Mythen und Fakten zu Kuba

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

„Ich habe niemals jemanden getötet, aber ich habe oft Nachrufe mit großem Vergnügen gelesen“, sagte der amerikanische Rechtsanwalt Clarence Darrow einmal. Die meisten Menschen dürften diesem Satz zustimmen, auch wenn sie es nicht zugeben. Das Jahr 2011 war in dieser Hinsicht besonders gut: Osama, Gaddafi und Kim Jong-Il segneten das Zeitliche. 2012 war dann eher enttäuschend. 2013 gab es immerhin Hugo Chavez. 2014 läuft aber wieder mau. Kandidaten gibt es ja reichlich, so z.B. Robert Mugabe oder Ayatollah Chamenei. Und natürlich Fidel Castro.

Der Kalte Krieg ist seit 23 Jahren vorbei, aber Fidel Castro ist geblieben. Er herrscht seit 55 – in Worten: fünfundfünfzig – Jahren über Kuba. Dabei nimmt er sich immer mal wieder eine Auszeit, so war er zwischenzeitlich neun Monate lang nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. Politische Ämter übt Fidel offiziell nicht mehr aus, sein Bruder Raul hat den Posten als Generalsekretär der Kommunistischen Partei übernommen. In seinem Land hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Führung versucht langsam, das Land zu öffnen, ohne dabei den Unterdrückungsapparat zu lockern.

Das linke Narrativ lautet: Kuba war unter dem amerikanischen Marionettendiktator Fulgencio Batista das „Bordell der Amerikaner“, dann wurde Batista durch einen Volksaufstand, angeführt von Fidel Castro, gestürzt. Castro errichtete ein sozialistisches Paradies, verteilte den Reichtum gerecht, versorgte seine Bevölkerung mit Bildung und Gesundheit, versäumte es aber leider, Freiheit und Demokratie einzuführen. Die sozialen Errungenschaften werden aber gewöhnlich höher bewertet. Wenn man sich die Realitäten in Kuba anschaut, wird schnell klar, dass es sich bei diesem Narrativ um einen Mythos handelt, der freilich geschickt am Leben erhalten wird.

Castros „Erfolge“

Wenn auf das angeblich so vorbildliche Gesundheits- und Bildungssystem in Kuba und dem kubanischen Export von Ärzten und Lehrern ins Ausland verwiesen wird, werden zwei Dinge außer Acht gelassen: Erstens war Kuba unter Batista schon einer der entwickeltesten Länder in Lateinamerika und zweitens ist die Situation in Kuba bei weitem nicht so rosig wie viele Linke im Westen glauben. Wie Statistiken aus dem UN-Jahrbuch, dem Außenministerium der USA und anderen Stellen zeigen, ging es den meisten Kubanern wirtschaftlich und sozial unter Batista besser unter Castro (s. Cubafacts).

Im Jahr 1957 hatte Kuba 128 Ärzte pro 100.000 Einwohner, ein höherer Wert als in den USA und Großbritannien. Die Kindersterblichkeitsrate von 32 pro 1.000 Geburten war niedriger als in Frankreich, Deutschland und Japan. Im Jahr 1955 hatte Kuba eine Lebenserwartung von 63 Jahren, der Durchschnitt in Lateinamerika war 52. Heute liegen diese Werte zwar sogar höher und es dienen 37.000 kubanische Ärzte im Ausland (vor allem in Venezuela – viele der kubanischen Ärzte wollen von dort aus in die USA auswandern). Aber die Krankenhäuser im Inland verfallen zunehmend, wie diese schockierenden Bilder zeigen.

Deutsche Kuba-Touristen schrieben 2008 in einem Kuba-Forum:

ich habe letzte Woche leider einige Tage in ein Tage in ein Krankenhaus in Habana verbrigen müssen (als acompañante)

es ist einfach nur deprimirend die Zustände.

Ein anderer meint:

war letztes weihnachten mit meiner frau in ciego im krankenhaus, auch nicht viel besser. umstände sind katastrophal, keine hygiene und zu guter letzt. alle guten ärzte sind auf „mission“, dank chavez und seinem öl.

