Warum Trolle immer gewinnen

Am 5. Juli postete Dieter Nuhr bei Facebook einen kleinen Kommentar zur Griechenlandkrise, indem er das „Nein“ der Griechen im Referendum satirisch kritisierte. Er verglich es mit einer Familie, die demokratisch darüber abstimmt, den Hauskredit nicht zurückzuzahlen. Es folgte ein Shitstorm. Mit dabei war u.a. Jan Böhmermann, der seine Meinung zum Thema in einem Video klar dargelegt hat: Jeder, der gegen die Griechenlandhilfen ist, ist für ihn ein Arschloch. In dem Video werden polemische deutsche Schlagzeilen von Böhmermann und seinem Partner Klaas wütend vorgelesen, diffus an „Europa“ appelliert und behauptet, es gäbe „guten Grund, Griechenland zu helfen“ – welcher guten Grund das ist, und für welche Form von „Hilfe“, bleibt jedoch unerwähnt.

Böhmermanns Kommentar in Dieter Nuhrs Facebookseite, indem er Nuhr in die Nähe von Til Schweiger, der AfD und den Reichsbürgern stellte, wurde von Nuhr gelöscht. Das half aber nur wenig. Nuhr wurde zum Opfer des höchsten Internet-Gerichts: Dem Shitstorm. Ein Shitstorm ist im Grunde die Mehrzahl eines Trolls. Ein Troll ist eine Person, die sich nicht nur kritisch äußert – Kritikfähigkeit ist die Basis für eine vernünftige Diskussion – sondern dabei extrem unhöflich und beleidigend wird. Das Ziel des Trolls ist es, schlechte Laune zu verbreiten, und zwar dauerhaft. Der Inhalt der Diskussion ist ihm meistens egal und für vernünftige Argumente ist er unempfänglich. Mittlerweile beschäftigen sogar Staaten wie Russland und Nordkorea professionelle Internet-Trolle.

Es gibt drei Wege, mit Trollen umzugehen. Alle drei sind zum Scheitern verurteilt.

1. Zensieren

Man sperrt den Troll. So hat man ihn zwar kurz aus den Augen, aber es ist nur ein kurzer Erfolg. Das Internet ist groß, und egal ob in Facebook oder in Blogs, der Troll kehrt immer wieder zurück. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, dass er sich unter neuem Account wieder anmeldet, er kann auch an anderen Orten, in denen man gerne rumhängt, auftauchen und seine Trollerei dort fortsetzen. Zusätzlich läuft man das Risiko, dass der Troll die Zensur als Anlass nimmt, um den Getrollten Intoleranz vorzuwerfen. Besonders, wenn er ein Screenshot seines Kommentars anfertigt und ihn dann ausstellt, gemäß dem Motto „Sieht her, er hat diesen Kommentar von mir gelöscht!“. Oder er erzählt überall herum, bei dem Getrollten könne man „keine andere Meinung äußern, ohne gelöscht zu werden“.

2. Ignorieren

Man ignoriert den Troll. Jeder Kommentar, den er abgibt, bleibt einfach unbeantwortet. Zwar kann dadurch der Troll entmutigt werden und eventuell gibt er auf. Doch bei Trollen mit sehr viel Ausdauer ist das keine dauerhafte Strategie. Der Troll hört einfach nie auf, und es besteht die Gefahr, dass andere Kommentatoren Opfer seiner Trollerei werden. Außerdem kann man ihm durch Ignorieren das Gefühl geben, er hätte so gute Argumente, dass keiner sich traut, mit ihm zu diskutieren. Des Weiteren läuft man die Gefahr, von anderen den Vorwurf zu hören, warum man denn solche Kommentare freischalte oder unbeantwortet lasse. Gerade wenn man in Facebook aktiv ist und Tausende Follower hat, tun viele so, als würde man für jeden Kommentar auf seiner Seite „haften“.

3. Diskutieren

Man diskutiert mit dem Troll. Das ist natürlich das, was der Troll will – man gibt ihm die Bestätigung, quasi Belohnung für seine Diskussionskultur. Und es ist völlig aussichtslos. Um zu merken, dass man falsch liegt, muss man die logische Denkfähigkeit haben, seinen Irrtum zu erkennen und die charakterliche Größe, den Irrtum zuzugeben. Beides fehlt beim Troll. Wer mit einem Troll diskutiert, muss sich darüber im Klaren sein. Hinweise auf heftige Selbstwidersprüche in seiner Argumentation werden ignoriert, weggelächelt oder es wird vom Thema abgelenkt, die gleichen Reaktionen folgen auf logische Argumente des Getrollten. Der Troll wird sich immer als Sieger fühlen und seinen Sieg triumphalistisch auskosten („Schon wieder habe ich bewiesen, dass die BRD nicht existiert!“).

Die größte Gefahr bei einer Diskussion mit einem Troll ist, sich auf sein Niveau herunter zu begeben (deswegen gibt es den Rat, nicht mit Idioten zu diskutieren, da diese dich auf ihr Niveau herunterziehen und dich dann mit ihrer Erfahrung schlagen). Persönliche Angriffe und Beleidigungen, völlig unlogische Argumente, vom Thema ablenken – wenn man nicht aufpasst, wird man selbst zum Troll. Selbst wenn man sich nicht zum Monster verwandelt, dass man bekämpft, besteht die Gefahr, dass man das Vertrauen in die Menschheit verliert, im Alltag schlechter gelaunt ist, da Diskussionen mit Trollen eine hohe nervliche Belastung sein können, und plötzlich anfängt, Trolle zu sehen, wo eigentlich keine sind. Die schlimmsten Folgen von Trollerei sind soziale Phobien und Selbstmorde.

Es gibt kein Thema, mit dem man nicht trollen kann. Auch gute Anliegen sind nicht davor sicher, von Trollen diskreditiert zu werden. Meistens agieren Trolle bzw. Shitstorms mit der Waffe der Sentimentalität, der moralischen Empörung. Statt vernünftige Argumente zu bringen, wird hemmungslos auf Gefühle gesetzt, egal ob beim Thema Asyl und Einwanderung, den Rechten von Minderheiten oder der Mutter aller Sentimentalitätsorgien, dem Schutz von Kindern. Manchmal ist es so, dass man mit Menschen mit schlechten Anliegen besser diskutieren kann als solche mit guten Anliegen, da erstere zumindest höflich sind. Trollerei kennt keine politische Heimat, sondern nur eine charakterliche.

Das einzig Positive an Trollen ist: Man kann durch sie lernen, Geduld zu bewahren. Wer es schafft, auf einen Trollbeitrag nicht mit Zensur zu reagieren oder selbst zum Troll zu werden, hat einen großen Schritt in seiner geistigen Entwicklung getan. Er ist mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Mensch, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und immer vernünftige Entscheidungen trifft anstatt sich bloß auf sein Gefühl zu verlassen. Er hat einen Zustand stoischer Seelenruhe erreicht. Das ist notwendig, denn Trolle werden uns noch lange begleiten. Sie werden erst dann verschwinden, wenn die ganze Menschheit gelernt hat, höflich zu sein. Deswegen lautet mein Tipp: Liebt eure Internet-Feinde! Und wenn euch einer antrollt, halte ihm die andere Kommentarspalte hin.

9 Antworten to “Warum Trolle immer gewinnen”

  1. bevanite Says:

    Bizarr wird es immer, wenn durch Getrolle eine vermeintliche Meinungsmehrheit herbeihalluziniert wird. Liest man sich bei Themen wie Homo-Ehe, Einwanderung oder Feminismus nur die Kommentarbereiche der hiesigen Tageszeitungen durch (besonders „moralisch“ finde ich diese übrigens nicht, eher stumpfsinnig), könnte man wirklich den Eindruck bekommen, die Gegenaufklärung ist auf dem Vormarsch. Und so reden sich dann etwa Leute aus dem neurechten Spektrum gerne ein, sie sprechen für die schweigende Mehrheit, obwohl diese „Mehrheit“ lediglich aus ein paar Leuten mit zu viel Zeit besteht. Im Test mit der Realität sieht es dann freilich anders aus – das sah man gut bei Pegida, die abseits von Dresden keine großen Massen aus den Häusern locken konnten.

    • arprin Says:

      Das ist die Ein-Prozent-Regel:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Prozent-Regel_%28Internet%29

    • Gert Weller Says:

      „Im Test mit der Realität sieht es dann freilich anders aus – das sah man gut bei Pegida, die abseits von Dresden keine großen Massen aus den Häusern locken konnten.“

      Ob linksradikale, kriminelle Studenten mit viel Zeit und Geld von der Partei, die Realität, also die Mehrheit der Deutschen widerspiegeln, bezweifle ich. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die schweigende Mehrheit mit Pegida sympathisiert und gegen die Islamisierung und die Asylflut ist. Dem linksislamischen Terror der Straße, insbesondere im Westen, wollen sich die Bürger verständlicherweise ungern aussetzen. Deshalb sträuben sich die Blockparteien auch gegen Volksabstimmungen, denn sie wissen, dass sie den Volkswillen mit Füßen treten. Die Schweizer Abstimmung über das Minarettverbot, ist ein gutes Beispiel, für linke Propaganda und den Volkswillen.

      • arprin Says:

        Ob linksradikale, kriminelle Studenten mit viel Zeit und Geld von der Partei, die Realität, also die Mehrheit der Deutschen widerspiegeln, bezweifle ich. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die schweigende Mehrheit mit Pegida sympathisiert und gegen die Islamisierung und die Asylflut ist.

        Beie Gruppen sprechen sicher nicht für die Mehrheit, auch wenn sie in einigen Punkten wohl leider wirklich die Mehrheitsmeinung wiederspiegeln.

  2. Gutartiges Geschwulst Says:

    @Arprin: „Es gibt drei Wege, mit Trollen umzugehen. Alle drei sind zum Scheitern verurteilt.“

    Bitte halten Sie mich nicht für rechthaberisch, Arprin, aber nach meiner Erfahrung gibt es noch einen vierten Weg:
    4. VERARSCHUNG
    Trolle sind so ähnlich veranlagt wie Telefonwichser. Ihre Schwänzchen erheben sich in den Wahrnehmungsbereich, wenn ihr „Opfer“ leidet. Besagte Schwänzchen vertrocknen und zerbröseln jedoch, unter der glühenden Sonne des Spottes.

    • qwerty248 Says:

      so ähnlich sieht meine Antwort aus: Trollen funktioniert am besten gegen Trolle.

      Wobei ich den Vorwurf einfach falsch finde, es wurde so bestimmt schon mancher konstruktive Beitrag als Provokation oder Spott abgetan, womit er, der Vorwurf, z.B. auch im Rahmen einer Stärkung der eigenen Gruppenidentität zur filter bubble und ähnlichen Phänomenen beitragen kann. So wie Hacker, können Trolle, Schwachstellen aufdecken. Eine Provokation kann man einfach als das begreifen, was sie auch ist: eine Herausforderung.

  3. Yadgar Says:

    “ Der Troll hört einfach nie auf, und es besteht die Gefahr, dass andere Kommentatoren Opfer seiner Trollerei werden.“

    Wie wahr, wie wahr… man google einmal nach „Polynym Faulschlamm“ – da gibt es einen sich als ultrafundamentalistischer Christ gerierender rechtsradikaler Soziopath, der unter Tausenden unterschiedlicher Pseudonyme, die er oft stündlich (!) wechselt, seit Jahren (!) im deutschsprachigen Usenet herummarodiert. Grundtenor seiner Postings: alle anderen außer ihm selbst sind Gottlose, die demnächst allesamt in Satans ewiges Auschwitz einfahren, das Ganze garniert mit unzähligen Bibelstellen…

    …aber ich habe gut reden, ich kann das ja selbst auch ganz gut, Stichwort „Neoliberaler Ellenbogenkrieger“…!

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