Falsche Zitate überall!

Eine Warnung

Nicht nur Bilder, auch Zitate sagen mehr als tausend Worte. Lange Texte, in denen man versucht, eine Botschaft rüberzubringen, erregen meist weniger Beachtung als ein kurzer, prägnanter Satz, der dann als Schlagwort weiterverbreitet wird. Immer, wenn eine Diskussion droht, zu anspruchsvoll zu werden, kann man mit irgendeiner Indianerweisheit oder einem Gandhi-Spruch die Notbremse ziehen und jedes Niveau im Keim ersticken. Umso ärgerlicher, wenn es falsche Zitate sind.

Es gibt Zitate, die leicht verfälscht wiedergegeben werden, wie Benjamin Franklins Zitat über Sicherheit und Freiheit. Es gibt Zitate, deren Sinn verfälscht wird. Und es gibt Zitate, die schlicht erfunden sind. Jeden kann es erwischen. Ob Stalin, Marie-Antoinette oder Britney Spears, der das Zitat „Ich bin für die Todesstrafe, so lernen die Täter eine Lektion für das nächste Mal“ untergeschoben wurde. Von all den falschen Zitaten gibt es jedoch echte Dauerbrenner, die sich über Jahrzehnte gehalten haben. Hier deshalb ein Ranking mit den Klassikern der Fake-Zitaten.

Platz 5: Hitlers Waffen-Zitat

This year will go down in history! For the first time, a civilized nation has full gun registration! Our streets will be safer, our police more efficient, and the world will follow our lead into the future!

Dieses Zitat findet man in vielen amerikanischen Seiten, die sich für ein liberales Waffenrecht einsetzen. Dabei wird meist noch ein Datum angegeben (1935). Im deutschen Sprachraum ist dieses Zitat nicht bekannt. Aus gutem Grund: Hitler hat das niemals gesagt. Es gab unter Hitler keine besonders strengen Waffengesetze und keine Registrierungspflicht für alle Waffen. Die Juden wurden gezielt entwaffnet (und später auch Zigeuner, Homosexuelle und andere Staatsfeinde), aber der Bevölkerung wurde der Zugang zu Waffen eher erleichtert.

Platz 4: Seattles Natur-Zitat

Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss verschmutzt und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

In der grünen Bewegung ist dieses Zitat ein Evergreen. Bekannt wurde es in den 1980er Jahren und hat seitdem einen weltweiten Siegeszug angetreten. Aber wer hat dieses Zitat in Umlauf gebracht? Tatsächlich soll er aus einer Rede des Suquamish-Häuptlings Seattle aus dem Jahr 1854 stammen. Das Problem: Die einzige Quelle für diese Rede stammt von einem amerikanischen Journalisten aus dem Jahr 1887, also 33 Jahre danach. Und der genaue Wortlaut ist ein völlig anderer, der nur marginal an Seattle erinnert. Anders gesagt: Das Zitat ist ein Fake.

Platz 3: Voltaires Meinungsfreiheit-Zitat

Ich mag verdammen was du sagst, aber ich würde mein Leben einsetzen, dass du es sagen darfst.

Wann immer das Thema Meinungsfreiheit aufkommt, taucht dieser Klassiker auf. Ein Zitat, der die Liebe zur Meinungsfreiheit kurz und knapp auf den Punkt bringt. Schade, dass es nicht echt ist. Evelyn Beatrice Hall erfand dieses Zitat im Jahr 1906 in ihrem Buch „The Friends of Voltaire“, 128 Jahre nach Voltaires Tod. Hall wollte damit Voltaires Einstellung zu seinem Philosophenkollegen Claude Adrien Helvétius charakterisieren. Später trat es seinen Siegeszug als eines der am meisten wiederholten falschen Zitate an.

Platz 2: Atatürks Islam-Zitat

Seit mehr als 500 Jahren haben die Regeln und Theorien eines alten Araberscheichs und die abstrusen Auslegungen von Generationen von schmutzigen und unwissenden Moslems in der Türkei sämtliche Zivil- und Strafgesetze festgelegt. Sie haben die Form der Verfassung, die geringsten Handlungen und Gesten eines Bürgers festgesetzt, seine Nahrung, die Stunden für Wachen und Schlafen, Sitten und Gewohnheiten und selbst die intimsten Gedanken.

Der Islam, diese absurde Gotteslehre eines unmoralischen Beduinen, ist ein verwesender Kadaver, der unser Leben vergiftet. Die Bevölkerung der türkischen Republik, die Anspruch darauf erhebt, zivilisiert zu sein, muss ihre Zivilisation beweisen, durch ihre Ideen, ihre Mentalität, durch ihr Familienleben und ihre Lebensweise.

Dieses Zitat findet sich vor allem in islamkritischen Kreisen immer wieder. Es wurde auch in verkürzter Form in der WELT wiedergegeben, schaffte es also in eine der größten deutschen Zeitungen. Aber auch dieses Zitat ist nicht echt. Die einzige Quelle ist der rechtsextreme Autor Jacques Benoist-Méchin, der Atatürk so im Jahr 1954 zitierte, also 16 Jahre nach seinem Tod. Benoist-Méchin hatte eine völkische Ideologie und kollaborierte während der Besatzung Frankreichs mit den Nazis. Als einzige Referenz ist er unglaubwürdig.

Man muss davon ausgehen, dass Atatürk den Einfluss des Islam sehr kritisch sah, wenn man die Reformen betrachtet, die er durchgeführt hat. Er muss aber nicht unbedingt ein solcher Islamgegner gewesen sein. Viele säkulare und laizistische Herrscher waren fromme Muslime (z.B. Gaddafi und Saddam). Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass Atatürk sich so offen über seine Abneigung zum Islam geäußert hätte. Es gibt des Weiteren viele islamfreundliche Zitate von Atatürk, die in völligem Gegensatz zu dem obigen Zitat stehen.

Platz 1: Gandhis Mutmacher-Zitat

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Das ist wohl die ewige Nummer eins. Kein anderes Zitat wird so oft verbreitet wie dieses Gandhi-Zitat. Egal ob links, rechts oder Mitte, christlich, muslimisch oder atheistisch, mit Gandhi kann man immer punkten, egal um welches Diskussionsthema es geht. Tatsächlich hat Gandhi nie dergleichen gesagt, auch nichts Ähnliches. Es ist ein Fake ohne Quelle. Genau, das Zitat, das man jede Woche bei allen möglichen Diskussion mindestens 10-mal hört, ist völlig frei erfunden.

Es gibt aber ein ähnlich klingendes Zitat, dass vom amerikanischen Gewerkschaftler Nicholas Klein aus dem Jahr 1914 oder 1918 stammt: „Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler.“ Klein hat jedoch keine so große Berühmtheit und Bewunderung erlangt wie Gandhi, es klingt nun mal viel besser zu sagen „Schon Gandhi hat gesagt …“ anstatt „Schon der Gewerkschaftler Klein hat gesagt …“.

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