Auch im Bildungswesen war Kuba schon unter Batista weit entwickelt. Im Jahr 1957 hatte Kuba eine Alphabetisierungsrate von 76%, in Lateinamerika hatten nur Argentinien, Costa Rica und Chile hatten einen höheren Wert. Heute hat Kuba eine Alphabetisierungsrate von über 99%. Die Regierung nutzte dies zu Propagandakampagnen wie der Entsendung von Lehrern ins Ausland – dabei fehlten 2008 vor Schulbeginn 8.000 Lehrer im Inland und „Notstandslehrer“ (maestro emergente) machten die Hälfte des Personals aus, da immer mehr Hochqualifizierte aufgrund der sehr niedrigen Bezahlung lieber ins Ausland gehen oder im Tourismussektor arbeiten.

Das Durchschnittseinkommen in Kuba kann nur geschätzt werden, da die Regierung lieber darüber schweigt. Schätzungen gehen von umgerechnet 20 Dollar im Monat aus, eines der niedrigsten Werte in Lateinamerika. Die Landwirtschaft liegt seit Jahrzehnten am Boden. Den Kubanern standen zwischen 1950-1953 2.730 Kalorien pro Tag zur Verfügung, 1995-1997 waren es 2.417, ein Minus von 11,5%. Die Kubaner haben den kleinsten Anteil an Zugang zu Internet in Lateinamerika, sogar Haiti liegt weiter vorne. Auch Fernseher, Telefon und Handys sind im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern deutlich seltener verbreitet.

Kuba war also bereits in den 1950ern weit entwickelt, Castro hat nur wenig verbessert, aber viel verschlechtert. Batista war ein Diktator, während seiner Herrschaft (1952-59) gab es kein Demonstrationsrecht und über 2.000 Menschen wurden ermordet. Doch unter Castro starben bereits im ersten Jahr mehr Menschen als unter Batista in sieben Jahren, mindestens 2.500 vermeintliche oder tatsächliche Batista-Gefolgsleute wurden erschossen. Die Amerikaner haben Batista übrigens nicht geholfen, sondern waren anfänglich von Castro begeistert. Castro besuchte im April 1959 New York und wurde von den Massen bejubelt (als bereits Tausende Batista-Anhänger exekutiert wurden).

Castro war es dann, der die Freundschaft durch den Pakt mit den Sowjets und die Enteignung der US-Firmen beendete (Kissinger bot Kuba 1974 an, das Embargo aufzuheben, Castro antwortete mit der Entsendung von Soldaten nach Angola). Von Demokratie und Menschenrechten ist Kuba weit entfernt. Es gibt keine Reisefreiheit, die Auswanderung in die USA findet unter lebensgefährlichen Umständen statt. In kubanischen Gefängnissen ist Folter Alltag, die Pressefreiheit war unter Batista höher. Die Liste der Dissidenten ist lang: Jorge Luis Garcia „Antunez“, die Blogger-Pionierin Yoani Sanchez, die „Damen in Weiß“ und viele mehr. Zuletzt gab es 1994 ein Massenprotest gegen die Regierung, den „Maleconazo„. Seitdem ist es ruhig.

Aber wie gesagt: Es hat sich einiges geändert in den letzten Jahren. Anfang dieses Jahres dürfte eine Nachricht Oldtimer-Fans ins Mark getroffen haben: In Kuba dürfen nämlich nun Neuwagen importiert werden. Der Autohandel wurde jahrzehntelang von den Kommunisten so strikt reguliert, dass nur einige wenige das Privileg zugesprochen bekamen, eine Lizenz für Neuwagen zu erwerben. Für Nostalgiker ein Traum: Eine Reise nach Kuba war eine Reise in die 1950er Jahre. Für die Kubaner dagegen war es kein Traum oder nostalgische Reise, sondern die bittere Realität.

15 Antworten to “Mythen und Fakten zu Kuba”

  1. Martin Says:

    Tjo. Ist halt die übliche Schönmalerei. Irgendwie haben die meisten Linken einen unglaublich guten „Elefanten-ignorier-Mechanismus“ entwickelt, wenn es um die Bewertung sozialistischer/kommunistischer Länder und Lebensbedingungen geht.
    Eigentlich braucht man weder Fakten noch Zahlen noch irgendwas. sondern nur eine ganz einfache Frage: Wenn das Dasein in der DDR/Sowietunion/Kuba so toll ist und so prima für die Leute gesorgt wird – warum dürfen die dann nicht ausreisen, wie sie mögen? Warum muß man sie mit Mord und Morddrohung dazu zwingen, im Paradies zu bleiben?
    Man bekommt garantiert die versponnensten „Erklärungen“ zu hören…nur keine Antwort.

  2. qwerty248 Says:

    Nicht zu vergessen, wie der Altkommunist SS-Mitglieder rekrutierte um eigene Truppen auszubilden.

