In der Tat, wenn der Werbespot in den 1950ern gezeigt worden wäre, wäre er passend gewesen, aber damals hätte es dazu Mut gebraucht, da die Botschaft damals keine allgemein akzeptierte Ansicht gewesen wäre, die man kommerzialisieren kann. Aber ohne mich jetzt an einem Gillette-Boykott zu beteiligen oder von einer Unterdrückung von Männern zu sprechen, gibt es für mich einen anderen Punkt, der mich an dem Werbespot stört: Er stellt Gewalt, Mobbing und Belästigung als überwiegend männliche Domäne dar. Diese Ansicht wird von viele geteilt – ist aber komplett falsch.

Schon vor 19 Jahren (!) erschien bei Novo Argumente ein Artikel, der Erstaunliches berichtete: Häusliche Gewalt ist weiblich:

Insgesamt 95 wissenschaftliche Forschungsberichte, 79 empirische Studien und 16 vergleichende Analysen in kriminologischen, soziologischen, psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften aus den USA, Kanada, England, Dänemark, Neuseeland und Südafrika zeigen auf, dass in Beziehungen die Gewalt entweder überwiegend zu gleichen Teilen von beiden Partnern oder aber hauptsächlich von der Frau ausging. Die Studien stimmen in ihren Erkenntnissen so deutlich überein, dass in der Fachwelt an diesen Verhältnissen nicht der geringste Zweifel mehr existiert. Dass weder Öffentlichkeit noch Politik diese wissenschaftlichen Ergebnisse bisher zur Kenntnis genommen haben, ist vermutlich einer der größten Skandale in der Geschlechterdebatte überhaupt.

Die akribisch dargestellten Ergebnisse aus den Studien zeigen deutlich: Frauen schlagen mindestens genauso häufig zu wie Männer. Das dürfte für viele überraschend kommen, da sie sich fragen könnten, wo die ganzen Hilfsstellen für geschlagene Männer sind oder die Kampagnen gegen Gewalt von Frauen, aber es ist dennoch die bittere Wahrheit. Jüngere Studien bestätigen diesen Sachverhalt. Eine 1973 gestartete, über 40 Jahre gehende Studie, bei der 1.000 in der Stadt Dunedin (Neuseeland) geborene Menschen über viele Aspekte befragt wurden, ergab, dass 40% der Männer mindestens eine Form von körperlichem Missbrauch begangen hatten (von Ohrfeigen, Schlägen bis zu erzwungenem Sex), aber 50% der Frauen. Die Lage sieht aber noch schlimmer aus: Nicht nur wenn es um Tritte und Schläge geht sind Frauen vorn dabei, sondern auch bei sexueller Gewalt. Den Rest des Beitrags lesen »

Fake News gegen Rechts

Dezember 22, 2018
kl

Wahrheit oder Lüge?

Im September 1980 veröffentlichte die Washington Post-Journalistin Janet Cooke die Geschichte „Jimmys World“. Es handelte sich um die Geschichte eines 8-jährigen Jungen namens Jimmy, der in den Straßen von Washington lebte und heroinabhängig war. Der Bericht erregte viel Aufsehen und Cooke gewann den Pulitzer-Preis. Das Problem: Die ganze Geschichte war fabriziert. Als der Schwindel aufflog, musste Cooke ihren Preis zurückgeben und verlor ihre Stelle. Sie behauptete später, der hohe Druck bei der Zeitung hätte „ihr Urteilsvermögen korrumpiert.“ Der berühmte kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez kommentierte die Affäre süffisant: „Es war ungerecht, dass sie den Pulitzer-Preis gewonnen hat, aber auch ungerecht, dass sie nicht den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat.“

Der Fall Claas Relotius hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Fall Cooke. Nur hat er eine größere Dimension. Es hat nicht nur eine größere Lüge gegeben, sondern ein ganzes System aus Lügen. Wie konnte es soweit kommen? Um einen anderen berühmten Schriftsteller zu zitieren, diesmal Solschenizyn: „Phantasie und Geistesstärke von Shakespeares Bösewichtern reichten nur bis zu einigen Dutzend Leichen. Weil sie keine Ideologie hatten.“ Auf die Fake News umgewandelt kann man sagen: Phantasie und Geistesstärke von Janet Cooke reichten für eine große fabrizierte Geschichte. Weil sie keine Ideologie hatte. In der Tat, das ist der Unterschied – Cooke log für ihre Aufmerksamkeit, Relotius für seine Ideologie.

