Insel-Wahnsinn in Ostasien

Japanische Flaggen werden von Chinesen öffentlich zerrissen und verbrannt

Vor drei Wochen beschloss die japanische Regierung, für umgerechnet 19,6 Millionen Euro die Senkaku-Inseln (oder, wie man sie in China nennt: Diaoyu-Inseln) von den privaten Besitzern zu kaufen. Seitdem tobt ein ernster diplomatischer Konflikt zwischen Japan und China. Rund um die acht Inseln werden umfangreiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. China mit seinem Energiemangel und seiner Kohleabhängigkeit ist daran genauso interessiert wie Japan, das praktisch keine Öl- und Gas-Ressourcen hat. Welches Land ist im Recht? Für mich gibt es fünf Gründe, um die japanische Position zu unterstützen:

1. Die Aggression geht überwiegend von China aus: Boykott japanischer Firmen, Verbrennung japanischer Flaggen, Zerstörung japanischer Autos und sogar Verbot japanischer Bücher.
2. Die Demonstrationen werden wahrscheinlich von der Regierung organisiert. Im Oktober wird eine neue Parteispitze in China gewählt.
3. Es nervt, immer wieder zu hören, dass die Zukunft nur China gehört und wir uns alle nur noch darauf einstellen können.
4. Japan ist eine Demokratie, ein Verbündeter des Westens und hat ein Verteidigungspakt mit den USA. Über China hat die USA dagegen seit 1989 ein Verbot von Waffenlieferungen verhängt.
5. Die Amerikaner haben die Inseln 1972 an die Japaner zurückgegeben, Punkt aus. Was vor 500 Jahren geschehen ist, ist heute nicht mehr von Bedeutung.

Natürlich gibt es auch Gründe, die dafür sprechen, gegen Japan zu sein. Die Japaner sind noch in andere Insel-Konflikte mit Russland (um die Kurilen) und Südkorea (um den Liancourt-Felsen, die Japaner nennen ihn Takeshima, die Koreaner Dokdo) involviert. Sie sind also nicht sehr daran interessiert, Freunde zu gewinnen. Nach Ansicht der Koreaner und Chinesen haben sie sich für ihre im Zweiten Weltkrieg begangenen Kriegsverbrechen nicht angemessen entschuldigt und die Opfer nicht entschädigt. Dennoch geht der aktuelle Konflikt auf ein völlig irrationales Verhalten der chinesischen Regierung zurück, die sich aufführt wie eine imperialistische Großmacht aus dem 19.Jahrhundert.

Während die Amerikaner zur Mäßigung aufrufen, ist eine Deeskalation des Konflikts nicht in Sicht. Beide Seiten beharren auf ihre Position und sind nicht bereit, auch nur ein Stück nachzugeben. Wenn sich die nationalistischen Töne auf beiden Seiten durchsetzen, droht ein Krieg. Im Dezember 2010 hatte die japanische Regierung bereits China gemeinsam mit Nordkorea als „größte potenzielle Sicherheitsgefahr“ eingestuft. Für die Weltwirtschaft und die Finanzbranche hätte ein Krieg katastrophale Auswirkungen. Schon jetzt befinden sich die Börsen in Asien im Sinkflug. China droht mit einem „Handelskrieg“ gegen Japan, das sie für eine schlimmere Strafe halten als eine militärische Eskalation.

Eine „europäische“ Lösung bietet derweil der demokratische chinesische Staat an, nämlich Taiwan. Es soll ein „Verhaltenskodex“ für das Ostchinesische Meer vereinbart und die Energieressourcen gemeinsam ausgebeutet werden, wie am europäischen Nordsee. Die Japaner haben für diesen Vorschlag Gesprächsbereitschaft signalisiert, lehnten jedoch eine Anerkennung der Souveränität Taiwans ab. Der Insel-Wahnsinn in Ostasien zeigt, dass eine politische Union, solange sie sich nicht in ein bürokratisches Monster verwandelt, auch seine Vorteile haben kann. Eine „Ostasiengemeinschaft“ ist momentan jedoch in weiter Ferne.

8 Antworten to “Insel-Wahnsinn in Ostasien”

  1. aron2201sperber Says:

    vom ideologischen Überbau ist bei China nur noch die Diktatur und der „Antiimperialismus“ übriggeblieben.

    dass selbst ohne kommunistischen Weltrevolutions-Schmus nicht wenige auf den „Antiimperialismus-Schmäh“ der russischen und chinesischen Imperialisten hereinfallen, ist schon bemerkenswert.

  2. American Viewer Says:

    Obama lässt die Japaner schamlos im Stich. Das ist ein Grundfehler. So wie Reagan damals Thatcher im Stich gelassen hat. Ich schäme mich.

    Das Regime in Argentinien damals konnte man immerhin militärisch recht einfach besiegen. Das totalitäre Regime in China dagegen sitzt fest im Sattel.

    Auch die Ursache für den Konflikt ist identisch: Das Regime in China will von innenpolitischen Problem ablenken.

    Der militärische Patt kann allerdings auch ein Vorteil sein: Die Chinesen werden wohl kaum einen echten Krieg anzetteln. Das würde letztendlich einen Atomkrieg mit uns bedeuten. Es ist ein Fehler vieler amerikanischer Präsidenten diese Abschreckung nicht konsequent durchzuführen.

