Waffengegner und Waffennarren auf Abwegen

Waffen für alle?

Wenn es um das Thema Waffen geht, zählen bei beiden großen politischen Lagern Emotionen meistens mehr als Fakten. Das ist auch bei einem jüngeren Fall deutlich geworden. Ende April wurde Diren Dede, ein Austauschschüler aus Hamburg, im US-Bundesstaat Montana erschossen. Die Reaktion der Waffengegner war zu erwarten: Das Waffenrecht wurde kritisiert. Es kann nicht sein, dass man einfach jemanden erschießen kann, der in ein fremdes Haus eindringt. Die Pro-Waffenlobby verteidigte dagegen den Täter, er habe sich ja nur gegen einen Einbrecher gewehrt.

Die linken Waffengegner stellen Fakten oft ziemlich verkürzt oder falsch dar, wenn es darum geht, ihre Anliegen darzustellen. Beim Fall Trayvon Martin hieß es, der Täter George Zimmerman hätte völlig grundlos auf Martin geschossen. Die Hintergründe der Tat waren freilich wesentlich komplizierter. Die deutsche Medienlandschaft vergaß auch zu erwähnen, dass das deutsche Notwehrrecht nicht gerade zimperlicher ist als das amerikanische, sondern dem in vermeintlicher Notwehr handelnden Täter genauso viele Freiheiten einräumt.

Beim Fall in Montana sind die Hintergründe noch nicht ganz klar. Es steht jedoch fest, dass Diren in ein fremdes Haus eingebrochen ist und daraufhin erschossen wurde. Angeblich soll der Täter Diren eine „Falle“ gestellt haben. Viele Befürworter eines liberalen Waffenrechts verteidigten den Täter. Für mich ist das kaum nachzuvollziehen. Der Anti-Waffenhysterie wird einfach mit einer Pro-Waffenhysterie begegnet. Es gibt selbstverständlich kein „Recht“, jemanden zu erschießen, der ungefragt in sein Eigentum eindringt.

Wir wissen nicht genau, was in Montana geschehen ist, aber auf ein unerlaubtes Betreten des Eigentums gibt es einen einfachen Weg, zu antworten: Man bittet den Eindringling, zu gehen. Vielleicht hat er sich verirrt, oder er wollte fragen, ob ihm eine Katze weggelaufen ist, die er in den Armen hält. Auf jeden Fall gibt es keine Rechtfertigung, ungefragt zu schießen, solange nicht klar ist, dass der Eindringling eine Gefahr darstellt. Genauso wenig darf man jemanden erschießen, der ein Laden mit einem „Geschlossen“-Schild betritt.

Die Liberalen, die solche Taten verteidigen, sind die Totengräber des Liberalismus. Gerade dann, wenn man nur wenig über die Hintergründe einer Tat weiß, sollte man sich mit wertenden Aussagen zurückhalten. Weder bei Trayvon Martin noch bei Diren Dede kann man wohl eine eindeutige Schlussfolgerung ziehen, wer die Hauptschuld trug. Deswegen sollten diese Fälle auch nicht für politische Forderungen missbraucht werden, egal von welchem politischen Lager.

Es gibt bessere Wege, um über das Thema Waffenrecht zu diskutieren. Eine Studie zeigte z.B., dass es keine Korrelation zwischen Waffenbesitz und Gewaltverbrechen gibt. Ein Waffenverbot würde folglich nicht zwangsläufig zu einer Reduzierung von Gewaltverbrechen führen. Schließlich sind Pistolen nicht der einzige Weg, mit denen man Gewalttaten verüben kann. Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages für das Recht, ein Messer zu tragen, kämpfen müssen.

4 Antworten to “Waffengegner und Waffennarren auf Abwegen”

  1. Thomas Leske Says:

    Es ist absehbar, dass ein stiktes Waffenverbot mit dem Ziel, die Gewaltverbrechen zu reduzieren, gar nicht eingeführt werden kann. Ein einzelner Terrorist kann nämlich systematisch Opfer erzeugen, mit dem Ziel das Waffenverbot zu verhindern. Solange Waffengegner also nur pragmatisch gegen Waffenbesitz sind und nicht prinzipiell Waffenbesitz für Unrecht halten, haben sie keine realistische Chance ihre Pläne umzusetzen.

  2. Hans Friedrich Says:

    Ich habe ein Grundstück in Kentucky. Das ist ein bisschen größer als was man in Deutschland kennt. Da meldet sich sogar der Sheriff an, bevor er kommt.

    Wenn mir also einer auf meinem Grund, der ja gekennzeichnet ist, entgegenkommt, immerhin sind das 5 x 3 km, dann schieße ich sofort. Jedenfalls nachts. Am Tage frage ich vorher, aber auch nur dann, wenn ich sehe, daß er keine Waffe trägt.

    Und wenn ich Geld von der Bank abhole sind alle Kunden bewaffnet. Nur der Kassierer nicht. Übrigens ist das ein Dry-County (Lee County) und der letzte Mord geschah vor 41 Jahren. Da hat ein Polizist aus Eifersucht seine Frau umgebracht. Allerdings mit dem Messer.

    • arprin Says:

      Wenn ein Grundstück gekennzeichnet ist und ein Unbekannter dringt mit einer Waffe ein, ist das eine Gefahrensituation. Da würde ich das noch gelten lassen. Wobei man noch versuchen könnte, aus sicherer Entfernung Kontakt aufzunehmen. Wenn ich nicht sehe, dass jemand eine Waffe trägt, würde ich nicht sofort schießen, auch nachts.

    • aron2201sperber Says:

      in europäischen Kaffs passieren auch so gut wie nie Morde, auch wenn uns Serien wie „Der Bulle von Tölz“ etwas anderes suggerieren.

      wenn mehr Waffen im Umlauf sind, erhöht man die Chancen, dass auch urbane Gangster damit herumrennen.

      auch wenn es in Kaffs, wo jeder jeden kennt, und alle wissen, dass alle bewaffnet sind, alle abgeschreckt sind und ähnlich wenig wie in europäischen Kaffs passiert, trägt man wahrscheinlich indirekt zu mehr Toten bei.

      trotzdem halte ich die europäische Position oft für anmaßend – wie Arprin treffend bemerkt hat, gibt es in Europa genauso ein Recht auf Notwehr.

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