Wird Europa islamisiert?

Die nördlichste Moschee Europas steht in Uppsala

Bevölkerungsvorausberechnungen für die nächsten 90 Jahre sind in der Regel als Schamanismus zu betrachten. In einigen islamkritischen Kreisen ist es aber in Mode gekommen, Prognosen abzugeben, wann Deutschland oder ganz Europa eine muslimische Bevölkerungsmehrheit haben wird. Am Ende seines Bestsellers “Deutschland schafft sich ab” zeichnet Thilo Sarrazin eine düstere Zukunftsvision, in der Deutschland Ende des Jahrhunderts ein islamisches Land ist. Sind diese Ängste vor einer Islamisierung begründet?

Da bei Volkszählungen nicht nach Religion gefragt wird, gibt es keine offizielle Zahl, die angibt, wie viele Muslime in Deutschland leben. Es ist jedoch möglich, die muslimische Bevölkerung aufgrund der Herkunftsländer der Migranten einigermaßen genau zu schätzen. Wenn man die türkische, arabische, afrikanische und bosnische Bevölkerung in Deutschland zusammenrechnet, kommt man auf eine Zahl von etwa 4 Millionen Muslimen in Deutschland. Das sind etwa 5% der Bevölkerung. Eine deutliche Zunahme gegenüber den letzten Jahrzehnten.

Aber weit davon entfernt, eine muslimische Mehrheit anzukündigen. Deshalb werden diese Statistiken von vielen als nicht zuverlässig oder gar gefälscht abgewiesen. Stattdessen verlässt man sich auf sein “Gefühl”: Man stellt sich vor einer Straßenecke und zählt nach, wie viele Kopftücher man innerhalb eines bestimmten Zeitraums begegnet. Meistens kommt man damit auf viel höhere Schätzungen als muslimischen Bevölkerungsanteil als 5% und einen deutlich höheren muslimischen Anteil an der Geburtenrate als 15%.

Michael Mannheimer rechnet mit 8-13 Millionen Muslimen in Deutschland, ohne eine Quelle dafür anzugeben (er verlässt sich offenbar auf sein Gefühl) und glaubt, dass Deutschland 2040 eine Islamische Republik sein könnte. Solche Methoden sind aber nicht geeignet, zuverlässigere Daten anzugeben. Es ist ein psychologischer Effekt, dass man sich stärker an das erinnert, was man persönlich als negativ ansieht. Wenn man Muslime zählt, bleiben einem die Personen mit Kopftücher mehr in Erinnerung als der ganze restliche Haufen, der die Haare offen trägt.

Man missachtet außerdem, dass es in den verschiedenen Regionen auch verschiedene Bevölkerungsanteile gibt. In den westlichen Bundesländern und in Berlin liegt der Muslim-Anteil deutlich höher als in Ostdeutschland. Der Muslim-Anteil variiert auch in den verschiedenen Städten und Vierteln. Es ist also unmöglich, eine Straßenecke für ganz Deutschland repräsentativ zu machen. Wer glaubt, dass es in Deutschland viel mehr Muslime gibt als die offiziellen Schätzungen angeben, müsste wesentlich schlagkräftigere Beweise anführen als sein “Gefühl”.

Die Geburtenrate der Muslime in Deutschland (und Europa) geht seit Jahren zurück. Wie der National Post berichtete, hatten Türken in Deutschland im Jahr 1970 eine Geburtenrate von 4,4, während sie heute bei 2,2 liegt. Die Geburtenraten aller Migrantengruppen nähern sich immer weiter an, bei einigen stärker als bei anderen. Die Einwanderung aus der Türkei sinkt ebenfalls, mittlerweile gibt es ein negatives Wanderungsverhältnis. Die meisten Einwanderer kommen zurzeit aus Ost- und Südeuropa, nicht aus muslimischen Ländern.

