Wenn dich niemand versteht

Denis Cuspert a.k.a. Deso Dogg a.k.a. Abu Talha al-Almani

Denis Cuspert a.k.a. Deso Dogg a.k.a. Abu Talha al-Almani

Wer ist schuld am islamistischen Terror? Westliche Medien finden darauf verschiedene Antworten: Der französische Österreich-Korrespondent Joëlle Stolz gab im Standard dem „Ultraliberalismus“ die Schuld, da Google, Facebook, Amazon und Apple Millionen arbeitslose Jugendliche produzieren, das ZDF-Kinderfernsehen „logo!“ sieht die Spätfolgen des französischen Kolonialismus in Afrika und die Perspektivlosigkeit muslimischer Migranten als Hauptgrund, Jürgen Todenhöfer dagegen sieht völlig überraschenderweise in der modernen westlichen Außenpolitik im Nahen Osten die Ursache für den islamistischen Terror.

Dabei ist es doch ganz einfach: Der Islamische Staat wünscht sich den Weltuntergang. Dafür planen sie, ihre Armee in Syrien gegen die Armeen der Ungläubigen ins Feld zu führen. In der Stadt Dabiq soll es zum Endkampf gegen die Ungläubigen kommen, die Ungläubigen werden vernichtet werden und der IS wird in Richtung Istanbul marschieren und die Stadt einnehmen. Dann erscheint der Anti-Messias Dajjal aus dem Osten Irans und macht die Sache wieder spannend, da er nahezu alle Kämpfer des Kalifats bis auf 5.000 töten wird, doch dann kommt Jesus auf die Erde zurück (in Damaskus oder in Palästina), tötet den Dajjal und führt das Kalifat zum Sieg. Ist doch nicht schwer zu verstehen.

Es mag sein, dass Perspektivlosigkeit einige Jugendliche in den IS treibt (obwohl die meisten Terroristen Ingenieure und Ärzte sind) und fehlgeleitete westliche Außenpolitik Strukturen geschaffen hat, die unbeabsichtigt den Aufstieg von islamistischen Gruppen begünstigt hat. Aber Perspektivlosigkeit gibt es auch bei Christen und Atheisten, ohne dass diese in den Straßen Menschen massakrieren, und die westliche Außenpolitik in Vietnam und El Salvador hat nicht dazu geführt, dass vietnamesische oder salvadorianische Terroristen sich in Amerika in die Luft jagen. Es hat eben doch was mit der Ideologie zu tun. Der Westen hat nicht den Koran, die Scharia oder den Salafismus erfunden.

Das Dschihadleugnungssyndrom, den man das „Paris-Syndrom“ nennen könnte, ist weitverbreitet. Er nimmt bisweilen komische Züge an. Als islamistischer Terrorist muss man sich wie ein Jugendlicher fühlen, der mit seinen Eltern über seine Zukunft streitet: Niemand versteht mich! Man könnte Mitleid haben, wenn man nicht wüsste, was diese Jugendlichen tun, dass niemand versteht. Der Iraker Faisal Saeed Al Mutar hat vor einer Woche auf Facebook einen fiktiven Dialog zwischen einem islamistischen Terroristen und einem „regressiven Linken“ veröffentlicht, der von seinem Freund Joseph stammt. Er zeigt, wie schwer es für islamistische Terroristen ist, von allen verstanden zu werden.

Hier der ganze Wortlaut:

„Wir haben das gemacht weil unsere heiligen Schriften uns anhalten, es zu tun.“

„Nein, habt ihr nicht.“

„Warte, was? Doch, haben wir …“

„Nein, das hat nichts mit Religion zu tun. Ihr Typen benutzt einfach Religion als Fassade für soziale und geopolitische Gründe.“

„WAS!? Hast du überhaupt unsere offizielle Verlautbarung gelesen? Wir gaben explizite Rechtfertigungen aus dem Koran. Das ist Dschihad, ein heiliger Kreuzzug gegen Heiden, Blasphemisten und Ungläubige.“

„Nein, das ist definitiv keine muslimische Sache. Ihr Typen seid keine echten Muslime, und ihr verunglimpft eine großartige Religion indem ihr das sagt.“

„Hä!? Wer bist du, uns zu erzählen, dass wir keine echte Muslime sind!? Der Islam steht buchstäblich im Zentrum von allem was wir tun, und wir haben die wahrste, am meisten buchstabengetreue und ehrlichste Interpretation ihrer Gründungsschriften umgesetzt. Es ist unser ganzer Existenzgrund.“

