Der Trickle-down-Mythos

Michael Moore

Trickle-down: Wird Michael Moores Reichtum an die Armen durchsickern?

In den letzten Jahrzehnten taucht im politischen Diskurs immer wieder eine ökonomische Theorie auf, die angeblich die Sicht von Liberalen wiedergibt: Die „Trickle-down“-Theorie. Diese Theorie wird heute von denen, die sie ins Spiel bringen, und dazu zählen z.B. Politiker wie Obama oder New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio und bekannte Ökonomen wie Paul Krugman und Joseph Stiglitz, ungefähr so beschrieben: „Wenn die Reichen reicher werden, ist das gut für die Gesellschaft, da ihr Reichtum später auch an die Armen durchsickert.“ Weil sie angeblich an diese Theorie glauben, sollen die Liberalen politische Maßnahmen wie Steuersenkungen und Deregulierungen befürworten: Macht die Reichen reicher, dann profitiert die ganze Gesellschaft davon.

Tatsächlich ist die Trickle-Down-Theorie ein Strohmann. Es gab nie eine ernsthafte ökonomische Theorie, die einen Trickle-down-Effekt postulierte, und kein Liberaler ist aus diesem Grund für Steuersenkungen und Deregulierungen. Der Ökonom Thomas Sowell hat es sich nicht nehmen lassen, von den Leuten, die ständig Trickle-down ins Spiel bringen, einen Beweis dafür zu fordern, dass liberale Ökonomen diese Theorie aufgestellt haben. Keiner konnte das, es gibt nur Ökonomen (und Politiker), die sich auf andere beziehen, die sich auf andere beziehen usw., eine Originalquelle gibt es nicht. Was kein Wunder ist, denn die Trickle-down-Theorie klingt schon so, als hätte sie ein linker Ökonom entworfen, um ein Strohmann gegen Liberale zu schaffen.

Es sind politisch links stehende Ökonomen, die die Wirtschaft für ein Nullsummenspiel halten und glauben, die Armen könnten nur durch die Umverteilung des Wohlstands der Reichen aufsteigen. Diese Logik als wahr angenommen, fragten sich Linke wohl, warum die Liberalen gegen staatliche Umverteilung sind, wenn sie das noble Ziel teilen, den Armen zu helfen, und ihre Antwort schien zu sein: Liberale glauben an Umverteilung durch den Markt statt durch den Staat. Trickle-down ist dann wie ein keynesianisches Konjunkturprogramm, nur mit „den Reichen“ statt „dem Staat“: Gebt Michael Schumacher 500 Millionen Euro, damit er sich neue Yachten und Champagner kauft, und davon profitieren dann wegen des „Multiplikatoreffekts“ auch die ganzen Werftarbeiter und Weinbauer und es entsteht neuer Wohlstand. Das ist aber Unsinn, denn: Erst müssen die Yachten gebaut werden, bevor Michael Schumacher sie kaufen kann.

Michael Schumacher einfach so 500 Millionen Euro zu geben, schafft keinen neuen Wohlstand, sondern zieht lediglich Einkommen von einer Gruppe (denen, die die 500 Millionen hatten) ab und gibt sie jemand anderem (Michael Schumacher), sowie ein keynesianisches Konjunkturprogramm oder jedes andere steuerfinanzierte Programm lediglich Einkommen von einer Gruppe von Steuerzahlern abzieht und an eine andere gibt. „Wohlstand“ sind Güter und Dienstleistungen, und neuer Wohlstand entsteht, indem er produziert wird – nicht, indem er umverteilt wird. Liberale Ökonomen glauben nicht, dass die Armen durch Umverteilung durch den Markt aufsteigen, sondern dass Umverteilung gar nicht notwendig ist. Die Armen müssen nicht darauf warten, dass die Krümmel aus den Kuchen der Reichen für sie abfallen, sie backen sich ihren eigenen Kuchen.

Die Forderung nach Steuersenkungen und Deregulierungen hat nicht das Ziel, „die Reichen reicher zu machen“ (welch ein Hohn!), sondern mehr Produktion zu schaffen (und damit mehr Wohlstand für alle), denn durch niedrige Steuern und wenig Regulierung haben Unternehmer, Arbeiter und Selbständige mehr Anreize zum Produzieren. Manchmal kapieren das auch die Linken und fordern z.B. Steuervergünstigungen für grüne Energien. Nur wenden sie dieses Wissen leider nicht überall an, sonst müssten sie zur Förderung der gesamten Wirtschaft Steuervergünstigungen für alle fordern. Im Übrigen ist der Wohlstand der Reichen nicht bloß für Luxusgüter da, so dass man sie bedenkenlos besteuern kann. Reiche tätigen viele Investitionen, die Gewinn abwerfen (oft steckt fast ihr ganzer Wohlstand in Unternehmensbeteiligungen), von dem nicht nur sie, sondern auch viele andere Menschen aus allen Schichten profitieren.

Zuletzt noch: Es gibt wirklich sowas wie ein „Durchsickern“ – also Transfer von Einkommen – nur ist das der normale Wirtschaftskreislauf, der bei jedem Kauf einer Ware stattfindet, ganz egal wie sich die Gesamtwirtschaft entwickelt. Mit der Schaffung von neuem Wohlstand hat das allein nichts zu tun. Es steckt eine gewisse Ironie dahinter, wenn Obama und Krugman sich über die Trickle-down-Theorie lustig machen, weil sie (zurecht) nicht daran glauben, dass der Wohlstand einer Gruppe einfach so an andere Gruppen durchsickert, und gleichzeitig massive staatliche Ausgaben fordern, um die Wirtschaft zu fördern. Tragischerweise glauben sie wohl wirklich daran, ihre Steuern würden irgendwann wieder an sie „durchsickern“ …

6 Antworten to “Der Trickle-down-Mythos”

  1. miltonbGE Says:

    Schmunzel, die Trickle down Theorie stammt nicht von den Linken, sondern von US-Republikanern, die täglich beweisen wollen, dass der Mensch vom Affen abstammt.:)

    Und der Markt an sich schafft KEINEN Wohlstand, denn er kann ja selbst bis heute Wohlstand gar nicht definieren.

    Selbst der Urliberale Adam Smith und der Neoliberale Milton Friedman erkannten dies: Wohlstand kann nur entstehen, wenn man durch Einkommensteuer einen Familienausgleich auführt, also durch Umverteilung ! Wer das leugnet,ist KEIN Liberaler.:)

  2. Tim Says:

    Mein Gott miltonbGE. Wie schafft der Familienausgleich denn Wohlstand, wenn man den doch gar nicht definieren kann?

  3. miltonbGE Says:

    Richtig lesen, Tim, der Markt kann nicht, aber die Gesellschaft kann. Wohlstand ist nicht die Summe des BIP, sondern die breite Verteilung auf die Einkommen !
    Jeder Markt kann durch den Familienausgleich noch einmal optimiert werden, der Markt kann sich nicht selbst optimieren, er ist nur suboptimal😉

  4. Tim Says:

    Dann verstehe ich die Behauptung, dass der Markt gar keinen Wohlstand schaffen könne nicht

  5. Anonym Says:

    Ich muss auf etwas aufmerksam machen:
    http://www.zeit.de/2016/32/globalisierung-kapitalismus-umverteilung-g20-gipfel-rechtspopulismus/komplettansicht

    • arprin Says:

      In dem Artikel wird nicht gesagt, welcher liberale Ökonom die angebliche Trickle-down-Theorie aufgestellt oder vertreten hat. Also wieder ein Strohmann-Argument.

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