Diese Zahlen geben keinen Grund zu der Annahme, dass die muslimische Bevölkerung in Europa in den nächsten Jahrzehnten höher liegen könnte als bei 15-25%. Damit es in 30 oder 40 Jahren eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in Europa gibt, müsste schon eine Völkerwanderung oder eine massive Steigerung der Geburtenrate bei Muslimen eintreten. Ein anderer Weg wären Völkermorde und Vertreibungen. Doch diese sind nicht so einfach zu bewältigen. Welche Armeen sollen das anrichten? Und werden sich die Europäer gar nicht wehren, wenn es soweit ist?

Die sozialen und kulturellen Probleme, die sich durch die Einwanderung aus islamischen Ländern ergeben, sind schon jetzt zu beobachten. Es ist zu befürchten, dass sie in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden. In einigen Städten könnten “Scharia-befreite Zonen” entstehen. Diese Probleme dürfen nicht verharmlost werden, aber man sollte auch nicht den Untergang des Abendlandes herbeireden. Der Westen hat Hitler und Stalin überlebt, dann wird er auch Pierre Vogel überstehen.

20 Antworten to “Wird Europa islamisiert?”

  1. aron2201sperber Says:

    viele richtige Punkte.

    allerdings wäre es vor 30 Jahren kaum vorstellbar gewesen, dass die Türkei eine Re-Islamisierung erlebt.

    und es ist trotzdem geschehen.

    die Muslime stellen zwar noch eine klare Minderheit dar.

    allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass die Alten fast ausschließlich Nicht-Muslime sind.

    nimmt man nur die Jungen, die sich noch reproduzieren und durch Heirat weitere Muslime ins Land holen können, schaut es schon anders aus.

    die islamischen Zuwanderer kommen zwar aus verschiedenen Staaten und Kulturen, was normalerweise eine Assimlierung begünstigen sollte

    der Islam ist jedoch ein starker gemeinsamem Nenner, um den sich Musime in der neuen Heimat oft scharen.

    • arprin Says:

      allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass die Alten fast ausschließlich Nicht-Muslime sind.

      nimmt man nur die Jungen, die sich noch reproduzieren und durch Heirat weitere Muslime ins Land holen können, schaut es schon anders aus.

      Auch die Jungen sind noch überwiegend Nicht-Muslime. Der Anteil der Muslime an den Neugeborenen in Deutschland liegt bei 10-15%. Der Focus sprach 2007 von einem Muslim-Anteil von 9,2% an den Neugeborenen: http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland_aid_52269.html

      Und das Wanderungsverhältnis ist seit einigen Jahren negativ. Die Importbräute sind da mitgezählt.

      Für das Jahr 2030 prophezeit die US-Studie “The Future of the Global Muslim Population” einen Muslim-Anteil von 8% in Europa (heute sind es 6%): http://www.pewforum.org/the-future-of-the-global-muslim-population.aspx

      Demnach wird die muslimische Bevölkerung in Deutschland bis dahin von 4,1 auf heute 5,5 Millionen steigen, in Frankreich von 4,7 auf 6,9 Millionen, in GB von 3,8 auf 7,5 Millionen.

      • besucher Says:

        In GB wird es definitiv lustig werden. Da kommen die meisten Moslems aus dem Hardcore-Islamstaat Pakistan.
        Tony Robinson wird noch gebraucht.

  2. Martin Says:

    So recht verstehe ich die Rechnung nicht. Mir scheint da ein massiver Denkfehler vorzuliegen.
    “Wenn man die türkische, arabische, afrikanische und bosnische Bevölkerung in Deutschland zusammenrechnet, kommt man auf eine Zahl von etwa 4 Millionen Muslimen in Deutschland. ”

    Das ist richtig, wenn man die Staatsbürgerschaft als Maßstab nimmt.Aber das ist ja Quatsch.
    Was ist z.B. mit den Millionen, Türken, die hier geboren sind, deutsche Staatsbürger sind und islamischen Glaubens?