„Nö. Wir haben euch erschaffen. Wir haben ein soziales und wirtschaftliches System installiert, dass euch entfremdet und entrechtet, und deshalb habt ihr das gemacht. Tut uns leid.“

„Was? Warum entschuldigst du dich? Wir haben euch gerade gnadenlos in den Straßen abgeschlachtet. Wir haben auf unbeteiligte Zivilisten gezielt – Entrechtung hat damit gar nichts zu tun!“

„Hör‘ zu, es ist unsere Schuld. Wir geben euch nicht die Schuld, euch unwillkommen zu fühlen und herumzuschlagen.“

„Ernsthaft, hör‘ auf, die Verantwortung dafür zu übernehmen! Wir haben wirklich hart gearbeitet um das durchzuziehen, und wir werden nicht zulassen dass ihr uns das wegnimmt.“

„Nein, wir haben euren Extremismus genährt. Wir akzeptieren die volle Schuld.“

„Oh mein Gott, wie viele Leute müssen wir hier töten, damit unsere Botschaft endlich ankommt?“

8 Antworten to “Wenn dich niemand versteht”

  1. Yadgar Says:

    „obwohl die meisten Terroristen Ingenieure und Ärzte sind“

    Die höheren Chargen in den Terrororganisationen, ja. Aber als Kanonenfutter für Selbstmordattentate etc. werden üblicherweise kaputte Ghettoprolls von Schlage eines Deso-Dingsda rekrutiert.

    „und die westliche Außenpolitik in Vietnam und El Salvador hat nicht dazu geführt, dass vietnamesische oder salvadorianische Terroristen sich in Amerika in die Luft jagen.“

    Wie es in Vietnam aussieht weiß ich nicht – aber gerade El Salvador ist kein gutes Gegenbeispiel: dort gibt es zwar keine religiös motivierten Terroristen, aber dafür die Maras (z. B. Mara 18 oder Mara Salvatrucha), jugendliche Drogenbanden, deren Brutalität so ziemlich ihresgleichen sucht. Aufgewachsen sind diese Gangster übrigens häufig im Exil, z. B. in den Latino-Vierteln von Los Angeles, wo sie die dortige Bandenkultur kennengelernt und nach ihrer Rückkehr in die Heimat weitergeführt haben.

    • arprin Says:

      Aber als Kanonenfutter für Selbstmordattentate etc. werden üblicherweise kaputte Ghettoprolls von Schlage eines Deso-Dingsda rekrutiert.

      Kann sein, wobei ich mir da gar nicht so sicher wäre. Mohamed Atta war Kanonenfutter, und er kam aus guten Verhältnissen und war ebenfalls im Ingenieurwesen tätig.

      El Salvador ist kein gutes Gegenbeispiel: dort gibt es zwar keine religiös motivierten Terroristen, aber dafür die Maras (z. B. Mara 18 oder Mara Salvatrucha), jugendliche Drogenbanden, deren Brutalität so ziemlich ihresgleichen sucht.

      Kriminalität hat nicht automatisch etwas mit Bürgerkriegen zu tun, derzeit explodiert die Kriminalität in Venezuela und in Südafrika und Brasilien gab es zu den Hochzeiten der Kriminalität auch keine Bürgerkriege.

  2. Carl Eugen Says:

    „….und wir werden nicht zulassen dass ihr uns das wegnimmt.”

    „wegnehmt“ wäre wohl das bessere Deutsch, aber egal, der Dialog ist ganz gut gelungen. Das Problem steckt vor allem in einer rein materialistischen Geschichtsauffassung. Die Linken glauben, es sei Entfremdung, Armut und soziale Ächtung die Ursache des Terrorismus, die Liberalen glauben, es sei der allgegenwärtige Staat, der Leistungen ohne Gegenleistungen böte und Ghettobildung begünstige. Beide argumentieren vor dem Hintergrund ihrer eigenen Interessenlagen: die einen fordern mehr, die anderen weniger Sozialstaat, beide können sich nicht vorstellen, daß es Motivationsgründe jenseits von materiellen Interessen oder Versorgungslagen geben kann.

