Skandal: Journalisten für Arbeit bezahlt

kl

Feindbild aller Ideologen: Der Journalist

„Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ – mit diesem Spruch werden sehr gerne unliebsame Ergebnisse von Statistiken diskreditiert. Man will damit jeder sachlichen Auseinandersetzung ausweichen, nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Zugegeben, manchmal sind Statistikergebnisse sofort als Lüge zu erkennen, z.B. wenn das nordkoreanische Fernsehen meldet: Nordkoreaner sind die zweitglücklichsten Menschen der Welt. Aber meistens sind es Statistiken, die einfach nicht ins Weltbild des Zweiflers passen und deshalb präventiv verworfen werden. Der Statistiker Dr. Thomas Petersen echauffierte sich jüngst in der Achse zurecht über dieses Vorgehen.

Ein ähnliches Argument hört man so gut wie immer, wenn es um die Medien geht. Wann immer irgendwo ein Artikel erscheint, der einem nicht passt, heißt es: Der Schreiber wurde bezahlt! Und das reicht dann aus, um ihn zu diskreditieren. Jemand schreibt, die Atomkraft sei gut? Er wird von der Atom-Lobby bezahlt. Jemand schreibt, die Atomkraft sei schlecht? Er wird von der grünen Lobby bezahlt. Jemand kritisiert Putin? Er wird von der CIA bezahlt. Jemand lobt Putin? Er wird von Putin bezahlt. Anstatt Argumente auszutauschen, begnügt man sich mit dem ad-hominem-Argument.

Ja, Journalisten werden bezahlt. Denn Journalismus ist ein Beruf, und viele Menschen wollen von ihrem Beruf leben können. Ich sehe nichts Schlechtes daran. Wenn ich mich über Journalismus ärgere, dann wegen dem Inhalt, nicht darüber, dass sie von jemandem bezahlt werden. Was ist von denen zu halten, die „den Journalismus retten“ wollen? Die Krautreporter meinen, der deutsche Journalismus sei tot, und sie seien die letzte Hoffnung. Udo Ulfkotte meint, die Meinungsfreiheit werde nur noch simuliert. Und Russia Today warnt in seinen Werbeplakaten, dass 150.000 Tote dabei rauskommen, wenn es „keine zweite Meinung“ gibt. Sind sie wirklich eine bessere Alternative?

Es gibt vieles, was man an unseren Medien völlig zurecht kritisieren kann. Aber bei der meisten Kritik, die sie bekommen, geht es sich nicht um fehlende Objektivität, Neutralität und Wahrheit, sondern bloß an der Tatsache, dass sie nicht zu 100% die Meinung des Kritikers teilen. Sie sind einfach wütend darüber, dass es andere Ansichten gibt als ihre. Die Medienkritiker sind in dieser Hinsicht ein bisschen wie die Regimegegner im Arabischen Frühling: Sie kritisieren etwas, was absolut kritikwürdig ist, aber ihre Vorschläge würden die Sache oft schlimmer machen – trotzdem ist es gut, dass sie ihre Kritik äußern dürfen.

Egal was ein Journalist berichtet, er vertritt immer eine andere Meinung als viele seiner Leser, deswegen wird man ihm in jedem Fall Propaganda vorwerfen, wenn er sich zu politischen Themen äußert. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Meinungsartikel oder ein reiner Informationsbericht ist. Denn selbst Informationsartikel, die frei von Wertung sind, berichten ja über Ereignisse, die jemand anders sieht, und die er dann als „subtile Propaganda“ empfindet. Auch die ständige Fokussierung auf ein Thema kann andere verärgern. Das sind die Folgen von Meinungspluralismus: Jede Meinung kann geäußert, aber auch kritisiert werden.

Und daran wird sich auch nichts ändern. Ein Journalist wird es nie allen Recht machen können. Er wird immer angefeindet werden. Das entschuldigt nicht das ständige Versagen unserer Journalisten. Der deutsche Journalismus ist tot, das stimmt. Aber seine Gegner werden ihn nicht retten können. Die Krautreporter werden eine ganz gewöhnlichen Online-Plattform werden. Udo Ulfkotte, ebenfalls ein „gekaufter Journalist“, wird mit seinen Büchern Geld verdienen und vielleicht in Russland Karriere machen, und das war’s dann. Und zu RT: Es gab, auch wenn es nicht in ihre Werbestrategie passt, mehr als eine Meinung zum Irakkrieg, und RT konnte die Kriege in Tschetschenien, Georgien und der Ukraine nicht verhindern.

Ich kann nur hoffen, dass sie bald auch einen Oscar bekommen:

2 Antworten to “Skandal: Journalisten für Arbeit bezahlt”

  1. Silem Says:

    Krautreporter ist stramm anti-zionistisch und anti-israelisch und damit voll auf Linie. In Deutschland findet man wenig Zeitungen die nicht anti-zionistisch oder anti-israelisch sind. Gerade die Artikel über Israel triefen nur so vor Verachtung und Unterstellungen. Man möchte unbedingt Israel zu einem Feindstaat erklären und lässt dazu dann Hamas Vertreter zur Wort kommen.

    RT ist, wie schon gut dargestellt, brachiale Propaganda für Russland. Da kann ich auch Prawda lesen.

  2. arprin Says:

    Ein guter, differenzierter Beitrag zum Thema:
    http://www.regensburg-digital.de/wer-ist-eigentlich-auftraggeber-dieses-kommentars/24112014/

    „Halten Sie den Kopp Verlag, Compact, KenFM, Russia Today, Deutsche Wirtschaft Nachrichten und irgendwelche Youtube-Kanäle für wahrhaftige, ehrliche, unabhängige und neutrale Berichterstatter und vor allem für die letzten tapferen Hüter der Presse- und Meinungsfreiheit?

    Die Funktionsweise dieser Presseorgane und ihrer Rezeption ist dabei so einfach wie gefährlich: jedes vermeintliche Argument gegen den vermeintlichen Mainstream muss allein schon dadurch wahr sein, weil es gegen den Mainstream gerichtet ist. Punkt. Dass dabei diese „Gegenmedien“ eine viel strammere politische Linie verfolgen als alle „Mainstreammedien“ zusammen, scheint unerheblich zu sein.

    Der Vorwurf von Abhängigkeit trifft jede Berichterstattung hart und doch ist kein Journalismus unabhängig. In der Unabhängigkeitserwartung liegt ein Anspruch an Objektivität, der nicht erfüllbar ist. Denn bestimmte Quellen, Informationen, Erfahrungen, Perspektiven, Haltungen, Einsichten und sind grundsätzlich nicht objektivierbar. Für den pauschalisierenden Rezipienten ist jede Interpretation von Geschehnissen anrüchig, sofern sie sich nicht mit dem eigenen Weltbild deckt. Wenn sie das doch tut, dann ist alles in Ordnung.“

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