  3. Thomas Holm Says:

    Citizen Khan is a family-based British sitcom produced by the BBC. It is notable as being the BBC’s first South Asian-related sitcom. It is set in Sparkhill, Birmingham, described by its lead character Mr Khan as “the capital of British Pakistan.”

    Citizen Khan follows the trials and tribulations of Mr Khan, a loud-mouthed, patriarchal, self-appointed community leader, and his long suffering wife and daughters Shazia and Alia. WP

    Citizen Khan: Episode 1 – With English Subtitles (Part 1/2)

    Erst 700 Beschwerden laut PressTV. 2.45-3.15 ganz lustig

  4. shaze86 Says:

    Prognosen sind schwierig, besonders die, die Zukunft betreffen.

    Demographische Entwicklungen sind sehr langsam. Vor 40 oder 50 Jahren lag der Anteil moslemischen Geburten bei 0 %. Jetzt ist er bei 10-15 %. Außerdem gibt es noch die Parameter Konvertierung und Einwanderung. Außerdem schrumpft die deutsche und europäische Bevölkerung. Insgesamt kann man es aber nicht abschätzen, wie sich die Lage entwickeln wird.

    • arprin Says:

      Außerdem gibt es noch die Parameter Konvertierung und Einwanderung.

      Die Konvertiten spielen als demografischer Faktor kaum eine Rolle. Es sind nur einige 1000 pro Jahr. In 40 oder 50 Jahren werden sie also nicht mal 0,1% der Bevölkerung stellen. Und die Einwanderung von Muslimen geht, genauso wie ihre Geburtenrate, zurück.

      Natürlich sind Prognosen für viele Jahrzehnte fast nie zuverlässig. Aber man kann sagen, dass die Prognose “Die Muslime werden Europa erobern” extrem unwahrscheinlicher ist als dass der Muslim-Anteil bei 15-25% liegen wird (die US-Studie geht von nur 8% aus).

    • Olaf Says:

      Die Auswanderung der Deutschen darf man auch nicht vergessen, allein in den USA leben über 500.000 Leute die in Deutschland geboren wurden.
      Deutsche wandern aus, Muslime wandern zu, in westdeutschen Großstädten sieht es aus wie in Anatolien, da ist nix mit “nur 10 %”.

      • arprin Says:

        Die Auswanderung der Deutschen darf man auch nicht vergessen, allein in den USA leben über 500.000 Leute die in Deutschland geboren wurden.

        Das ist ja nichts. Es droht nun wirklich keine Massenauswanderung der deutschstämmigen Bevölkerung.

        Deutsche wandern aus, Muslime wandern zu

        Momentan wandern vor allem Menschen aus Ost- und Südeuropa ein. Und es wandern mehr Türken aus als ein.

        in westdeutschen Großstädten sieht es aus wie in Anatolien

        Du meinst in einigen Vierteln. Es gibt sicher, wie in dem Artikel auch erwähnt, große regionale Unterschiede.

        da ist nix mit “nur 10 %”

        In den meisten Gegenden liegt der Muslim-Anteil sogar bei unter 10%. Es ist der Anteil der Neugeborenen, der bundesweit bei etwa 10% liegt.

  5. Alfons Says:

    Schöner Artikel!
    Ich kann nicht verstehen, warum die Probleme, die es mit den muslimischen Migranten in der Tat gibt, in der Diskussion oft entweder totgeschwiegen oder zum Untergang des Abendlandes hochgeschrieben werden müssen. Ähnliches könnte man auch zu anderen Themen wie der Atomkraft und dem Euro sagen. Erst in ihrer Summe werden sie wirklich brisant. Jedes einzelne ist zwar möglicherweise teuer, aber immer noch verkraftbar.

    • arprin Says:

      Danke für das Lob.

      Als Anti-Apokalyptiker werde ich definitiv nie den Untergang des Abendlandes herbeireden, solange wir noch allen anderen Konkurrenten politisch, wirtschaftlich und militärisch überlegen sind.