    Das ist aber der Fall. Hier sind eindeutig ideologische Gründe im Vordergrund, und zwar religiös-ideologische. Dazu muß man sich den geistigen Auseinandersetzungsprozeß der islamischen mit der westlichen (christlich-heidnischen) Kultur ansehen und durchdringen. Hier liegen die Ursachen. Hinzu kommt, daß der Westen geistig Zerfallserscheinungen zeigt, indem er zwar allüberall in Sonntagsreden auf seine „Werte“ aufmerksam macht, aber in seinem eigenen Handeln oft erkennen läßt, daß er diese Werte selbst kaum schätzt. Stichwort: westlicher Selbsthaß, Sühnestolz etc. pp. (Der ZDF-Kinderkanal läßt grüßen). Dies ist eine widersprüchliche Lage geistiger Natur, um die die Terroristen genau wissen. Nicht zufällig brigen sie den Islam stets als geistig-moralisch überlegen ins Spiel.

    Und für die gute und richtige Sache, das wissen alle Ideologen, muß man auch mit den äußersten Methoden kämpfen. Die Geschichte der sozialistischen Ideologien und auch der Religionskriege spricht hier Bände. Die größten Verbrechen, so meinte einst Voltaire, sind stets reinen Gewissens begangen worden. Ein reines Gewissen verschafft aber nur der fanatisch indoktrinäre Glaube an eine Ideologie, an ein geistiges Gut, das, allgemein durchgesetzt, die Welt besser macht.

    • arprin Says:

      Die Linken glauben, es sei Entfremdung, Armut und soziale Ächtung die Ursache des Terrorismus, die Liberalen glauben, es sei der allgegenwärtige Staat, der Leistungen ohne Gegenleistungen böte und Ghettobildung begünstige. Beide argumentieren vor dem Hintergrund ihrer eigenen Interessenlagen: die einen fordern mehr, die anderen weniger Sozialstaat, beide können sich nicht vorstellen, daß es Motivationsgründe jenseits von materiellen Interessen oder Versorgungslagen geben kann.

      Ja, so sehe ich das auch. Die eigenen politischen Ansichten müssen mit der Realität übereinstimmen, also wird die Realität angepasst. Diesen Fehler machen auch die Liberalen, wobei ich das weniger im Fall von Terrorismus sehe.
      Ich für meinen Teil mache nicht den Sozialstaat für Terrorismus verantwortlich. Die Ideologie ist das Hauptproblem.

  3. aron2201sperber Says:

    von Nigeria bis zu den Philippinen wird im Namen des Islam Terror verbreitet – trotzdem hat das natürlich nichts mit dem Islam zu tun, wenn man ein Ignorant ist.

  4. bevanite Says:

    Könnte das nicht einfach auch daran liegen, dass sich vor allem Atheisten und Agnostiker, ja auch moderate religiöse Menschen in Europa nicht auf einen religiös konnotierten Konflikt einlassen wollen? In meinen Augen wäre es ein Rückfall ins Mittelalter, wenn wir Usachen von politischen Konflikten auf rein religiöse Gründe zurückführen. Man darf ruhig die Frage stellen, warum der Islamismus als Bewegung erst in den letzten 30 Jahren so groß geworden ist. Oder warum die Drahtzieher von Madrid, London, Casablanca und Paris (und entsprechende Versuche in Deutschland) allesamt in Europa sozialisiert wurden. Daesh wegzubomben ist eine Sache. Dauerhaft ein Abgleiten von abgehängten, latent gewaltbereiten Kids in Fanatismus zu verhindern ist hingegen ein „Langzeitjob“, bei dem Ursachenforschung nicht verkehrt ist.

    Eine „Begründung“ für den islamistischen Terrorismus hast Du im ersten Absatz übersehen: die konservative Sichtweise, nach der die westlichen Gesellschaften angeblich zu „dekadent“ seien. Hier kommt die spannende Frage ins Spiel, was wir in Europa oder Amerika unter westlichen Werten verstehen. Müssten Konservative nicht erstmal ihren Frieden mit dem Feminismus oder der Gleichstellung von Homosexuellen machen, bevor sie dem Islamismus moralisch handfest entgegen treten können?

    • Gedankensprung Says:

      In meinen Augen wäre es ein Rückfall ins Mittelalter, wenn wir Usachen von politischen Konflikten auf rein religiöse Gründe zurückführen.

      Man kann einen politischen Konflikt genau dann auf religiöse Ursachen/Gründe zurückführen, wenn tatsächlich religiöse Ursachen vorliegen.
      (In Übrigen: Wann ist ein Konflikt politisch und wann nicht?)

  5. Link der Woche: Wenn dich niemand versteht | PTB - PAPSTTREUERBLOG Says:

    […] „Wenn dich niemand versteht“ ist am 24.11.2015 auf dem Blog „arprin – Gedank… […]

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