Nachrichten, die keine sind

Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

In den deutschen Medien wurde im Neujahrstag die Nachricht verbreitet, dass der nordkoreanische Führer Kim Jong-Un in seiner Neujahrsansprache einen „radikalen Wechsel“ angekündigt hat. Das Jahr 2013 werde ein Jahr „großer Schöpfungen und Veränderungen sein, die einen radikalen Umschwung bewirken“, sagte Kim. Es sei an der Zeit, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden beenden und die Teilung des Landes beenden. Außerdem kündigte er wirtschaftliche Reformen an. In seiner Rede nannte er aber keine konkreten Pläne.

Nur drei Tage später berichtete die FAZ, dass die nordkoreanische Führung plant, mithilfe deutscher Ökonomen und Juristen die wirtschaftliche Öffnung des Landes voranzutreiben. Während Kims Neujahrsansprache noch in vielen ausländischen Medien beachtet wurde, tauchte diese Geschichte nur in Deutschland auf. Viele andere deutsche Medien stützten sich auf den FAZ-Bericht und machten so den Eindruck, dass Kim seinen Worten Taten folgen lässt. Mittlerweile ist Nordkorea jedoch aufgrund anderer Ereignisse in die Schlagzeilen gerückt:

„Nordkorea bestätigt dritten Atomtest“ (12. Februar)
„Nordkorea lässt Obama in Video brennen“ (20. Februar)
„Nordkorea droht US-Truppen mit elendiger Vernichtung“ (23. Februar)

Wie konnte es zu dieser Fehleinschätzung kommen? Nun, offenbar gelang der nordkoreanischen Führung ein Mediencoup in Deutschland. Der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank hatte bereits Zweifel an der ersten Geschichte. Denn die Aussagen in Kims Neujahrsrede waren in keinster Weise neu.

Nordkorea-Experten nennen das den „Kolumbus-Effekt“: Damit sind Leute gemeint, die – ich unterstelle jetzt – zum ersten Mal eine nordkoreanische programmatische Rede lesen und sie dann im Einklang mit dem üblichen Nordkorea-Bild interpretieren. Um diesbezüglich solide arbeiten zu können, muss man sich die entsprechenden Verlautbarungen regelmäßig durchlesen, dann erkennt man auch, was wirklich neu ist und was nicht. Ich denke, die westliche Presse hat wirklich schon bessere Tage gesehen als den, an dem diese Meldung als großer Durchbruch propagiert wurde.

Natürlich kann es sein, dass Kim Jong-Un während seiner Amtszeit – die Jahrzehnte dauern könnte – zum Reformer wird. Aber noch ist es nicht soweit. Die staatliche Nachrichtenagentur leugnet jeden Reformkurs und sagt, dass alles beim Alten ist. In so gut wie allen Nordkorea-Berichten handelt es sich überwiegend um Spekulationen. Es ist nicht mal bekannt, wie alt Kim Jong-Un ist, noch, ob er seine Kindheit wirklich in der Schweiz verbracht hat, wie oft behauptet wird. Trotzdem werden immer wieder sensationslüsterne Berichte über Nordkorea veröffentlicht.

Ein Mythos besagt z.B., dass dem nun verstorbenen ehemaligen Führer Nordkoreas, Kim Jong-Il, auf der ersten Golfrunde seines Lebens im Jahr 1994 11 Asse gelangen. Diese offensichtlich falsche Geschichte geistert immer wieder in den westlichen Medien herum, obwohl die nordkoreanische Führung eine solche Nachricht nie verbreitet hat. Die Nachrichten über Nordkorea sind Nachrichten, die keine sind.

4 Antworten to “Nachrichten, die keine sind”

  1. besucher Says:

    Tja, Wünschbarkeit geht nun einmal vor Wahrheit in den deutschen Medien. Aber was will man von grünen Leitartiklern anderes erwarten?

    • arprin Says:

      Wunschdenken ist ja das Eine. Die Erfindung von Nachrichten wie z.B. der FAZ-Bericht über die angebliche deutsche Hilfe für Reformen in Nordkorea sind aber schon eine Stufe peinlicher.

  2. besucher Says:

    Dennis Rodman hat Kim seine Aufwartung gemacht.
    http://www.welt.de/politik/ausland/article114036168/Kim-Jong-uns-neuer-bester-Kumpel-kommt-aus-Amerika.html

    Was tut man nicht alles für ein bisschen Presse.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: