Die hohe Kunst der Diffamierung

Die "Pyramide des kapitalistischen Systems"

Wie Antikapitalisten den Kapitalismus sehen

Wenn man in Deutschland gegen zu hohen staatlichen Einfluss anschreibt und mehr Selbstbestimmung fordert, begegnen einem unweigerlich die Stimmen derer, die für mehr Staat und weniger Selbstbestimmung stehen. Es gibt sicher einige, mit denen man vernünftige Diskussionen führen kann. Aber in vielen Fällen wird man einfach diffamiert, während auf sachliche Argumente verzichtet wird. Ich habe vier Punkte gefunden, die mir aus Diskussionen besonders in Erinnerung geblieben sind. Eine kleine Anleitung für einen Antikapitalisten, um einen Kapitalisten zu diffamieren.

1. Bezeichne ihn als Lobbyisten.

Das ist das Allerwichtigste. Jeder, der für eine Sache schreibt, die nicht deine ist, ist ein Lobbyist. Wenn du ein Kapitalismuskritiker bist, sind alle deine Kritiker Konzern-Lobbyisten, wenn du dich gegen Atomkraft einsetzt, sind alle deine Kritiker von der Atomlobby, wenn du gegen Gentechnik bist, sind alle deine Kritiker von Monsanto bezahlt, wenn du für CO2-Obergrenzen bist, sind alle deine Kritiker von der Öllobby (du kannst auch einfach ein Wort nehmen, mit dem du deine Kritiker bezeichnest, wie z.B. “Neoliberaler”, dann wissen alle Bescheid). Du dagegen bist kein Solar- oder Windkraftlobbyist, nein, du setzt dich für die Allgemeinheit ein.

2. Nehme ein Argument, kritisiere es und stelle es so dar, als seien damit alle seine Argumente widerlegt.

Dein Kritiker sagt, Deregulierungen würden der Wirtschaft gut tun. Aber Deregulierungen haben zur Finanzkrise geführt, wie du weißt. Er erzählt also offensichtlich Unsinn. Und wenn er hier Unsinn erzählt, musst du alle seine anderen Argumente gar nicht beachten, denn sie sind auch Unsinn. Du musst dir also gar nicht anhören lassen, dass die Subprime-Krise in Wirklichkeit durch falsche staatliche Politik, nämlich durch die von der US-Notenbank betriebenen Politik des billigen Geldes, verursacht und durch die ebenfalls staatlichen Bankenrettungsprogramme verschlimmert wurde.

3. Tu so, als würde er sich für allwissend halten und glauben, seine Ideen könnten alle Probleme der Welt lösen.

Für alle Probleme gibt er dieselbe Lösung an: Privatisierung. Alles soll privatisiert werden, und damit sollen alle Probleme der Welt verschwinden. Er ist wie ein religiöser Fundamentalist, der an ein Himmelsparadies auf Erden glaubt, wenn nur seine Ideen umgesetzt werden, ohne sich um die Folgen Gedanken zu machen. Deine Ideen, die Wirtschaft durch zentrale Behörden zu lenken, von der Bahn bis zur Post, und den Konsumenten ihre Kaufentscheidungen vorzuschreiben, von Gurken bis Glühbirnen, haben dagegen nichts mit Anmaßung von Wissen zu tun. Denn wenn sie nicht funktionieren, bist du immer bereit, dein Scheitern einzuräumen und noch mehr Regulierung zu fordern.

4. Wirf ihm vor, dogmatisch zu sein und keine Diskussion zuzulassen.

Du versuchst, ihn zu kritisieren, aber was macht er? Er behält einfach seine Meinung! Er akzeptiert deine Argumente nicht! Als ob die Erfahrungen mit Reagan, Thatcher, Pinochet und die Finanzkrise nicht schon genug wären, um ihn eines Besseren zu belehren. Nichts kann ihn umstimmen, er ist ein Dogmatiker und will keine „ergebnisoffene Diskussion“ (also eine Diskussion, bei der er dann deine Meinung übernimmt). Dein Eintreten für eine staatlich gelenkte Wirtschaft bei der Nicht-Beachtung der katastrophalen Folgen unter Lenin, Fidel Castro, Honecker und Chavez hat nichts mit Sturheit zu tun, denn du weißt: Der Sozialismus wurde noch nie richtig umgesetzt.

Eine Antwort to “Die hohe Kunst der Diffamierung”

  1. Links der Woche | Freisinnige Zeitung Says:

    […] Jorge Arprin bei arprin: Die hohe Kunst der Diffamierung […]

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