    Bei Taiwan ist es oft sehr ähnlich. China bedroht Taiwan regelmäßig und aus Amerika kommen nur halbherzige Bündnis-Garantien. Wenn überhaupt.

    Es ist das gleiche Prinzip des Disengagement, das Obama in der arabischen Welt anwendet. Islamisten und Kommunisten fühlen sich durch diese Schwächen nur ermutigt.

    • arprin Says:

      Wobei in diesem Konflikt Taiwan eher die chinesische Seite unterstützt. Heute haben sich taiwanesische und japanische Schiffe gegenseitig mit Wasserwerfern angegriffen.

      Ich denke übrigens nicht, dass, wenn es zum Krieg kommt, Atomwaffen eingesetzt werden. Das wäre zuviel des Wahnsinns.

    • Thomas Holm Says:

      „Das Regime in China will von innenpolitischen Problem ablenken.“ Sicher auch; aber China scheint auch in einer Art Stockholm-Syndrom Wiederholungszwang gegenüber den Japanischen Methoden des WK II Vorfeldes zu stecken.

      Dem Aggressor vieles nachmachen als Form der ‚Identifikation‘ für das schamgeplagte Opfer. Das war mir schon bei Chinas Strafexpedition gegen Vietnam aufgefallen, dass da irgendwas nicht stimmt. 1974 haben sie schon Inseln geklaut – ganz kurz bevor sie von den Nordvietnamesischen ‚Genossen‘ ‚befreit‘ werden konnten.

  3. American Viewer Says:

    Es stimmt die Insel-Chinesen aus Taiwan hassen natürlich auch die Japaner.

    • Thomas Holm Says:

      Wenn Taiwan sich Pekings Forderung nicht anschließen würde, dann wäre das wieder ein Affront gegen Peking im Sinne einer fast expliziten Lossagung von dem ‚Wiedervereinigungsanspruch‘, unter dem Peking noch so tun kann, als strebe Taiwan heim ins Reich..

  4. Thomas Holm Says:

    Während Hillary von einer Beleidigungskrise zur anderen hastet und sich sichtbar kaum die Haare waschen kann, verschiebt Peking in Abwesenheit angemessen hochrangiger US-Vertreter die Entscheidung über einen Inselzank nach dem anderen zu ungunsten der Länder, die sich für US-verbündet halten.

    Kurz nach dem Mumbai-Massaker musste Condi einen Indo-pakistanischen Krieg durch persönliches hin- und hertelefonieren vor Ort verhindern; sowas kostet alles Top-Leader Zeit, die anderswo fehlt.

    Man könnte die Chinesischen Genossen ja sonst auch mal kritisch fragen, dass es schließlich auch um die Rohstoffzufuhr für ihre Wirtschaft geht … die USA besorgen de facto auch den Chinesen Angelegenheiten, von denen diese froh sein müssen, sich nicht selbst um sie kümmern zu müssen. Wenn sie trotzdem mitnörgeln, dann auch um zu vertuschen, dass sie sich hintenrum selbst bedienen; bei US-Verbündeten ! (Philippinen, Indonesien etc.)

    China profitiert von einer Spoiler-Politik z.B. Pakistans durch eine ganz eigene Paten-Politik-Variante. Ein Entnervungskrieg das ganze auch.

  5. Stefan Wehmeier Says:

    Die atomare Abschreckung

    Aufgrund der atomaren Abschreckung sind wir schon etwa 30 Jahre über den Zeitpunkt hinaus, an dem der 3. Weltkrieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – hätte stattfinden müssen (wenn es keine atomare Abschreckung gäbe). Die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten, hat darum heute ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht, sodass wir unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle stehen. Sobald sie evident wird (mit einiger Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr), verbleiben genau zwei Möglichkeiten: der Rückfall in die Steinzeit, oder die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

    Was der atomare 3. Weltkrieg anrichten würde, können sich die „Normalbürger“ (die Masse nach Le Bon) gerade noch vorstellen; dass aber die globale Liquiditätsfalle, der vollständige Zusammenbruch des Zinsgeld-Kreislaufs und damit der Arbeitsteilung, zwar nicht die Ökosphäre des Planeten Erde, jedoch unsere gesamte „moderne Zivilisation“ ebenso auslöschen würde (über 90% der Weltbevölkerung müssten innerhalb weniger Monate verhungern, würde die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung nicht mehr rechtzeitig erfolgen), liegt für die Masse (noch) weit außerhalb ihres Vorstellungsvermögens.

    Das ist die eigentliche Gefahr: Eine für die Masse vorstellbare Katastrophe macht ihr Angst; eine für die Masse unvorstellbare Katastrophe macht ihr keine Angst – und deshalb wird die halbwegs zivilisierte Menschheit völlig ahnungslos in die größte anzunehmende Katastrophe der Weltkulturgeschichte hineinschlittern. Erst dann kommt die Angst.

    Die Natürliche Wirtschaftsordnung, der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation, wird verwirklicht, sobald die reale Angst vor der Auslöschung unserer gesamten „modernen Zivilisation“ durch die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) insgesamt größer wird, als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem „Verlust“ der Religion:

    http://www.deweles.de/files/wahrscheinlichkeit.pdf

    Und glauben Sie bitte nicht, dass die politische Seifenoper auch nur ansatzweise über die Kompetenz verfügt, eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform durchzuführen, ohne dabei eine Katastrophe in der Katastrophe auszulösen:

    http://www.swupload.com/data/Das-Juengste-Gericht.pdf

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