Selbstjustiz als Folge des Versagens der Justiz

Ja, sie können es

Ja, sie können es

Frauen gelten in vielen islamischen Ländern als Menschen zweiter Klasse. In theokratischen Staaten wie Saudi-Arabien und dem Iran werden Frauen ganz offiziell nicht dieselben Rechte zugestanden wie Männern, in säkularen Staaten wie dem Irak, Jordanien oder Syrien werden sie auf subtilere Weise diskriminiert, in der laizistischen Türkei werden Frauen dagegen eher von den eigenen Familien und Dorfgemeinschaften terrorisiert. Doch nicht alle Frauen lassen die alltäglichen Schikanen ohne Gegenwehr über sich ergehen. Wie folgende Beispiele aus jüngster Zeit zeigen, nehmen einige ihr Schicksal selbst in die Hand, notfalls auch mit Gewalt. Der brutalste und heikelste Fall trug sich in der ländlichen Türkei zu.

In Saudi-Arabien, wo die Herrscher in den letzten Jahren zumindest etwas sanfter geworden sind, wurde eine Frau von der staatlichen Religionspolizei aufgefordert, ein Einkaufszentrum zu verlassen, weil sie ihre Nägel lackiert hatte. Doch sie leistete erbitterten Widerstand:

Die Frau weigert sich und greift die bärtigen Sittenwächter verbal an: „Ich werde nicht gehen“, sagt sie. „Ich möchte wissen, was du dagegen machen kannst“, sagt sie zum Patrouillenchef. „Es geht euch nichts an, ob ich Nagellack trage“, sagt die Frau, die in dem Video nicht zu sehen ist. „Ihr seid nicht für mich verantwortlich.“ Die Regierung habe solche Patrouillen verboten. „Eure Aufgabe ist es nur, die Menschen zu beraten.“ Während des Filmens sagt sie, sie werde das Video bei YouTube und Facebook veröffentlichen.

Im Iran, wo das Heiratsalter für Mädchen von 13 auf 9 Jahren gesenkt werden soll und Frauen jüngst aus 70 Studiengängen in den Universitäten ausgeschlossen wurden, mündete der Widerstand gegen die islamische Kleiderordnung in physischer Gewalt:

Ich habe sie gebeten, dass sie sich verschleiern soll“, schildert der Geistliche Hojatoleslam Ali Beheshti aus der Stadt Shamirzad im Norden des Iran, die Situation gegenüber der Nachrichtenagentur. Die seiner Meinung nach nicht angemessen gekleidete Frau habe geantwortet: „Sie sollten Ihre Augen schließen.“ Nicht nur gegen die islamische Kleiderordnung habe sie so verstoßen, sondern ihn damit auch noch persönlich beleidigt, klagt Beheshti. Nachdem er sie ein zweites Mal ermahnt habe, soll sie ihn angeschrien, bedroht und zu Boden gestoßen haben – am Ende habe er nur noch ihre Tritte gespürt. Drei Tage lang wurde er laut der Agentur in einem Krankenhaus behandelt.

Aber das ist noch nichts im Vergleich zu dem, was sich in der ländlichen Türkei zutrug, in der die mittelalterliche, traditionelle „Ehrenkultur“ das Leben für Frauen oft zur Hölle auf Erden macht. Eine Frau setzte sich dort wie folgt gegen ihren Peiniger zur Wehr:

Erst erschoss sie ihn mit einer Schrotflinte, dann schnitt sie ihm den Kopf ab und warf ihn auf den Dorfplatz: So drakonisch hat die 26-jährige Nevin Y. in der türkischen Provinz Isparta mit ihrem Vergewaltiger abgerechnet. Der Mann hatte sie offenbar über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholt vergewaltigt und erpresst … der Fall wühlt nun die ganze Türkei auf, weil die mittlerweile inhaftierte Frau im fünften Monat von ihrem Peiniger schwanger ist und nun das Kind um jeden Preis abtreiben will. Wenn es keinen anderen Weg gebe, dann wolle sie sich mit umbringen, drohte sie.

Man kann natürlich die nach der Tat erfolgte Leichenschändung kritisieren. Der Grund dafür ist jedoch in der Ehrenkultur der ländlichen Türkei zu suchen. Wenn eine Frau dort Ehebruch begeht oder vergewaltigt wird, bedeutet das oft, dass die Frau von der eigenen Familie ermordet wird, da ihre Ehre befleckt wurde. Der Vergewaltiger von Nevin drohte, Nacktfotos von ihr zu verbreiten, was einer Todesdrohung gleichkam. Um ihre Ehre und damit ihr Leben zu retten, schritt sie nach dem Mord auf den Dorfplatz und zeigte sich mit dem abgetrennten Kopf des Vergewaltigers. Die Dorfgemeinschaft wird sie dafür wahrscheinlich in hoher Ehre halten.

7 Antworten to “Selbstjustiz als Folge des Versagens der Justiz”

  1. Alreech Says:

    Was gibt es an dieser Leichenschändung zu kritisieren ?
    Ihre Botschaft wäre ohne diese Handlungen lange nicht so stark.

    Ich finde es interessant das dadurch eben auch die Bad Guys erleben müssen wie sich traditionelle Werte gegen sie richten.
    IMHO kann das einen Wertewandel nur beschleunigen.

    • arprin Says:

      Ihre Botschaft wäre ohne diese Handlungen lange nicht so stark.

      Ich sagte ja auch „Der Grund dafür ist jedoch in der Ehrenkultur der ländlichen Türkei zu suchen.“

      Normalerweise sollte man einen Toten aber nicht den Kopf abschneiden.

  2. Adam Poznanski Says:

    Populistische Konstrukte eines Idioten(Arprin), die nichts, aber auch rein gar nichts bewirken, schon gar nicht für die Rechte der Frau aus muslimisch dominierten Populationen. Einfach nur um was geschrieben zu haben, ist nicht genug, schon gar nicht derartig reißerisch Geschlechter polarisierendes!

    • arprin Says:

      Herr Poznanski, sie haben schon genug Menschen gestalkt, finden Sie nicht?

      Glauben sie bloß nicht, dass ich sie hier lange trollen lasse.

      • besucher Says:

        Poznanski heißt auf Deutsch „Posener“
        Mit dem Alan sind sie aber nicht verwandt, oder?

      • arprin Says:

        Nein, der ist ein bekannter Stalker der gerne in fremden Blogs rumtrollt. Und einen eigenen Blog hat er auch, doch aus ästhetischen Gründen verzichte ich auf eine Verlinkung.

  3. Thomas Holm Says:

    Bei den Kurden kommt es so langsam zum Schwur über die Kurdische Frage; da könnten sie die Archaik auch mal etwa pausieren lassen – womit sie sicherlich keinesfalls überwunden wäre.

    Neben Gas-Gerd ist auch Barzani (ein unfreiwilliger Hauptdarsteller aus dem ‚Tal der Wölfe‘) zu Gast bei Erdogans AK-Parteitag (Opposition: AKP = ‚Arabisch-Kurdische Partei‘).

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