  6. Mike Says:

    Erstmal vielen Dank für die saubere Argumentation zum prognostizierbaren Moslemanteil.

    “Diese Zahlen geben keinen Grund zu der Annahme, dass die muslimische Bevölkerung in Europa in den nächsten Jahrzehnten höher liegen könnte als bei 15-25%.”

    Nur finde ich die Bewertung dieser Zahl völlig daneben. Ein solcher Anteil ist höchst beunruhigend, zumal bei einem Anstieg von nahe 0% in nur 50-70 Jahren. Vor allem muss man berücksichtigen, was der Islam ist: er ist eine totalitäre Struktur, die ihren Mitgliedern keinen Austritt erlaubt, und die vorschreibt, dass die Kinder automatisch Moslems werden. Regelverstöße und Abweichler sind durch Mord bedroht. Die uns eigene Toleranz gibt es im Islam nicht, Moslems sind nachweislich undemokratisch, gewaltaffin, frauenverachtend und homophob. Das geht gegen niemanden persönlich, aber die meisten Moslems können nicht anders, weil sie in dieses Bedrohungssystem eingebunden sind. Unsere heute noch freiheitliche, tolerante und freizügige Gesellschaft ist bedroht durch islamische Intoleranz, mafiöse Machtstrukturen, antidemokratisches Verhalten und hochreligiöse Verklemmtheit. Wollen wir wirklich, dass die Straßen voll sind mit Leuten, deren Körperoberfläche zu 95% mit religiöser Kleidung verhüllt ist wie bei Nonnen? Sowas hatten wir eigentlich überwunden.

    Wenn man sich mit dem Islam beschäftigt, weiß man, dass eine Anpassung und Integration mit anderen Kulturkreisen im Islam nicht vorgesehen ist. Ein so hoher Moslemanteil bedeutet ein labiles Gleichgewicht. Im Islam geht Islam über alles, wie bei den Nazis. Nebenbei bemerkt sind Moslems auch antisemitisch und Hitler zugeneigt.

    Und der Anteil von 15-25% reicht schon, um den Nichtmoslems das Leben zur Hölle zu machen. Zumal der Anteil bei jungen Leuten (Schülern) noch sehr viel höher sein wird. An den Schulen werden Nichtmoslems bereits heute durch Moslem-Machos bedrängt und beeinflusst. Dann werden immer mehr islamische Rechte eingefordert, Europa als teilislamisiertes Land wird dann immer attraktiver für den Zuzug weiterer Moslems, und freiheitsliebenden Europäern bleibt wirklich nicht viel mehr Auswanderung nach Amerika, was den Moslemanteil hier noch weiter erhöht.

    • arprin Says:

      Ich halte deine Befürchtungen für höchst übertrieben, da nicht jeder, der offiziell Muslim ist, strikt nach den islamischen Geboten lebt und es so sicher keine 15-25%-Anteil von Leuten geben wird, die wie Islamisten denken. Die kulturellen Probleme wird es weiter geben, aber wohl kaum in dem Ausmaß, den du befürchtest.

  7. Puschkin Says:

    Der Schreiber hier versucht den Leuten Sand in die Augen zu streuen.

    “Es sind ja nur 5% der Bevölkerung.” Habt ihr mal angeschaut wieviel Prozent der Muslime unter 25 sind? 42 Prozent (http://ufuq.de/newsblog/1120-deutsch-undoder-muslim-muslimische-jugendliche-in-deutschland).

    Da Muslime eine höhrere Geburtenrate haben werden die Muslims uns irgendwann ein- und dann überholen

    • arprin Says:

      Da Muslime eine höhrere Geburtenrate haben werden die Muslims uns irgendwann ein- und dann überholen

      Prophezeiungen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

      Wenn heute 5% der Bevölkerung Muslime sind ist es sehr gewagt zu sagen dass es sicher sei dass die Muslime die Nicht-Muslime überholen werden.

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