Man muss sich nur ansehen, was Relotius fabriziert hat: Eine 99-jährige Überlebende der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die von den USA aus besorgt ist über den Aufstieg der AfD; syrische Flüchtlingskinder, die von Angela Merkel träumen; eine Trump-wählende Kleinstadt, in der am Ortseingang ein Schild mit der Aufschrift „Mexikaner haut ab!“ steht. Es ist linke Ideologie in Reinform. Die AfD als neue Nazis, Merkel als Heldin der Entrechteten und Geknechteten der Welt, Trumps Amerika als Hort des Rassismus. Relotius ist fest davon überzeugt. Er ist ein Gesinnungstäter. Nur so konnte es zu seinem Lügen-Geflecht kommen: Um gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu kämpfen, reicht eine erfundene Geschichte nicht aus. Den Rest des Beitrags lesen »

AKK rettet AfD

Dezember 8, 2018

Als Angela Merkel ihren Abtritt als CDU-Vorsitzende bekannt gab, dürfte das für viele AfD-ler eine Existenzkrise ausgelöst haben. Einige dachten vielleicht an Selbstauflösung, da mit Merkels Abtritt ihre Mission erfüllt sei. Aber nun haben sich diese Ängste erledigt: Die AfD hat eine Zukunft. Auf Merkel folgt keine Erneuerung, sondern der Merkel-Klon Annegret Kramp-Karrenbauer. AKK hat die AfD gerettet und ihr den Weg geebnet, eine Volkspartei zu werden.

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Replacement und Migrationspakt

November 19, 2018

Wie die Identitären Europas Zukunft sehen

Oft geschieht es, dass Menschen sich gewisse Vorgänge nicht anders erklären, als einen großen Plan dahinter zu vermuten. Hinter den Kriegen und Umwälzungen im Nahen Osten steckt ein zionistischer Geheimplan zur Erlangung der Vorherrschaft in der Region. Hinter der Finanzkrise steckt ein neoliberaler Plan der Eliten, um die Reichen noch reicher zu machen. Hinter dem Brexit und dem Wahlsieg Trumps steckt eine Fake News-Kampagne russischer Hacker und Facebooks Algorithmus. Jede politische Ausrichtung hat seine eigenen Theorien über die angeblichen Zusammenhänge im Hintergrund. Nun gibt es eine weitere Verschwörungstheorie, die von einem Plan im Hintergrund ausgeht: Hinter der Flüchtlingskrise steckt ein internationaler Geheimplan zur Durchmischung oder gar Ersetzung der weißen Rasse in Europa.

Die „Beweise“ dafür ähneln denen der anderen Theorien aus den anderen politischen Ausrichtungen. Man nimmt echte oder gefälschte Zitate von Politikern und Meinungsmachern und interpretiert sie in ihre Verschwörungstheorie hinein. Ein Beispiel dafür ist der angeblich von Jürgen Trittin stammende Satz „Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig“, gegen den dieser rechtlich vorgeht. Wolfgang Schäubles Satz, wonach Abschottung Europa „in Inzucht degenerieren ließe“, ist zwar echt, ist aber lediglich auf Dummheit zurückzuführen und nicht auf der Offenlegung eines teuflischen Plans. Eine größere Rolle als Zitate spielen offizielle politische Vereinbarungen. Zwei Dokumente sind dazu entscheidend: Ein UN-Dokument aus dem Jahr 2000, indem Einwanderung als mögliches „Replacement“ für die alternde Bevölkerung in Europa diskutiert wird, und der aktuell heiß diskutierte Migrationspakt der UN.

Was „prüfen“ beide Dokumente? Um es kurz zu sagen: Gar nichts. Der englische Begriff „Replacement“ steht für „Ersatz“, „Austausch“, „Umtausch“ und einige andere mögliche Übersetzungen. Im Kontext des Themas Überalterung der europäischen Bevölkerungen bedeutet das: Die europäische Bevölkerung wird kleiner werden – und irgendwie müssen die dadurch weniger gewordenen Menschen „ersetzt“ werden. Mehr nicht. Einwanderung wird im UN-Dokument also nur als eine Möglichkeit angesehen, um diese „Ersetzung“ zu bewerkstelligen. Aber weder wird ein politisches Programm gefordert, noch wird irgendwas von der Überlegenheit einer Rasse genannt, die eine andere verdrängen soll. Es ist ein Vorschlag aus rein demografischen Gründen, keine Forderung nach einer rassischen Säuberung. Den Rest des Beitrags lesen »