    Die kubanische Krankenhaustoilette sieht aber nur etwas schlechter, als die Toilette eines Schulgebäudes in Deutschland (auf die ich für zwei Jahre gehen musste, weil wir aus Platzmangel dort unterrichtet wurden) vor 9 Jahren aus (Kacheln auf dem Boden, manchmal keine Seife, ähnlich kaputt, aber vermutlich stinkender da kaputte Lüftung und keine Fenster).

    • qwerty248 Says:

      „als die Toilette eines Schulgebäudes in Deutschland (auf die ich für zwei Jahre gehen musste, weil wir aus Platzmangel dort unterrichtet wurden)“. Wir wurden in dem Schulgebäude, der Schule und natürlich nicht auf den Toiletten unterrichtet 😉

  3. qwerty248 Says:

    griechische Krankenhaus-Gefängnisse aus: http://www.focus.de/politik/ausland/bilder-wie-aus-dantes-inferno-athen-schickt-steuersuender-in-hoellenhaft-viele-kehren-nie-zurueck_id_3643629.html

    • qwerty248 Says:

      …was die Lage in Kuba nicht besser macht. Furchterregend finde ich, dass man auch als Deutscher in solch ein Gefängnis kommen kann. Neben Bulgarien (wegen seltsamen Organspende-Regulierungen) noch ein europäisches Land, mit dem ich nur ungerne etwas zu tun habe.
      Oder ist meine Angst übertrieben?

      • arprin Says:

        In Europa nähern sich viele Länder kubanischen Zuständen an. Das ist halt die Folge von Planwirtschaft. Ich finde die Angst nicht unbegründet, die griechischen Gefängnisse sind wirklich der reine Horror.

  4. bohu reri Says:

    Liebe Redaktion,

    ich danke vielmals für perfekte Kommentare !

    Herzliche Grüsse aus Tschechien

    Bohumil Rericha

  5. aron2201sperber Says:

    Wie man unter Kuba-Freunden weiß, müsse man Kuba unbedingt noch einmal bereisen, bevor es wieder zum “Bordell der Amerikaner” verkomme.

    Mit einem Bordell für Deutsche und Italiener haben die linken Lebemänner natürlich kein Problem.

    Sowie es in Kuba offiziell keine Prostitution gibt, hat Kuba offiziell auch die mit Abstand niedrigste AIDS-Rate aller Sextourismus-Destinationen:

    http://www.avert.org/caribbean.htm

    In keiner Diskussion darf der Hinweis darauf fehlen, dass Kuba über ein besseres Gesundheitssystem als die USA verfüge.

    Doch wenn es um die eigene Gesundheit geht, vertrauen selbst die größten Antiimperialisten lieber imperialistischen Qualitätsprodukten:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/was_sie_ueber_kondome_auf_kuba_wissen_muessen/

  6. aron2201sperber Says:

    Die Sanktionen der großen Nachbars-Volkswirtschaft können bei Kuba als Rechtfertigung für das Versagen des eigenen Systems herangezogen werden.

    Diese Ausrede fällt bei dem mit China verbündeten Nordkorea weg.

    Dass es keine Palmen, Rum, Zigarren, 50er Jahre Ami-Schlitten, schöne braune Mädels und somit auch keine Touristen-Euros gibt, trägt ebenso dazu bei, ein unverfälschtes Bild einer unabhängigen sozialistischen Volkswirtschaft wiederzugeben.

  7. Freifunke Says:

    Ich bin wirklich froh, in Deutschland leben zu dürfen. Zusammen mit ein paar wenigen anderen Ländern (darunter z.B. die skandinavischen, aber nicht Griechenland, s. die anderen Kommentare) und vielleicht Kanada sind wir die wenigen Staaten, die hinreichend demokratisch und frei sind.

    Sonst gibt es die USA, die sich für sehr frei halten, sich aber trotzdem ständig in die Angelegenheiten der Bürger einmischen (historisch denke man an die Prohibition oder den Verbot des Goldbesitzes oder heute an die Massenüberwachung), die Russen, die weder demokratisch noch frei sind, die Chinesen, bei denen das sogar noch schlimmer ist, dafür aber wenigstens etwas wohlhabend, und ein großer Haufen (halbwegs) kapitalistischer und ein noch größerer Haufen sozialistischer Diktaturen, die wirklich mies dran sind.

    Relativ gesehen sind wir hierzulande wirklich verdammt gut dran.

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